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Kultur

Schwierige Hilfe für Erdbebenopfer auf Java

Nach dem verheerenden Erdbeben in Indonesien mit über 5400 Toten läuft die internationale Hilfe an. Am dritten Tag nach dem Beben stellen sich enorme Probleme.

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Wenig blieb übrig

Nach der Erdbebenkatastrophe auf der indonesischen Insel Java haben Hilfsaktionen für vermutlich mehrere hunderttausend Obdachlose und Verletzte begonnen: Auf dem wiedereröffneten Flughafen von Yogyakarta landeten auch am Dienstag (30.5.2006) Maschinen mit Zelten, Nahrung und Medikamenten. Dutzende Lastwagen mit Hilfslieferungen waren auf dem Weg zu den Überlebenden.

Zehntausende Menschen in der Erdbebenregion hatten zuvor die dritte Nacht in Folge trotz Regens unter freiem Himmel verbracht, weil sie ihr Haus verloren oder Angst vor neuen Erdstößen haben.

Höhere Opferzahlen befürchtet

Indonesien Erdbeben Krankenhaus

Kein Stein blieb hier auf dem anderen

Die Zahl der Toten auf der am dichtesten besiedelten Insel Indonesiens stieg nach Angaben des indonesischen Sozialministeriums von Dienstag auf mindestens 5400. Die Behörden befürchten, dass die Opferzahl weiter steigt, da unter den Trümmern noch Tote vermutet werden.

Am schwersten traf das Beben vom Samstag (27.5.) mit der Stärke 6,3 die Großstadt Yogyakarta in Zentral-Java, etwa 450 Kilometer östlich von Jakarta. In Yogyakarta und Umgebung zerstörte der Erdstoß rund 35.000 Häuser. Mindestens 15.000 Menschen wurden verletzt. Nach Schätzungen des Roten Kreuzes sind bis zu 200.000 Menschen obdachlos.

Schwer zu erreichen

In entlegeneren Gegenden des Erdbebengebietes klagten Überlebende am Montag, Hilfe erreiche sie nur schleppend. Die Behörden räumten mit Blick auf das Ausmaß der Schäden und die Zahl der Betroffenen ein, zunächst noch Mühe mit der Verteilung von Hilfsgütern zu haben, da es an Lastwagen und Personal fehlte. Einige Dörfer seien nur zu Fuß zu erreichen, sagte ein Sprecher.

Kliniken überfordert

Nach wie vor sind die Kliniken wegen der großen Zahl Verletzter hoffnungslos überfordert. Dort wird ebenfalls zusätzliches Personal benötigt. Krankenhausmitarbeiter sprachen von einem nicht endenden Strom von Verletzten. "Die meisten haben Kopfverletzungen", so ein Mitarbeiter des Bethesda-Krankenhauses in Yogyakarta. Die Krankenhäuser sind überfüllt, zahlreiche Verletzte liegen teils in Zelten, teils unter freiem Himmel.

Erdbeben Insel Java Indonesien Militärpersonal mit Hilfsgütern auf dem Flughafen in Jakarta

Militärpersonal mit Hilfsgütern auf dem Flughafen in Jakarta

Trotz schwindender Hoffnung, unter den Trümmern noch Überlebende zu finden, setzten Einsatzkräfte und Freiwillige am Montag die Suche nach Verschütteten fort. Die Regierung werde voraussichtlich umgerechnet 100 Millionen Euro für die Nothilfe und den Wiederaufbau zur Verfügung stellen.

Präsident verlegt Amtssitz

Die Regierung in Jakarta rief einen dreimonatigen Notstand für die Erdbebenregion aus. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verlegte seinen Amtssitz vorübergehend nach Yogyakarta, um die Hilfsmaßnahmen persönlich zu überwachen. Der Gouverneur von Yogyakarta, Sri Sultan Hamengkubuwono, ordnete an, eintreffende Hilfsgüter direkt an die Überlebenden und nicht mehr über die Verwaltungsstellen zu verteilen. "Die Bürokratie verzögert nur alles", sagte er.

Die indonesische Regierung sagte jedem Überlebenden in dem hunderte Quadratkilometer großen Katastrophengebiet zwölf Kilo Reis und umgerechnet 7,50 Euro monatlich sowie Unterstützung beim Kauf von Kleidung zu. Für ein zerstörtes Haus sollen 2500 Euro Entschädigung gezahlt werden.

Finanzielle Hilfe

Zahlreiche Länder boten finanzielle Hilfe und entsandten Rettungskräfte. US-Präsident George W. Bush stockte die in Aussicht gestellte Summe von 500.000 US-Dollar (etwa 390.000 Euro) auf 2,5 Millionen US-Dollar auf. Kanada sagte 1,8 Millionen US-Dollar zu, China stellte zwei Millionen US-Dollar bereit. Der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Louis Michel sagte bis zu drei Millionen Euro EU-Nothilfe zu.

Yogyakarta und die benachbarte Stadt Solo sind die wichtigsten kulturellen Zentren Javas und als Reiseziel bei Touristen aus aller Welt sehr beliebt. Die nahe Tempelanlage Borobudur, eines der größten buddhistischen Monumente der Welt und UNESCO-Weltkulturerbe, überstand das Beben nach Behördenangaben unbeschadet. Dagegen habe es einige Schäden an dem spektakulären Hindu-Tempel Prambanan gegeben.

Vulkan weiter aktiv

Nach dem Erdbeben kommt auch der Vulkan Merapi nicht zur Ruhe. Er schleuderte am Montag abermals eine heiße Gaswolke hoch in die Luft, die dann an den Hängen des rund 3000 Meter hohen Berges niederging. Wissenschaftler sahen darin ein weiteres Besorgnis erregendes Zeichen, dass eine größere Eruption bevorstehen könnte. Infolge des Erdbebens vom Samstag habe sich die Aktivität des Vulkans verdreifacht, hieß es. Da schon vor Wochen ein Ausbruch zu befürchten war, wurde die Bevölkerung im Umkreis in Sicherheit gebracht. Der Merapi zählt zu den aktivsten Vulkanen der Erde. (kap)

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