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Politik

Schwerste Kämpfe im Nordirak seit türkischem Einmarsch

Die Türkei meldet heftige Gefechte im Nordirak: 77 Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und fünf Soldaten seien getötet worden. Ankara lehnt es weiter ab, sich auf einen Zeitplan für den Rückzug festzulegen.

Türkischer Kampfhubschrauber fliegt zum Einsatz (27.02.2008, AP)

Türkischer Kampfhubschrauber fliegt zum Einsatz

Eine Woche nach dem Beginn der Offensive im Nordirak hat die türkische Armee bei den nach eigenen Angaben bisher schwersten Gefechten 77 kurdische PKK-Kämpfer getötet. Insgesamt seien bisher mehr als 250 Menschen ums Leben gekommen, teilte der türkische Generalstab in Ankara am Mittwoch (27.02.2008) mit. Es gebe in zwei Regionen Gefechte. Angeblich PKK-Hauptlager angegriffen
Türkische Soldaten kampieren im Schnee (27.02.2008, AP)

Türkische Soldaten kampieren im Schnee

Ein Brennpunkt der Kämpfe war im Zap-Tal, rund zehn Kilometer südlich der Grenze. Türkische Soldaten sollen dort ein Hauptlager der PKK eingekreist haben. Spezialeinheiten seien bis auf einen Kilometer an das Lager herangekommen, berichteten türkische Zeitungen weiter. Die PKK erklärte dagegen, sie habe Angriffe der türkischen Armee zurückgeschlagen. Für Angaben beider Seiten gab es keine unabhängige Bestätigung. Viele der PKK-Lager sollen inzwischen verlassen sein. Schneefälle hatten am Dienstag den Vormarsch der Soldaten behindert. Die Türkei schickte Gesandte zu Gesprächen mit der irakischen Führung nach Bagdad. Sie sollen auch mit mehreren kurdischen Politikern sprechen, darunter Staatspräsident Dschalal Talabani und Außenminister Hoschiar Sebari. Die kurdische Regierung im Nordirak trat unterdessen einem Bericht des türkischen Generalstabs entgegen, wonach die im Kampf verwundeten PKK-Milizionäre in den Krankenhäusern des irakischen Kurdengebietes behandelt worden sein sollen. "Dies ist eine Lüge, wir stehen immer noch zu unserem Standpunkt und zu den Maßnahmen gegen die PKK, die wir getroffen hatten", sagte ein Regierungssprecher. Die Regierung in Erbil hatte im vergangenen November Maßnahmen beschlossen, um die Bewegungsfreiheit der PKK-Kämpfer im Irak einzuschränken. Kein Zeitplan für Abzug Der wichtigste außenpolitische Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ahmet Davutoglu, sagte in Bagdad, es werde keinen Zeitplan für den Abzug türkischer Truppen aus dem Nordirak geben, so lange die PKK dort präsent sei. Der Irak hatte die Türkei zum sofortigen Rückzug aufgefordert. Davutoglu war Teil der Delegation, die die türkische Regierung in den Irak geschickt hatte, um die Ziele der Intervention zu erläutern. Neben Gesprächen mit Talabani und Sebari stand auch ein Treffen mit US-Botschafter Ryan Crocker auf dem Programm der Abordnung aus Ankara.

Soldat liegt im Schnee, legt sein Gewehr an (24.02.2008, AP Photo/Turkish Military, HO)

Der Schnee behindert den Kampfeinsatz der Türken

Etwa 3000 bis 5000 PKK-Kämpfer halten sich nach Schätzungen der türkischen Armee in den nordirakischen Bergen versteckt. Von dort aus hätten sie in den vergangenen Jahren immer wieder Anschläge und Angriffe auf Ziele in der Türkei verübt. Mit der jüngsten Militärintervention versucht die Türkei, die PKK-Infrastruktur im Nordirak zu zerschlagen. Die USA fürchten, der Einsatz könne den Irak weiter destabilisieren. Die in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte PKK hat Berichte über größere Verluste in den eigenen Reihen mehrfach als türkische Propaganda bezeichnet. Noch am Mittwochabend wurde US-Verteidigungsminister Robert Gates in Ankara erwartet, der einem BBC-Bericht zufolge ein schnelles Ende der Offensive fordern will. Unter "schnell" verstehe er einige Tage oder höchstens ein bis zwei Wochen, präzisierte der US-Verteidigungsminister im indischen Neu Delhi. Außerdem werde er erneut darauf hinweisen, dass das "Terrorismusproblem" nicht allein militärisch zu lösen sei. (vem)

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