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Welt

Schwierige Wein-Diplomatie zwischen Iran und Frankreich

Die Reise des iranischen Präsidenten Rohani nach Paris ist für beide Seiten ebenso wichtig wie schwierig. Für Furore im Internet sorgt allerdings ein bizarrer Streit ums Protokoll.

Pläne für ein Essen der beiden Präsidenten sorgten für Schweißausbrüche bei den Protokollchefs - und das nur, weil der Muslim Rouhani nicht an einem Abendessen teilnehmen möchte, bei dem Wein serviert wird. Die Diskussion in den sozialen Medien drehte sich daraufhin nur noch um das Menü beim Politiker-Essen und kaum noch um Rohanis Reise nach Europa.

Der Iran habe wohl darauf bestanden, dass Halal-Fleisch serviert werde und auf keinen Fall Wein. François Hollande wollte im Gegenzug aber nicht auf sein Glas Wein zum Abendessen verzichten. Schließlich ist der Wein bei Staatsbesuchen im Elysée-Palast ein nicht wegzudenkender Standard. Für das säkulare Frankreich wäre der Verzicht ein unverzeihlicher Bruch mit der Tradition.

Vom französischen Präsidenten kam daraufhin der Vorschlag eines gemeinsamen Frühstücks - dann natürlich ohne Wein. Das wurde abgelehnt: Für den iranischen Präsidenten wirkte ein Frühstück als Politiker-Essen anscheinend zu billig.

Die Wahl des Essens wird im Netz mit viel Humor kommentiert. bedacht "Rohani trifft Hollande zum islamischen Frühstück", heißt es auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Doch eigentlich geht es bei Rohanis Reise nach Europa um viel mehr als nur ums Essen. Sie ist politisch relevant für die Beziehungen zwischen dem Iran und dem Westen. Außerdem ist es der erste Staatsbesuch eines iranischen Präsidenten in Europa seit mehreren Jahren.

Einige Nutzer kritisieren denn auch die Kleinkariertheit der beiden Präsidenten und fordern eine politische Rückbesinnung auf die wichtigen Themen wie der Bürgerkrieg in Syrien und das Atomabkommen. "Wenn Hollande und Rohani sich noch nicht einmal über ein "halal" Croissant zum Frühstück einigen können, wie sollen sie sich dann wegen Syrien oder Irans Nuklearplanung einigen?", schreibt der iranische Kolumnist und Autor Amir Taheri auf Twitter.

Diplomatie hin oder her: Für viele Franzosen ist der Wein zum Abendessen nicht wegzudenken. "Man kann mit uns Franzosen über vieles verhandeln. Aber wir haben so unsere Prinzipen", schreibt ein Franzose im Netz.

Andere wiederum weisen Hollande daraufhin, dass der Verzicht auf Wein auch positiv sein könne - nicht nur in Hinblick auf die Diplomatie. Ein alkoholfreies Abendessen sei nicht nur gesünder, es ließen sich dadurch auch Kalorien einsparen.

In einem Tweet von Frank Callery heißt es lakonisch: "Sollen sie doch Kuchen essen", angelehnt an das berühmte Zitat von Marie Antoinette.

Auch wenn in den sozialen Netzwerken über die "Wein-Diplomatie" immer noch viel diskutiert und gescherzt wird, scheinen die beiden Präsidenten nun eine Lösung gefunden zu haben: Es gibt ein Treffen ohne Essen - und ohne Wein.

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