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Kultur

Schwierige Rückkehr - Neuanfang in den Bergen Kaschmirs

Das verheerende Erdbeben vom 8. Oktober 2005 hat die letzte Ernte und die Wintervorräte vieler Bergbauern in Kaschmir zerstört. Nach dem Winter, den die meisten in einem Flüchtlingslager verbrachten, kehren sie zurück.

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Die Menschen in den Bergen von Kaschmir wollen ihr Land auf keinen Fall aufgeben

Die Umstände sind immer noch schwierig. Trotzdem hat Mohammed Arif Ende April die Zelte im Lager Fatajan in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad abgebrochen und ist in sein zerstörtes Dorf Dakan Badhirn nach Kaschmir zurückgekehrt. "Ich wäre lieber noch in Fatajan geblieben", erzählt er. "Aber die Regierung wollte es so, und wir hätten ja sowieso irgendwann zurückgemusst. Das hier ist unser Land. Wir gehören hierher." Jetzt wartet er gemeinsam mit anderen Bergbauern in einer langen Schlange vor einem weißen Lastwagen der Diakonie Katastrophenhilfe. Auf der Ladefläche stapeln sich schwere Säcke mit Maiskörnern.

Überlebenswichtig: die Aussaat

Nordpakistan nach dem Erdbeben

Bauer Hamim Ghi packt für die Rückkehr in die Berge

Die junge Türkin Aysegul Bagh beobachtet das Geschehen aus ein paar Metern Entfernung. Sie arbeitet seit vier Monaten für die deutsche Diakonie Katastrophenhilfe im pakistanischen Erdbebengebiet und organisiert in den Bergen rund um die kleine Kaschmir-Stadt Chikar den Übergang von der Nothilfe zur Wiederaufbauhilfe. Saatgut spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. "Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft", berichtet Aysegul Bagh. "Sie sind darauf angewiesen, ihre kleinen Bergterrassen zu bepflanzen. Das Saatgut ist überlebenswichtig für sie, und das macht es auch wichtig für uns."

Überlebenswichtig: harte Arbeit

Nordpakistan nach dem Erdbeben

Aysegul Bag von der Diakonie-Katastrophenhilfe im Feldcamp Chikar

Der Bauer Mohammed Arif trägt seinen schweren Maissack mit schnellen Schritten einen steilen Bergpfad hoch. Es ist heiß, Schweißperlen tropfen ihm vom Gesicht. Nach wenigen Minuten hat er sein zerstörtes Gehöft erreicht. Vor der Ruine seines Hauses auf rund 2000 Meter Höhe stehen zwei Zelte. Darin lebt er jetzt mit seiner fünfzehnköpfigen Familie, die traditionell vom Maisanbau lebt. Jetzt braucht er zum ersten Mal fremdes Saatgut. "Wir werden versuchen, genug für den Winter zu ernten. Aber die Aussaat ist nicht leicht. Das Erdbeben hat unsere Zugochsen getötet. Deshalb müssen wir die Felder mit unseren eigenen Händen umpflügen. Das ist harte Arbeit, aber wir werden uns anstrengen, um so viel wie möglich auszusäen."

Überlebenswichtig: der Wiederaufbau

Der Bauer greift zur Hacke und stapft los. Seine Brüder und Cousins werkeln weiter an der Ruine des Hauses herum. Keiner verliert ein Wort über staatliche Wideraufbauhilfe. Die jungen Männer versuchen lieber, ein paar alte Holzbalken zu retten. Zusammen mit Lehm und Wellblechplatten soll daraus eine winterfeste Unterkunft werden. Das Gerippe steht schon. Aysegul Bagh bewundert den Willen zum Wiederaufbau. Die Hilfsorganisation hat lediglich Wellblechplatten und Werkzeug besorgt, alles andere machen die Einheimischen selber. "Das ist unglaublich wichtig für die Moral der Menschen hier", beobachtet die Projekt-Betreuerin.

Überlebenswichtig: Gottvertrauen

Nordpakistan nach dem Erdbeben

Bäuerin Osan Ghan backt Brot - oft das einzige Nahrungsmittel

Die Frauen der Familie backen und kochen im Freien vor den Zelten. Mohammeds junge Ehefrau will nicht reden. Sie trauert um die beiden Kinder, die sie verloren hat. Ihre Tante Osan Ghan ergreift resolut das Wort und spricht den anderen aus der Seele. "Alles, was wir tun können, ist uns anzustrengen und hart zu arbeiten. Es ist nicht leicht. Das Beben und die Erdrutsche haben auch viel fruchtbaren Boden von unseren Feldern gerissen. Wahrscheinlich reicht das Land nicht, um eine wirklich gute Ernte einzuholen. Aber wenn Allah uns hilft, werden wir auch den nächsten Winter durchstehen."

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