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Europa

Schwerer Schlag gegen ETA

Die spanische und französische Polizei hat im südfranzösischen Cahors vier mutmaßliche Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation ETA festgenommen. Darunter soll auch der Sprengstoffexperte der Organisation sein.

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Festgenommen: Ander Mugica Andonegi (links) und Oihan Barandalla Goni, stellvertretender Militärchef der ETA.

Mit der Festnahme von vier mutmaßlichen Top-Terroristen ist der französischen und spanischen Polizei ein schwerer Schlag gegen die baskische Untergrundorganisation ETA gelungen. In Cahors bei Toulouse in Südfrankreich machten die Beamten nach Angaben des spanischen Innenministers Alfredo Pérez Rubalcaba ein Terrorkommando dingfest, das gerade einen Anschlag mit einer Autobombe vorbereitete.

Unter den Festgenommenen sei der mutmaßliche stellvertretende Militärchef der ETA, Ohian Barandalla Goñi, teilte der Minister am Samstag in Madrid mit. Außerdem sei der führende Sprengstoffexperte der ETA, José Luis Iruretagoyena Lanz alias "Suni", gefasst worden. "Die Polizeiaktion war von enormer Bedeutung", betonte der Innenminister.

Verantworlich für jüngste Anschläge

Das Quartett, drei Männer und eine Frau, habe dem "harten Kern" des Terrorkommandos angehört, das den ETA-Anschlag Ende 2006 auf den Madrider Flughafen verübt hatte. Damals waren bei der Explosion einer Autobombe zwei Menschen getötet und ein Parkhaus völlig zerstört worden.

Die Festgenommenen waren nach Angaben des Ministers auch an dem gescheiterten Anschlag vor einer Woche an der spanischen Mittelmeerküste beteiligt gewesen. Damals hatte die ETA ein Attentat mit einer Autobombe mit über 100 Kilogramm Sprengstoff in der Region Valencia verüben wollen. Die Terroristen fühlten sich jedoch von der Polizei verfolgt und zündeten ihre Bombe in unbewohntem Gebiet auf einem Feld.

Kein Widerstand bei Festnahme

An der Polizeiaktion bei Toulouse waren neben französischen Beamten auch spanische Polizisten beteiligt. Die vier mutmaßlichen Terroristen waren bewaffnet, leisteten der Polizei aber keinen Widerstand. Der Sprengstoffexperte "Suni" soll nach Angaben der spanischen Polizei längere Zeit in Lateinamerika untergetaucht gewesen sein und sich vor etwa zwei Jahren der Organisation wieder angeschlossen haben.

Seit die ETA Anfang Juni ihre Waffenruhe aufkündigte und zur Strategie des Terrors zurückkehrte, wurden 26 mutmaßliche Mitglieder der Organisation festgenommen, davon 18 in Frankreich.

Neue Forderung nach Referendum im Baskenland

Führende Politiker im Baskenland und in Katalonien haben unterdessen neue Vorstöße für Volksabstimmungen über eine Unabhängigkeit der beiden spanischen Regionen unternommen. Der Chef der autonomen Regierung des Baskenlands, Juan José Ibarretxe, bekräftigte sein Vorhaben, ein Referendum über den Status der Region abzuhalten. Er nannte nach Presseberichten vom Samstag jedoch kein Datum für die angekündigte Abstimmung. Auch sagte er nicht konkret, worüber die Basken genau abstimmen sollen.

Der nationalistische Politiker betonte allerdings, die Bevölkerung solle sich dazu äußern, ob sie künftig "selbst über die Geschicke des Baskenlands entscheiden" wolle. Dies wird in Spanien so interpretiert, dass Ibarretxe ein Referendum über eine Loslösung des Baskenlands von Spanien abhalten lassen will.

Absage aus Madrid

Die spanische Regierung wies darauf hin, dass ein solches Vorhaben illegal sei. Nach der Verfassung dürfe nur der spanische Zentralstaat Volksabstimmungen abhalten, betonte die Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega. Das Vorhaben von Ibarretxe ist auch in dessen eigener Partei der baskischen Nationalisten (PNV) umstritten. PNV-Parteichef Josu Jon Imaz tritt dafür ein, dass über die Zukunft des Baskenlands erst gesprochen wird, wenn der Terror der ETA besiegt ist.

In Katalonien, der wirtschaftsstärksten Region Spaniens, sprach sich Vize-Regierungschef Josep Lluís Carod-Rovira überraschend dafür aus, bis zum Jahr 2014 ein Referendum über die Unabhängigkeit abzuhalten. Der Parteichef der Linksrepublikaner (ERC) brachte mit diesem Vorstoß den katalanischen Ministerpräsidenten José Montilla in eine heikle Lage. Der Sozialist ist gegen solche Pläne, zugleich aber auf die Unterstützung des Koalitionspartners ERC angewiesen. (stl)

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