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Asien

Schwerster Atomunfall in Japans Geschichte

Hat nach der Explosion in einem AKW eine Kernschmelze begonnen? Es gibt dafür keine offizielle Bestätigung, dennoch wird die Bevölkerung evakuiert. Gleichzeitig kämpft Japan mit weiteren Folgen des Erdbebens.

Luftbild AKW Fukushima (Foto: dpa)

AKW Fukushima vor der Katastrophe

Nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan erlebt das Land einen der schwersten Atomunfälle seiner Geschichte. Während eines Nachbebens am Samstag (12.03.2011) kam es in dem Atomkraftwerk Fukushima zu einer Explosion, bei der die Außenwand des Reaktors abgesprengt wurde. Ob es dabei zu einer Kernschmelze kam, ist weiterhin unklar. Auch über das Ausmaß der Strahlung gibt es noch keine offiziellen Angaben.

Karte Japan mit Fukshima (Grafik: DW)

Ein Nachbeben löste die Explosion in Fukshima aus

Nach der Explosion in Fukushima hing über der Anlage eine Rauchwolke. Fernsehbilder zeigten eingestürzte Wände des Reaktorgebäudes. Nach Angaben des Betreibers Tokyo Electric Power (Tepco) wurden vier Mitarbeiter leicht verletzt.

Regierung will beruhigen

Premierminister Naoto Kan sagte am Abend (Ortszeit), er sei besorgt. Zu einer möglichen Kernschmelze äußerte er sich aber nicht. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und erklärte, die Regierung werde alles tun, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. "Kein einziger Mensch wird gesundheitliche Probleme haben", sagte er auf einer Pressekonferenz. Das Erdbeben und den anschließenden Tsunami vom Freitag bezeichnete Kan als eine "nie dagewesene nationale Katastrophe".

Keine genauen Angaben über Radioaktivität

Naoto Kan (Foto: AP)

Will "das beispiellose Desaster gemeinsam überwinden": Naoto Kan

Die Angaben über die Strahlungsbelastungen durch den Störfall in dem AKW Fukushima sind weiter widersprüchlich. Der Fernsehsender NHK berichtete, dass durch die Explosion eine massiv erhöhte Radioaktivität gemessen worden sei. Die Regierung wies das allerdings zurück: Im Umfeld des Reaktors sei keine erhöhte Strahlung nachweisbar. Das Stahlgehäuse, das den Reaktor schütze, sei bei dem Einsturz der umgebenden Wände nicht beschädigt worden, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Der nach dem Ausfall des Kühlsystems durch das Erdbeben am Freitag zuletzt stark angestiegene Druck nehme zudem wieder ab.

Evakuierung und Schutzmaßnahmen

Dennoch dehnten die Behörden den Evakuierungsradius um das Atomkraftwerk deutlich von 10 auf 20 Kilometer aus. Alle Menschen in diesem Umkreis müssten das Gebiet verlassen, berichten japanische Medien. Allein in dem 10-Kilometer-Umkreis betrifft das fast 50.000 Menschen. Außerdem wird die Bevölkerung wird mit Jodtabletten versorgt, um sie vor radioaktiver Strahlung zu schützen.

Japanische Fernsehsender riefen die Menschen in der weiteren Umgebung auch dazu auf, die Fenster geschlossen zu halten und Klimaanlagen abzuschalten. Zudem empfahlen Experten, einen Mundschutz zu tragen, so wenig Haut wie möglich der Luft auszusetzen und kein Leitungswasser zu trinken.

Tote, Vermisste und Obdachlose

Unterdessen lässt sich das Ausmaß der Katastrophe nach dem Erdbeben, dem Tsunami und den Nachbeben noch immer nicht genau einschätzen. Nach offiziellen Behördenangaben wurden mehr als 500 Todesopfer identifiziert. Der öffentlich-rechtliche Sender NHK berichtete unter anderem, dass allein in der Hafenstadt Minamisanriku noch 10.000 Menschen und damit mehr als die Hälfte der Einwohner vermisst würden. Auch die Zahl der Verletzten geht in die Tausende. Mehr als 200.000 Menschen haben die Nacht zum Samstag in Notunterkünften zugebracht, jeder zehnte befindet sich immer noch dort.

Rettungskraft mit Suchhund (Foto: AP)

Tausende Menschen werden noch vermisst

Einen Tag nach dem verheerenden Beben der Stärke 8,9 wurde das Land am Samstag erneut von einem Erdstoß der Stärke 6,8 erschüttert. Wie die US-Erdbebenwarte mitteilte, lag das Epizentrum praktisch in der gleichen Gegend vor der Nordostküste Japans wie am Vortag.

Für die Rettungseinsätze wurden 50.000 Soldaten in die Katastrophenregion entsandt, wie Ministerpräsident Kan erklärte. Außerdem seien 190 Militärflugzeuge sowie 25 Schiffe in die betroffenen Gebiete unterwegs. "Die meisten Häuser an der Küstenlinie sind weggespült worden", sagte Kan nach einem Helikopterflug über der Erdbebenregion. Der Tsunami habe sehr schwere Schäden verursacht, so der Premier.

Große Anteilnahme aus dem Ausland

Zahlreiche Staaten haben Japan Hilfe zugesagt. US-Präsident Barack Obama erklärte, ein US-Flugzeugträger befinde sich bereits dort, ein zweiter sei auf dem Weg. Ein drittes Schiff sei im Pazifik unterwegs und könne bei Bedarf auch noch helfen.

Auch die ersten deutschen Helfer sind in der Region eingetroffen. Vier Experten des Technischen Hilfswerks sind bereits in Tokio, wie ein Sprecher der Organisation sagte. Sie würden in Abstimmung mit der deutschen Botschaft und den japanischen Behörden die Lage erkunden.

Autorin: Sabine Faber (dpa, rtr, afp, dapd)

Redaktion: Dеnnis Stutе

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