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Nahost

Schwerer Terroranschlag in Bagdad

Panik und Chaos nach einem Anschlag auf die US-Zivilverwaltung in der irakischen Hauptstadt: Selbstmordattentäter haben erneut dutzende unschuldige Irakis mit in den Tod gerissen.

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Inzwischen sind mehr als 500 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen

Bei der Explosion einer 500-Kilogramm-Bombe vor dem Sitz der US-Zivilverwaltung in Bagdad sind am Sonntag (18.1.2004) mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen, meldet die Nachrichtenagentur DPA in Berufung auf Angaben des irakischen Regierungsrats. Die Zahl der Opfer wächst jedoch stündlich. Der von einem Selbstmordattentäter gesteuerte Geländewagen explodierte inmitten einer auf Einlass wartenden Menschenmenge. Bei den meisten Todesopfern handelt es sich um Iraker, die am Tor vor dem ehemaligen Palast der Republik um Arbeit anstanden. Unter den Toten sind nach Militärangaben auch zwei Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums. Bei dem schwersten Anschlag seit der Gefangennahme von Saddam Hussein vor fünf Wochen wurden nach AP-Angaben 60 Menschen verletzt. Auch unter den Verletzten befinden sich sechs US-Bürger.

Terror gegen das eigene Volk

Anschlag auf US-Hauptquartier in Bagdad

Anschlag auf US-Hauptquartier in Bagdad

Der Anschlag ereignete sich gegen 8.00 Uhr Ortszeit. "Es war die Zeit, in der die Arbeiter in den Palast gehen", sagte der irakische Ingenieur Chalid Taleb. Ein anderer Augenzeuge, Haidar Hanun, sagte, er habe sich in die Warteschlange von Arbeitssuchenden eingereiht, als ein Land Cruiser explodiert sei. Das Fahrzeug mit der Bombe wurde nach Angaben des irakischen Polizeichefs Hassan el Obeidi von einem einzelnen Selbstmordattentäter gesteuert. Das Gebiet am Tigris-Ufer, die so genannte Grüne Zone, ist einer der am stärksten gesicherten Stadtteile von Bagdad.

Bremer in Bedrängnis

Bremer in Bedrängnis

Der oberste Zivilverwalter der USA für Irak, Paul Bremer (Foto), hielt sich am Wochenende zu Gesprächen mit den Vereinten Nationen in New York auf. Er verurteilte den Anschlag als "weiteres Zeichen für die mörderische und zynische Absicht von Terroristen, die Freiheit, Demokratie und Fortschritt in Irak untergraben." Sie würden ihre Ziele jedoch nicht erreichen, erklärte Bremer. "Wieder einmal waren es unschuldige Iraker, die von diesen Terroristen in einem sinnlosen Akt der Gewalt ermordet wurden."

Auch der irakische Regierungsrat verurteilte den Anschlag scharf. Es sei falsch, nach einer politischen Botschaft hinter diesem Verbrechen zu suchen, sagte der Sprecher des Rats, Hamid el Kafai, im irakischen Fernsehen. Er sei sich auch sicher, dass der Selbstmordanschlag nichts mit der Kontroverse um die Machtübergabe durch die Amerikaner an eine neue irakische Führung zu tun habe. "Aus dieser feigen Tat kann man keine Botschaft herauslesen, außer dass es ein Akt des Terrorismus war", fügte Kafai hinzu.

Bisher 500 US-Soldaten in Irak getötet

Bei einem Bombenanschlag auf ein amerikanisches Panzerfahrzeug nördlich von Bagdad wurden am Samstag (17.1.2004) drei US-Soldaten und zwei irakische Sicherheitskräfte getötet. Damit stieg die Zahl der seit Kriegsbeginn am 20. März 2003 in Irak getöteten US-Soldaten auf 500.

Nach dem Anschlag nahe Tadschi, rund 30 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt, wurden nach Militärangaben drei Männer festgenommen. In ihrem Fahrzeug wurde Material zur Herstellung von Bomben gefunden.

Verhandlungen um Souveränität

Im Konflikt um die geplante Machtübergabe an eine irakische Regierung suchen die USA offenbar verstärkt die Unterstützung der Vereinten Nationen. Nach einem Gespräch mit Präsident George W. Bush, der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Außenminister Colin Powell in Washington traf US-Zivilverwalter Bremer zu Gesprächen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York ein.

Zwar sei die vom einflussreichsten schiitischen Führer des Landes geforderte Parlamentswahl vor der geplanten Einsetzung einer irakischen Übergangsregierung am 1. Juli nicht machbar, sagte Bremer. Es werde aber über Teilwahlen und Versammlungen als Kompromiss nachgedacht. Großayatollah Ali el Husseini el Sistani lehnt die Einsetzung einer nicht direkt gewählten Übergangsregierung ab und hat mit deren Boykott gedroht. (kas)

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