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Politik

Schwerter zu Nähmaschinen

Mosambik kämpft mit dem Erbe des Bürgerkrieges. Nicht nur mit der Zerstörung, sondern vor allem mit übrig gebliebenen Waffen. Helfer wollen die Mosambikaner überreden: Tausche Gewehr gegen Alltagsgerät.

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Der Krieg ist zu Ende, die Waffen sind noch da

Mehr als 600 Millionen Gewehre und Pistolen zirkulieren ohne jegliche Kontrolle in den politisch unruhigen Gegenden dieser Welt: Kalaschnikows aus der ehemaligen Sowjetunion, G3-Gewehre aus deutscher Produktion, amerikanische M16-Gewehre oder die israelischen Uzis.

Auf den Märkten zwischen Kabul, Nairobi, Bogota oder Beirut sind solche Kleinwaffen billig zu haben – im schlechtesten Fall reichen 100 Dollar aus. Und auch der lange Bürgerkrieg in Mosambik und der Anti-Apartheid-Kampf im benachbarten Südafrika haben Abertausende dieser leicht bedienbaren und damit gefährlichen Waffen hinterlassen.

Die Uniform hat ausgedient – die Waffe nicht

Mosambik

Nur wenige haben ihre Waffen bereits abgegeben

Wolf Christian Paes vom "Bonn International Center for Conversion" (BICC) hilft seit Jahren mit, die noch vorhandenen Waffen zu vernichten. Zwar hätten die UNO und die Nachbarstaaten Mosambiks sich bemüht, die früheren Kämpfer zu entwaffnen, berichtet er. "Allerdings haben es einige Leute vorgezogen, ihre Waffen nicht abzugeben. Sie haben die Uniform ausgezogen, aber vielleicht die Waffen hinterm Haus vergraben." Die meisten Menschen rechtfertigten dies mit der kritischen Sicherheitslage. "Es gibt zwar kaum noch politische Gewalt", sagt Paes. "Aber die Probleme, die man heute sieht, sind genereller, krimineller Natur."

Der Schmuggel von Waren, aber auch von Drogen und Menschen, nimmt dort besonders zu, wo es ein großes Wohlstandsgefälle gibt. Mexiko und die USA sind ein klassisches Beispiel, das auch auf Mosambik und Südafrika zutrifft, die gerade Konflikte hinter sich haben. Hier werden vor allem Waffen geschmuggelt und verschoben. Und im südlichen Afrika verbinden sich auf fast schon tragische Weise Angebot und Nachfrage, angeheizt durch die zunehmende Kriminalität im neuen Südafrika. Dort liege der Hauptmarkt für Kleinwaffen, erklärt Paes.

Schmuggler nutzen unwegsames Grenzland

Mosambik

Schwerter zu Nähmaschinen

Kaum jemand halte die Schmuggler auf. "Die Grenze zwischen Mosambik und Südafrika ist lang und sehr schwer zu kontrollieren. Sie führt durch schwieriges Gelände, und es ist relativ leicht vorstellbar, dass dort eine Ladung Waffen in einem Pick-Up-Truck oder zu Fuß ins Land gebracht werden kann."

Auch die Waffen zu verkaufen, sei in Südafrika nicht allzu schwierig. Im Gegensatz zu Mosambik steige dort der Marktpreis. "Es ist ein wesentlich wohlhabenderes Land mit einer wachsenden Gewaltkriminalität seit Anfang der 1990er Jahre", erläutert Paes.

Gewehre gelten als wertvoll

Mosambik

Gefährliches Potenzial

Das BICC arbeitet in Mosambik eng mit dem dortigen Kirchenrat zusammen. Beide wollen mit dem berühmten Motto "Schwerter zu Pflugscharen" die Waffenbesitzer überzeugen, ihre versteckten Gewehre einzutauschen. Etwa gegen Agrarausrüstung, Nähmaschinen oder Baustoffe. Die Mitarbeiter des Kirchenrates fahren mit ihrem Lastwagen in ein Dorf, nachdem sie sich vorher angekündigt haben, beschreibt Paes die Vorgehensweise der Organisation. "Sie sagen: Ihr gebt uns eure Waffen, dann habt ihr ein Problem weniger. Eure Kinder können dann nicht mehr gefährdet werden und ihr habt keine gefährliche Munition mehr im Schuppen liegen."

Auf der anderen Seite, sagt der BICC-Mitarbeiter, sei es wichtig, dass die Mosambikaner etwas als Gegenleistung bekämen. "Denn so eine Waffe hat ja einen Wert - auch wenn es vielleicht nur 10 oder 15 Dollar sind." Im ländlichen Mosambik sei das viel Geld, das gebe keiner gerne ab. "Und da können eine Nähmaschine, ein Sack Zement oder andere Baumaterialien durchaus viel erreichen."

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