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Fokus Südosteuropa

Schwerer Stand für Schwule in Montenegro

Die Lage der Homosexuellen in Montenegro hat sich verbessert, ist aber noch lange nicht gut, monieren Menschenrechtsaktivisten. Eine Schwulen-Parade soll zu mehr Toleranz beitragen. Ob sie stattfindet, ist noch fraglich.

Regenbogenfahne vor Aktreflief (Foto: AP)

Montenegro ist keine Regenbogengesellschaft

Staat und Gesellschaft behandeln Homosexuelle in Montenegro wie eine Randerscheinung. Sogar der Minister für Menschenrechte und Minderheiten will sich nicht für Interessen Homosexueller einsetzen. Gesetze, die die Diskriminierung von sexuell anders orientierten Menschen verhindern, müssen erst verabschiedet werden. Demnächst wollen Schwule und Lesben mit einer Parade mehr Toleranz in der montenegrinischen Gesellschaft fordern. Die "Pride Parade" soll noch dieses Jahr stattfinden, versichert der Gay-Aktivist Zdravko Cimbaljevic. Das genaue Datum werde bekannt gegeben, sobald eine offizielle Einschätzung der Sicherheitslage vorliege.

Minister der markigen Sprüche

Porträt von Montenegros Menschenrechts- und Minderheitenminister Ferhat Dinosa

Ferhat Dinosa will nicht für Schwule zuständig sein

Als Schirmherrn der Veranstaltung schlägt Cimbaljevic den montenegrinischen Minister für Menschen- und Minderheitenrecht Ferhat Dinosa vor. Dinosa ist für seine markigen, schwulenfeindlichen Sprüche bekannt. Ihm zufolge fällt der Schutz von gesellschaftlichen Minderheiten wie der Homosexuellen nicht in sein Ressort. Er sei nur für nationale Minderheiten zuständig und stelle diese auch deutlich vor die Belange der homosexuellen Bevölkerung in Montenegro.

Dinosas Aussagen stießen bereits mehrfach auf Kritik in Brüssel. Denn Erklärungen gegen Menschen, die anders sind als die Mehrheit, verstoßen sehr wohl gegen Menschen- und Minderheitenrechte nach europäischen Standards. Der EU zufolge muss Montenegro Gesetze zum Schutz dieser Bevölkerungsgruppe einführen und umsetzen, wenn es Mitglied er europäischen Familie werden will.

Ressortminister Dinosa hat unterdessen die Schirmherrschaft für die geplante "Pride Parade" abgelehnt. Zur Begründung sagte er, Montenegro sei nicht bereit für eine derartige Veranstaltung. Zudem würde sie den Veranstaltern großen Schaden zufügen, behauptet Dinosa. Die serbisch-orthodoxe Kirche, die Homosexualität als unnatürlich ansieht, hat verkündet, dass die Veranstaltung der "Pride Parade" ein Hirngespinst sei.

Die Veranstaltung stößt bislang aber auch nicht auf großes Interesse der zivilgesellschaftlichen Organisationen oder bei den politischen Parteien. Keine große Partei in Montenegro unterstützt die "Pride Parade". In der breiten Bevölkerung Montenegros stößt Homosexualität auch nicht gerade auf Sympathie. Laut Meinungsumfragen finden zwei Drittel der Montenegriner, dass Homosexualität "eine Krankheit" sei.

Rücktritt gefordert

Menschenmasse in Montenegro (Foto: AP)

Montenegros Demokratie in den Kinderschuhen?

Der Jugendaktivistin Ivana Vujovic zufolge ist die montenegrinische Gesellschaft noch sehr traditionell. Sie räumt indes ein, dass sich die ablehnende Haltung gegenüber sexuell anders orientierten Menschen langsam ändere. Um diese Änderung zu verstärken und die Akzeptanz gegenüber der "Gay-Bevölkerung" zu demonstrieren, sollte die Regierung in Podgorica den Rücktritt von Minister Dinosa wegen seiner "homophoben Äußerungen" fordern. "Er ist sehr deutlich auf seine Fehler aufmerksam gemacht worden. Er ist jedoch nicht bereit, seine Fehler zu korrigieren. Daher weiß ich nicht, ob wir da von Veränderungen sprechen können, wie sie die EU fordert. Wir schicken konstant eher die Botschaft, dass wir keine grundlegenden Veränderungen in diesem Bereich möchten", meint Vujovic. Sie bleibt jedoch optimistisch: "Die montenegrinische Gesellschaft ist nie zuvor in Menschenrechte, Gleichheit, Chancengleichheit und Rechtsstaatprinzipien eingewiesen worden. Daran muss gearbeitet werden. All dies ist eigentlich Teil der Demokratisierung einer Gesellschaft."

Autoren: Mustafa Canka / Mirjana Dikic
Redaktion: Fabian Schmidt

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