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Nahost

Schwerer Bombenanschlag im Norden Iraks

Kurz vor dem Abzug der amerikanischen Truppen aus irakischen Städten sind durch einen Bombenanschlag im Nordirak mehr als siebzig Menschen getötet worden, darunter viele Kinder.

Ein Mann trauert neben abgedeckten Leichen (Foto: AP)

Es war der schwerste Anschlag im Irak seit mehr als einem Jahr

Der Bombenanschlag wurde am Samstag (20.06.2009) auf Besucher einer schiitischen Moschee in Tasa verübt. Die Stadt liegt rund 20 Kilometer südlich der Ölstadt Kirkuk und etwa 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad. Hinweise auf die Attentäter lagen zunächst nicht vor. Es war der schlimmste Bombenangriff im Irak seit März 2008, als in Bagdad 68 Menschen getötet wurden.

Männer graben Löcher für Gräber (Foto: AP)

Die Toten sollen umgehend beigesetzt werden

200 Gläubige hätten teils schwere Verletzungen erlitten, als ein mit Sprengstoff beladener Laster vor der Moschee in die Luft ging. Das teilte die Polizei mit. Der Laster explodierte, als die Menschen die Moschee nach dem Mittagsgebet verließen. Durch die Wucht der Detonation seien etwa 30 Häuser eingestürzt.

Verzweifelte Angehörige

Männer suchen in Trümmern nach Vermissten (Foto: AP)

Unter den Trümmern eingestürzter Häuser wurden weitere Opfer vermutet

Krankenwagen brachten blutüberströmte Verletzte, darunter auch Babys, im Minutentakt ins Krankenhaus von Kirkuk. Es war angesichts der großen Zahl der Verwundeten völlig überlastet.

Stundenlang suchten Rettungskräfte unter den Trümmern nach Opfern. Die US-Streitkräfte unterstützten die Suchaktion mit Generatoren für Scheinwerfer. Verzweifelte Frauen baten die Helfer, selbst nach ihren vermissten Angehörigen suchen zu dürfen.

Streit um Tasa

Der Anschlag wurde nur wenige Stunden nach einer Rede von Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki verübt, in der er den Abzug der US-Truppen aus den irakischen Städten bis Ende des Monats als "großen Sieg" würdigte. Die Behörden hatten gewarnt, dass Aufständische den Abzug zu neuen Anschlägen nutzen könnten, um das Vertrauen in die Regierung zu untergraben.

In Tasa leben vor allem Angehörige der turkmenischen Minderheit. Die Region ist Zentrum der Erdölindustrie im Nordirak. Die Kurden beanspruchen sie für ihr Autonomiegebiet. Die Regierung in Bagdad lehnt dies aber ab. Auch die Turkmenen sind strikt dagegen.

Britische Geiseln sind tot

David Miliband (Foto: AP)

Der britische Außenminister Miliband (Archivfoto)

Unterdessen wurde bekannt, dass zwei Briten, die 2007 im Irak als Geiseln genommen wurden, tot sind. Die irakischen Behörden hätten zwei Leichen an Großbritannien übergeben, sagte der britische Außenminister David Miliband am Samstag. Am Sonntag wurden die Männer bei einer Obduktion identifiziert, hieß es aus Regierungskreisen.

Die beiden Männer waren im Mai 2007 zusammen mit drei weiteren Briten im Finanzministerium in Bagdad vermutlich von schiitischen Milizen gekidnappt worden. Vier der Entführten arbeiteten als Sicherheitskräfte, einer war Computerspezialist für eine US-Beratungsfirma. Die Entführer hatten nach der Tat per Videobotschaft verkündet, dass sie eine Geisel töten, falls Großbritannien seine Soldaten nicht aus dem Irak abziehen sollte. Am Wochenende wuchs die Sorge um die drei weiteren Entführten. Miliband rief dazu auf, die restlichen Geiseln freizulassen. Die Gefahr für diese sei aber derzeit "sehr hoch".

Großbritannien war 2003 an der Seite der USA in den Irak einmarschiert. Bis Ende Juli wird das Land alle seine verbleibenden Soldaten abziehen. (mas/as/la/ap/rtr/afp/dpa)