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Deutschland

Schwierige Bergungsarbeiten in Köln

Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln konzentrieren sich die Helfer auf die Bergung unersetzlicher Kulturschätze und die Suche nach zwei Vermissten. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.

Luftaufnahme von der Unglücksstelle in Köln (Foto: AP)

Das Stadtarchiv liegt in Trümmern

Zum Hergang des Unglücks am Vortag sagte der Kölner Feuerwehrchef Stephan Neuhoff am Mittwoch (04.03.2009), in einer Baugrube für die Erweiterung der U-Bahn sei eine Öffnung entstanden, in die Erde nachgerutscht sei. Dadurch sei dem Archivgebäude der Boden entzogen worden. Es verlor seine Standfestigkeit und kippte nach vorne auf die Straße und in die Baugrube. Zwei benachbarte Wohnhäuser wurden weitgehend mitgerissen. Im Dachgeschoss eines dieser Häuser wohnten die beiden Vermissten. Sollten sie tatsächlich unter den Trümmern liegen, gehe ihre Überlebenschance "gegen Null".

Beton soll Boden stabilisieren

Feuerwehrleute im Einsatz (Foto: AP)

"Komplizierte Sicherungsarbeiten"

Um mit dem Abtragen des Schuttberges beginnen zu können, sind - so Neuhoff weiter - komplizierte Sicherungsarbeiten erforderlich. Zur Stabilisierung des Bodes wurden bereits hunderte Kubikmeter Beton in die U-Bahn-Baugrube geleitet. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma stellte den weiteren U-Bahn-Ausbau in Frage. Er halte diesen "jetzt für fast unverantwortlich". Es müsse grundsätzlich darüber nachgedacht werden, "ob man in Zukunft U-Bahn-Bauten in einer bewohnten Stadt in dem Maße durchführen kann und soll", sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch am Unglücksort. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Baugefährdung und fahrlässigen Körperverletzung.

"Enormer geistiger Verlust"

Historisches Stadtarchiv Köln (Foto: Stadt Köln 1971)

Das Archivgebäude wurde 1971 in Betrieb genommen

Weiter unklar ist der genaue Ausmaß des Schadens für das Historische Archiv. "Es handelt sich um fast 30 Regalkilometer mit kostbaren Handschriften, Plänen und Dokumenten, deren Versicherungswert 400 Millionen Euro beträgt", sagte Kölns Kulturdezernent Georg Quander. Gar nicht zu bemessen sei der enorme geistige Verlust. "Im schlimmsten Fall ist der Schaden größer als beim Brand in der Anna-Amalia-Bibiliothek in Weimar", meinte Quander. Dort waren 2004 insgesamt 50.000 Bücher verbrannt und mehr als 60.000 Bände beschädigt worden.

Die Klassik Stiftung Weimar bot dem Stadtarchiv unterdessen Unterstützung bei der Rettung der kostbaren Unterlagen an. Die Katastrophe von Köln zeige erneut, dass es unverzichtbar sei, die Aufmerksamkeit für den Wert des schriftlichen Kulturguts zu stärken, erklärte die Stiftung. (wa)

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