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Kultur

Schwierige Suche nach Verschütteten in Köln

Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln ist noch unklar, wie viele Menschen zu Schaden kamen. Ein Großteil des bedeutenden Archivbestands dürfte verloren sein.

Feuerwehrleute schauen auf das zerstörte Stadtarchiv in Köln (Foto: AP)

Die Suche in den Trümmern ist wegen der Einsturzgefahr schwierig

Die Suche nach Vermissten in den Trümmern des eingestürzten Archivs der Stadt Köln gestaltet sich nach Angaben der Feuerwehr weiter schwierig. Wegen anhaltender Einsturzgefahr konnten die Rettungskräfte auch am Mittwoch (04.03.2009) nicht an die unmittelbare Unglücksstelle vordringen. Den Angaben zufolge wird nach mindestens zwei Verschütteten gesucht. Die Zahl der Vermissten könnte aber noch höher liegen. Wie die Feuerwehr berichtet, gibt es Zeugenaussagen, dass sich beim Einsturz ein Fahrzeug direkt vor dem Gebäude befunden habe. Spürhunde sollen bei der Suche bisher mindestens zweimal angeschlagen haben.

Das Historische Archiv und zwei Nachbarhäuser waren am Dienstag eingestürzt. Zeitweilig waren bis zu neun Menschen unter den Trümmern vermutet worden. Die Mitarbeiter und Nutzer des Archivs konnten sich retten, weil sich der Einsturz durch Geräusche ankündigt hatte. Als Ursache des Unglücks werden Bauarbeiten an der U-Bahn in der Kölner Südstadt vermutet. Unter dem Archiv befand sich nach Angaben der Stadtverwaltung ein Hohlraum mit einem Gleiswechselbauwerk. Um ein weiteres Absacken an der Unglücksstelle zu verhindern, wurden große Mengen Beton in den Hohlraum gefüllt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Rettungskräfte und Einsatzwagen an der Unglücksstelle (Foto: AP)

Wird die neue U-Bahn nach dem Unglück weitergebaut?

Die Staatsanwaltschaft hat nach dem Einsturz ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Oberstaatsanwalt Günther Feld sagte am Mittwoch, man gehe dem Verdacht der Baugefährdung und der fahrlässigen Körperverletzung nach. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma stellte den Weiterbau der neuen U-Bahn-Linie nach dem Unglück in Frage. Statiker prüfen, ob noch weitere Gebäude einsturzgefährdet sind. Im Umkreis von 150 Metern von der Unglücksstelle wurden alle Gebäude geräumt, unter anderem auch ein Altenheim.

Nicht weit von der Einsturzstelle entfernt war 2004 der Turm einer katholischen Kirche um 75 Zentimeter zur Seite gekippt. Ursache waren damals unterirdische Bauarbeiten gewesen. Wegen Einsturzgefahr hatten rund 70 Anwohner ihre Wohnungen vorübergehend verlassen müssen.

"Gedächtnis der Stadt" gelöscht

Blick auf das zerstörte Gebäude in Köln (Foto: AP)

Der größte Teil des Archivbestands ist vermutlich zerstört

Im historischen Archiv lagerten unter anderem die Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten wie des Komponisten Jacques Offenbach und des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Außerdem war in dem Gebäude ein Architekturarchiv beherbergt. Die Leiterin des Historischen Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, sagte in einem Interview, sie rechne damit, dass fast alle Bestände vernichtet sind. Das Ausmaß der Schäden stehe zwar noch nicht fest, es könne aber wohl nur ein kleiner Teil des Archivmaterials gerettet werden. Der Schaden wird auf etliche Millionen Euro geschätzt.

Wissenschaftler sprechen davon, dass das Gedächtnis der Stadt ausgelöscht worden sei. Eberhard Illner, ein langjähriger Abteilungsleiter im Archiv, sagte, der Schaden sei größer als beim Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar im Jahr 2004.

Köln war im Mittelalter die größte Stadt Deutschlands. In dem eingestürzten Hauptgebäude befanden sich laut Illner die Hauptbestände des Archivs, darunter auch die seit 1000 Jahren gelagerte komplette Überlieferung der Stadt Köln. "Wir reden hier von ungefähr 18 Regalkilometern wertvollsten Archivguts, und zwar europäischen Ranges." (kis/sam)

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