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Aktuell Asien

Schwules Paar in Indonesien öffentlich ausgepeitscht

Menschenrechtler sprachen von einer "mittelalterlichen Folter". Es war die die erste öffentliche Auspeitschung eines homosexuellen Paares in dem südostasiatischen Land.

Indonesien öffentliche Bestrafung eines Homosexuellen in Banda Aceh (Reuters/Beawiharta)

Einer der Männer während der öffentlichen Auspeitschung

Die Auspeitschung fand nach Berichten von Augenzeugen auf einem Gerüst statt, das in der Provinzhauptstadt Banda Aceh vor einer Moschee aufgebaut wurde. Die beiden Verurteilten seien von mehreren hundert Schaulustigen mit lauten Beleidigungen empfangen worden. Mehrere Männer mit Kapuzen über dem Kopf hätten sich daraufhin abgewechselt, die beiden Männer zu schlagen. Die demütigende Prozedur wurde von zahlreichen Zuschauern mit ihren Handys gefilmt.

Die beiden Männer im Alter von 20 und 23 Jahren waren vergangene Woche nach islamischem Recht zu jeweils 85 Stockhieben verurteilt worden, weil sie Sex miteinander hatten.

Indonesien Gericht verurteilt homosexuelles Paar (picture-alliance/dpa/H. Juanda)

Die beiden jungen Männer nach der Verurteilung


Das Urteil hatte international heftigen Protest ausgelöst. Nachdem die Gesetze in Indonesien verschärft worden waren, war es die erste öffentliche Auspeitschung eines homosexuellen Paares in dem Land. Auch die Gesetzesverschärfung war international kritisiert worden.

Ausnahmeregelung in Aceh

Indonesien ist mit mehr als 200 Millionen Muslimen der weltweit bevölkerungsreichste islamische Staat. Eigentlich ist Homosexualität dort nicht verboten. In der konservativen Provinz Aceh gilt aber aufgrund einer Sonderregelung seit 2014 auch das islamische Recht, die Scharia. Demnach kann Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern mit bis zu 100 Stockhieben bestraft werden. Bislang wurde die Regelung allerdings noch nie angewandt. Öffentliche Prügelstrafen wegen Glücksspiel und Alkoholkonsum sind aber üblich. 

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte die öffentliche Prügelstrafe als Folter bezeichnet und vergeblich an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo appelliert, einzuschreiten und die Bestrafung zu verbieten.

Homosexuelle werden in ganz Indonesien zunehmend von Islamisten angefeindet. Erst am Montag waren bei einer Razzia in einem Schwulenclub der indonesischen Hauptstadt Jakarta mindestens 141 Männer festgenommen worden.

mm/stu (ape, rtre, afpe, dpa)

 

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