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Filme

Science-Fiction-Renaissance: Gefahr aus dem Weltall

Die 67. Berlinale wagt in ihrer Retrospektive kommende Woche einen Blick in die Zukunft. Auch bei den Oscars dürfte ein Science-Fiction-Film eine Hauptrolle spielen. Ein Klassiker des Genres wurde gerade restauriert.

Filmszene Science-Fiction-Film Gefahr aus dem Weltall (Koch Media)

Warten auf die Aliens: "Gefahr aus dem Weltall" von 1953

Das Genre boomt. Von den klassischen Kinogenres ist der Science-Fiction-Film eines der beständigsten. Vor allem große amerikanische Weltraumopern erfreuen die Fans in aller Welt. Ob "Star Wars" oder "Star Trek" oder, ganz aktuell, "Passengers" oder "Operation Mars": Filme, die in die Zukunft blicken, sind nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil Produzenten, Regisseure und Trick-Techniker immer wieder Neues ausprobieren können. Denn was die Zukunft an technischen Neuerungen bringt, weiß ja derzeit niemand so ganz genau. Damit werden die Zuschauer angelockt.

1953/2016: Außerirdische mit friedlichen Absichten

Ein Science-Fiction-Film könnte auch bei den anstehenden Oscars Ende Februar noch einmal ganz groß rauskommen. "Arrival" des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve ist für acht Oscars nominiert. In seinem Film kommen Außerirdische in friedlicher Absicht auf die Welt - um Wissen anzubieten. Und um die Hilfe der Menschen in einer fernen Zukunft zu erbitten. In "Arrival" ist es die Verständigung zwischen Mensch und fremder Spezies, die das größte Hindernis bei der Kontaktaufnahme darstellt.

Pressebild Film Arrival Plakat Ausschnitt (Paramount)

In Denis Villeneuves "Arrival" von 2016 sind die Raumschiffe wesentlich größer

So kompliziert dachte man 1953 in Hollywood nicht. "Gefahr aus dem Weltraum", ein Klassiker des Genres, wurde jetzt aufwendig restauriert und als 3D-Blu-ray auf den Markt gebracht. Schaut man sich diese kleine, nicht besonders teure, aber sehr effektive Produktion heute an, so verblüffen die Parallelen zum modernen, teuren, aber ebenso effektiven Science-Fiction-Film "Arrival". Verblüffend sind vor allem die bis ins Detail reichenden inhaltlichen Entsprechungen. Im Grunde genommen hat sich in dieser inhaltlichen Beziehung im Genre nicht allzuviel geändert.

Das Genre spiegelt die Neurosen der Gesellschaft wider

Regisseur Jack Arnold erzählte 1953 die Fabel von Außerirdischen, deren Raumschiff in der Wüste Arizonas notlanden muss. Eigentlich wollen sie das kaputte Gefährt nur reparieren um möglichst schnell wieder von der Erde zu verschwinden. Doch die Hybris der Menschen steht dem entgegen. Lediglich ein Hobby-Astronom und dessen Freundin erkennen, dass die Aliens nichts Böses im Schilde führen. Alle anderen Protagonisten im Film, Militär wie Polizei sowie Wissenschaftler und sonstige Bürger, sind voller Misstrauen gegenüber dem Fremden. Im Prinzip wirken hier die gleichen dramaturgischen Prinzipien wie in "Arrival", der über 60 Jahre später produziert wurde.

"Die Science-Fiction/Monster-Filme der fünfziger Jahre gaben den 'Zeitgeist' der fünfziger Jahre am besten wider, und innerhalb dieses Genres waren die Filme von Jack Arnold in ihrer Mischung aus Horror, Bild-Poesie und ironischem Selbstbewusstsein am signifikantestes für die Traumen und Neurosen der Dekade", schreibt Georg Seeßlen in seiner Geschichte des Science-Fiction-Films.

Oft waren Aliens in Hollywood nur Monster

Jack Arnold variierte damals das Genre insofern, als dass die friedlichen Aliens keine Bedrohung darstellten - im Gegenteil zu anderen Genre-Filmen der Zeit, in denen die Aliens oft Monster waren. Die grundlegende dramaturgische Konfrontation bleibt die gleiche: Auf der einen Seite die Außerirdischen, auf der anderen die Menschen - die Interaktionen zwischen beiden Seiten bestimmten die Filmhandlung.

"Auf dem amerikanischen flachen Land wird erst einmal geschossen."

Daran hat sich bis heute nur wenig geändert. "Die im Film auftauchenden Aliens (sind) keine zähnefletschenden Ungeheuer, die, von reiner Machtgier angetrieben, die Erde unterjochen wollen, sondern intelligente Lebewesen, denen die Bürokraten nur deswegen ans Leder wollen, weil alles Fremde ihr Misstrauen hervorruft und auf dem amerikanischen flachen Land erst einmal geschossen wird, bevor man fragen stellt", fassen die SF-Experten Ronald M. Hahn und Volker Jansen das Urelement so vieler amerikanischer Genrefilme zusammen. Wer mag, der kann diesen Urkonflikt weiter spinnen bis in die heutigen Tagen und die Politik eines Donald Trump.

Deutschland Berlinale Wettbewerb 2017 Filmstill Close Encounters of the Third Kind | Unheimliche Begegnung der dritten Art EINSCHRÄNKUNG (Courtesy of Park Circus/Sony)

Auch in der Berlinale-Retrospektive kommen die Außerirdischen friedlich: "Unheimliche Begegnung mit der dritten Art"

"Es gibt noch viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen wir nichts wissen", sagt an einer Stelle John Putnam, jener aufgeschlossene Hobby-Astronom in Jack Arnolds "Gefahr aus dem Weltall" den misstrauischen Farmern und Cowboys - und liegt damit nicht fern von der Linguistin Dr. Louise Banks im Science Fiction-Film "Arrival" aus dem Jahre 2016.

Jack Arnolds Film "Gefahr aus dem Weltall" (USA 1953) ist in der 3D-Blu-ray Fassung (mit Brille) beim Anbieter "Koch Media" erschienen, enthalten in der Edition ist auch die 2D-Fassung. Zu den Extras gehören ein Interview mit Arnold, die Dokumentation "Das Universum laut Universal" sowie ein Audiokommentar des Filmhistorikers Tom Weaver. Denis Villeneuves aktueller Kinofilm "Arrival" läuft noch in einigen Kinos und ist bei der anstehenden Oscarverleihung am 26.2.2017 in acht Kategorien nominiert. Die Retrospektive der 67. Berlinale (9.2.-19.2.2017) steht unter dem Motto "Future. Imperfect".

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