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Asien

Schwierige Lage für Kulturhauptstadt Ghazni

Die afghanische Stadt Ghazni ist 2013 islamische Kulturhauptstadt in Asien. Die angespannte Sicherheitslage macht Besuche praktisch unmöglich. Deutsche Experten helfen trotzdem bei der Restaurierung der Stadtmauer.

Dass die afghanische Stadt Ghazni - rund 140 Kilometer südwestlich von Kabul an der Straße nach Kandahar - in diesem Jahr gefeiert wird, verdankt sie vor allem Mahmud von Ghazni. Der Herrscher der Ghaznaviden-Dynastie vereinte muslimischen Glauben, persische Sprache und türkische Militärkunst. So herrschte er über ein Imperium, das vom heutigen Iran über Pakistan bis nach Indien reichte. Das war in den Jahrzehnten vor und nach der ersten nachchristlichen Jahrtausendwende.

''Mahmud von Ghazni hat es geschafft, die Stadt zu einer blühenden Hauptstadt zu machen, indem er Künstler, Schriftsteller und Gelehrte aus allen möglichen Regionen Zentralasiens an den Hof holte. Das war etwas, was wir im besten europäischen Sinn als Integration verschiedener Kulturen sehen können'', resümiert Karsten Ley von der Universität Aachen. Er arbeitet mit einem Team für Stadtbaugeschichte an der Sanierung Ghaznis.

Achteckiges Ziegelminarett in Ghazni aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts (Foto: Martin Gerner)

Achteckiges Ziegelminarett in Ghazni aus dem 12. Jahrhundert

Deutsche Hilfe für beschädigte Stadtmauer

Stadtbau-Experten der Universität Aachen unter Leitung von Michael Jansen helfen seit 2010 dabei, die alte Stadtmauer von Ghazni zu sichern und zu restaurieren. "Zunächst waren wir ein bisschen erschrocken über den schlechten Zustand der Stadtmauer", so Karsten Ley. Zusammen mit der Zitadelle und zwei erhaltenen zwölfeckigen Minaretten ist die Stadtmauer eines der Wahrzeichen von Ghazni. Mit rund 1,7 Millionen Euro beteiligt sich die Bundesrepublik Deutschland an seiner Sicherung.

"Sinn des Projektes ist nicht, dass wir Deutschen dort hinkommen um zu zeigen, wie man eine Stadtmauer saniert", meint Ley. "Unsere Rolle ist es, zu organisieren und dabei zu helfen, dass die Menschen in Ghazni selber ihre Stadtmauer wieder in Ordnung bringen."

Fehlende Sicherheit gefährdet Projekte

Reparatur der alten Stadtmauer in Ghazni (Foto: DW)

Deutsches Geld, afghanischer Einsatz: Reparatur der Stadtmauer

Hilfe zur Selbsthilfe - das hören die Menschen gerne. Noch wichtiger aber ist Sicherheit. Zwei Stunden Fahrt sind es von Kabul nach Ghazni auf dem Landweg. Für Arif, einen afghanischen Journalisten, war eine Fahrt dorthin jüngst nicht möglich. ''Ich kann zurzeit nicht in meine Heimatprovinz nach Ghazni. Die Taliban drohen jenen, die mit ausländischen Medien arbeiten oder Ausländer sind, mit Entführung oder Ermordung.''

Kann Ghazni unter diesen Umständen überhaupt islamische Kulturhauptstadt sein? Weil Hinfahren nicht geht, hilft der Skype-Kontakt zu Wahidullah Omaryar, der in Ghazni Geschäftsführer eines Privat-Radios ist. ''Als Ghazni zur Kulturhauptstadt ausgerufen wurde, haben sich alle hier sehr gefreut, ich auch'', erinnert er sich. ''Damit lebt die Geschichte der Stadt auf, und die Welt vergisst uns nicht.''

Zur Freude kommt Ernüchterung. Von mehr als 30 Projekten sei nur ein Bruchteil im Zeitplan, meint Wahidullah. Afghanische Medien warnten dieser Tage sogar, der Titel islamische Kulturhauptstadt könne Ghazni wieder abhanden kommen, noch bevor die Feiern richtig losgingen.

''Für das Jubiläum wurden 15 Millionen US-Dollar an die afghanischen Behörden überwiesen'', so Waidullah. ''Ich kenne aber kein Projekt, das mit dem Geld zustande gekommen wäre. Vor allem der Flughafen fehlt noch. Ohne ihn können keine Besucher hierher kommen.''

Sanierung über 2013 hinaus

Bauarbeiten am neuen islamischen Kulturzentrum in Ghazni (Foto: DW)

Bauarbeiten am neuen islamischen Kulturzentrum in Ghazni

Versprochen worden sind den 140.000 Einwohnern Ghaznis unter anderem die bessere Elektrifizierung ihrer Stadt, ein islamisches Kulturzentrum sowie 150 Kilometer neu asphaltierter Straßen. 50 Kilometer davon sollen angeblich fertig sein. Erhalt und Sanierung der Stadtmauer, an der sich Deutschland beteiligt, seien dabei nicht an das Datum 2013 gebunden, sondern langfristig ausgerichtet, so Karsten Ley.

''Wir haben im vergangenen Jahr die Fundamente auf rund 1500 Metern konsolidiert, damit es da nicht weitere Einbrüche gibt", sagt er. Bis zu 400 Handwerker und Bauarbeiter am Tag sind dafür im Einsatz. Angst um sie hat Ley nicht. ''Wir rechnen nicht mit Selbstmord-Attentätern. Die suchen eher große Ansammlungen von Menschen auf. Aber das westliche Militär ist in Ghazni nicht in der Stadt stationiert, sondern vor den Toren.''

Kulturhauptstadt ohne Publikum?

Einheimische wie ausländische Besucher können zurzeit weder einfach über Land noch per Flugzeug nach Ghazni kommen. Kuratoren und Berater schlagen deshalb vor, die Stadt solle zu den Menschen gehen. Und zwar in Form von Foto-Ausstellungen, Filmen und Werbe-Videos. So könne Ghazni trotz der Sicherheitsprobleme wenigstens in der Region wieder bekannt gemacht werden.

Die Hoffnung auf wirtschaftlichen Austausch durch das Feierjahr erfüllt das noch nicht. Wird Ghazni am Ende eine Kulturhauptstadt ohne Publikum? ''Es wird eine Anzahl symbolischer Delegationen im Jubiläumsjahr geben'', schätzt Arif, ''Polizei und Armee werden da sein zu ihrem Schutz. Und nach ein oder zwei Tagen werden sie wieder gehen.''

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