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Aktuell Nahost

Schwierige Suche nach neuem Regierungschef

Ägypten ist gespalten: Offenbar gelingt es nicht, einen neuen Regierungschef zu benennen, mit dem alle politischen Kräfte einverstanden sind.

Zunächst sah es so aus, als seien die nächsten Schritte Ägyptens in Richtung Demokratie klar: Der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei sollte, so vermeldeten es Insider, zum Chef einer Übergangsregierung ernannt werden. Doch nur wenige Stunden nachdem dies bekannt wurde, dementierte dies der Sprecher des Übergangspräsidenten Adli Mansur wieder.

Er verkündete, die Gespräche mit ElBaradei liefen weiter, es gebe aber auch andere Kandidaten für den Posten. Offensichtlich gab es von Seiten der salafistischen Al-Nur-Partei erheblichen Widerstand gegen den als prowestlich geltenden ElBaradei. Mansur hatte nach dem Sturz Mursis am vergangenen Mittwoch betont, auch die Islamisten an der Regierungsbildung beteiligen zu wollen.

Demonstrationen gehen weiter

Die Islamisten setzen sich jedoch weiter für den aus den Reihen der Muslimbrüder stammenden Mursi ein. Dessen Absetzung durch das Militär bezeichnen sie als Putsch und wollen diese nicht akzeptieren. Die Anhänger Mursis wollen auch am heutigen Sonntag in Kairo dafür demonstrieren, dass er wieder an die Macht kommt. Auch dessen Gegner haben zu einer Versammlung aufgerufen, schreibt die Zeitung "Al-Ahram" online.

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Ägypten ringt um Übergangspremier

Der offene Machtkampf zwischen den neuen Machthabern und den islamistischen Unterstützern Mursis war am Freitag und in der Nacht zum Samstag eskaliert. Mindestens 36 Menschen kamen nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes ums Leben, mehr als 1100 erlitten Verletzungen. Tausende Demonstranten bewarfen sich gegenseitig mit Pflastersteinen und gingen mit Stöcken, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern aufeinander los. Vor allem in der Hauptstadt Kairo, aber auch in Alexandria, Suez und in Al-Arisch auf dem Sinai endeten Demonstrationen blutig.

Appelle zum friedlichen Protest

Die internationale Gemeinschaft ist besorgt über die andauernde Gewalt in dem nordafrikanischen Land. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die ägyptischen Sicherheitsleute auf, die Demonstranten zu schützen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte der Zeitung "Bild am Sonntag": "Ich appelliere an alle Verantwortlichen, in dieser angespannten Lage nicht auf Gewalt zu setzen."

US-Präsident Barack Obama analysierte bei einer Telefonkonferenz mit dem Nationalen Sicherheitsrat die Lage in Ägypten. Er betonte, dass die USA nicht mit einer bestimmten politischen Partei oder Gruppe in Ägypten verbunden seien oder sie unterstützten. Der künftige Weg des Landes könne nur von den Ägyptern selbst bestimmt werden, so Obama.

nem/as (dpa, rtr, afpe)

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