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Politik

Schwerer Schlag gegen französisches Militär

Mindestens zehn tote ISAF-Soldaten – der Taliban-Angriff auf ausländischen Truppen ist der folgenschwerste seit Jahren. Frankreichs Präsident will nun nach Kabul aufbrechen. Ein Kurswechsel steht nicht zur Debatte.

Soladten auf einem Panzer, im Vordergrund (unscharf) mehrere Jungen (29.3.08, Kabul - Afghanistan, Quelle: AP)

Französische Soldaten auf Patrouille in der Nähe von Kabul (Archiv)

Bei schweren Gefechten mit Taliban-Kämpfern sind in Afghanistan zehn französische Soldaten getötet worden. 21 weitere Soldaten seien verletzt worden, als sie bei einem Einsatz am Montag (18.08.2008) im Großraum Kabul von Aufständischen angegriffen worden seien, teilte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Dienstag mit.

Er kündigte an, noch am Abend nach Kabul aufzubrechen, um seine Unterstützung für die dort stationierten Streitkräfte zu zeigen. Seine Entschlossenheit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus werde durch den "harten Schlag für Frankreich" nicht erschüttert, erklärte der Staatschef.

Kämpfe gehen weiter

Die Kämpfe begannen am Montag im Bezirk Sarobi rund 50 Kilometer von Kabul entfernt und flammten auch am Dienstag wieder auf. Nach afghanischen Regierungsangaben wurden dabei auch mindestens 13 Taliban-Kämpfer getötet. Es handelt sich um den verlustreichsten Schlag der Aufständischen gegen die Internationale Schutztruppe (ISAF) seit drei Jahren. Die folgenschwerste Attacke verübten die Taliban im Juni 2005, als 16 US-Soldaten ums Leben kamen. Für die französische Armee war es der schwerste Verlust seit einem 1983 verübten Anschlag auf den Stützpunkt Drakkar in Beirut, bei dem 58 Fallschirmjäger getötet wurden.

Mann in Anzug zwischen Uniformierten (22.12.07, Kabul - Afghanistan, Quelle: AP)

Sarkozy war bereits im Dezember zu einem Truppen-Besuch in Kabul

"Wir mussten die Nacht durchkämpfen und es geht weiter", sagte ein Offizier der NATO-geführten Afghanistantruppe (ISAF), der nicht namentlich genannt werden wollte. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Aufständischen hätten die NATO-Einheit im Bezirk Sarobi mit Minen und Raketen angegriffen. Fünf Fahrzeuge seien zerstört worden. Die NATO habe mit Luftangriffen geantwortet, bei denen fünf Taliban-Kämpfer und 15 Zivilisten getötet worden seien. Dafür gab es keine unabhängige Bestätigung. Die Angaben der Taliban über Opfer in der Zivilbevölkerung erweisen sich häufig als übertrieben.

Weitere Aufstockung französischer Truppen

Frankreich, Italien und die Türkei übernehmen abwechselnd das Kommando über die Region "Hauptstadt", zu der neben Kabul auch der Bezirk Sarobi gehört. Zuletzt ging das Kommando am 5. August auf die Franzosen über. Das französische Kontingent soll bis Ende des Monats auf 2.600 Mann aufgestockt werden. Die Todesopfer sind die ersten, seit Sarkozy auf dem NATO-Gipfel im April die Aufstockung um 700 Soldaten angekündigt hatte. Seit Beginn der ISAF-Mission Ende 2001 waren bislang 14 französische Militärangehörige bei Angriffen und Unfällen ums Leben gekommen. Seit Jahresbeginn wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP, die auf Militärverlautbarungen beruht, in Afghanistan 176 ausländische Soldaten getötet.

Insgesamt stehen derzeit rund 70.000 ausländische Soldaten in Afghanistan. Die fundamentalistischen Taliban wurden Ende 2001 von einer internationalen Koalition von der Macht in Kabul vertrieben. In den vergangenen Jahren verstärkten die Taliban ihren Aufstand, bei dem sie vor allem mit Anschlägen und Überfällen gegen die ausländischen Einheiten vorgehen.

So starteten Taliban-Kämpfer am Dienstag auch einen Angriff auf die US-Militärbasis Salerno in der Provinz Chost im Osten Afghanistans. "Nach ersten Berichten haben rund 30 Taliban versucht, den Stützpunkt anzugreifen", sagte der Gouverneur von Chost, Arsala Dschamal. Bereits am Montag hatten radikalislamische Taliban bei einem Selbstmordanschlag mit einem Fahrzeug auf das US-Militärcamp zehn afghanische Zivilisten getötet und 13 weitere verletzt. (rri)

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