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Afrika

Schwere Zeiten für zentralafrikanische Journalisten

Der Machtkampf in der Zentralafrikanischen Republik und die Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen behindern auch Journalisten in ihrer Arbeit.

Keine Nachrichten im Radio und im Fernsehen, keine Zeitungen: Mit der "Journée sans media", dem

"Tag ohne Medien"

, protestierten die Journalisten in der Zentralafrikanischen Republik vor einem Jahr gegen die Plünderungen und Drohungen, die sie nach dem Putsch in ihrem Land erlebten. Im März 2013 hatten Rebellen der vorwiegend muslimischen Allianz Séléka die Hauptstadt Bangui eingenommen und den Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé, gestürzt. Die Séléka übernahm die Macht, und Chaos und Gewalt breiteten sich im ganzen Land aus. Vielfach nahm diese Gewalt religiöse Züge an, und es kam zu Zusammenstößen zwischen muslimischen Séléka-Rebellen und den so genannten Anti-Balaka-Milizen, die sich als "christlich" bezeichnen.

Viele Redaktionen zerstört oder geplündert

Trotz

internationaler Unterstützung

durch afrikanische und französische Friedenstruppen sowie einer neuen Regierung hat sich die Lage in der Zentralafrikanischen Regierung auch mehr als ein Jahr nach dem Putsch nicht gebessert. Die Hälfte der Bevölkerung, etwa 2,2 Millionen Menschen, ist von humanitärer Hilfe abhängig. Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen warnen seit Monaten vor ethnischen Säuberungen im Land.

Radio-Journalisten in der Hauptstadt Bangui (Foto: DW)

Hunderttausende Zentralafrikaner sind auf der Flucht

Unter der Situation leiden auch zentralafrikanische Journalisten, die oft nicht einmal die nötige Ausrüstung haben, die sie zum Arbeiten brauchen. Ihre Redaktionsräume sind baufällig, die Schäden, die bei Plünderungen entstanden, sind bislang nicht repariert. "Als die Séléka hier ankamen, wurde der Sitz unserer Zeitung geplündert und verwüstet", erinnert sich Maturin Momet, Herausgeber der in der Hauptstadt Bangui erscheinenden Tageszeitung "Le Confident". "Wir haben versucht, die wichtigsten Teile unserer Ausstattung aus eigener Tasche zu finanzieren. Denn es war alles zerstört worden." Nun müsse das ganze Gebäude wiederaufgebaut und die ganze Redaktion neu ausgestattet werden. "In der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist das natürlich schwierig", so Maturin Momet. "Aber wir tun was wir können, mit den Mitteln, die wir haben."

Um umfassend berichten zu können, übernehmen zentralafrikanische Radiosender oder Zeitungen Beiträge aus ausländischen Medien. Denn ihre eigenen Redaktionen können nicht alle Themen und Termine abdecken - einerseits aus Kostengründen, andererseits wegen der Sicherheit. Denn oft ist es für die ausländischen Journalisten leichter, sich innerhalb des Landes zu bewegen. "Fast alle ausländischen Kollegen, die hier arbeiten, genießen guten Schutz", sagt Agoalo Lassy, Fotograf bei der zentralafrikanischen Agentur Agence Centrafrique Presse. "Sie haben die entsprechenden Mittel, können herumfahren und angemessen arbeiten." Der Fotograf ist überzeugt: "Hätte unsere Agentur dieselben Mittel, könnten wir auch dort arbeiten, wo die Dinge passieren, und hätten mehr Vertrauen in unsere eigene Arbeit."

Unterstützung durch bewaffnete Gruppen

Hunderttausende Zentralafrikaner sind auf der Flucht, einige finden Zuflucht in Notunterkünften und Flüchtlingslager (Foto: DW)

Radio-Journalisten in der Hauptstadt Bangui

Nur wenige Nichtregierungsorganisationen unterstützen die Medien in der Zentralafrikanischen Republik. Daher setzen die lokalen Radiosender zum Beispiel auf Hilfe aus der Bevölkerung. Dabei kommt es auch vor, dass sie sich von bewaffneten Milizen unterstützen lassen, wie Narcisse Jobert erläutert. Jobert arbeitet für Radio Baragbaké, einen Sender in der Stadt Bria, etwa 500 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Sein Sender sei auf das angewiesen, was die Bevölkerung zur Verfügung stelle: "Wir bekommen zum Beispiel Treibstoff von den Séléka und von der Bevölkerung. Nur so können wir senden." Die ehemaligen Kämpfer der Séléka in der Region würden außerdem für die Sicherheit des Radiosenders sorgen, so Jobert.

Wer in größeren Medienunternehmen arbeite, dem steckten einflussreiche Persönlichkeiten auch schon mal etwas Geld in einem Umschlag zu, erzählt ein anderer Journalist, der anonym bleiben möchte. Maturin Momet, Herausgeber der Tageszeitung "Le Confident", betont: "Alle Machthaber wollen, dass wir ihnen Lobeshymnen singen." Das sei auch in der Vergangenheit so gewesen. "Sie unterstützen Zeitungen - aber auf eine ungerechte Art: Kleine Zeitungen, die die Machthaber unterstützen, werden gefördert. Zeitungen hingegen, die ihre Arbeit gut und objektiv machen, werden an den Rand gedrängt."

Medien als Friedensstifter?

Auch die Zeitungen leiden unter der angespannten Situation (Foto: AFP)

Auch die Zeitungen leiden unter der angespannten Situation

Im April 2014 ließ die Regierung der Interimspräsidentin

Catherine Samba Panza

die Herausgeber von zwei Tageszeitungen verhaften. Der Grund: Diffamierung der Staatschefin - also der Interimspräsidentin selbst. Die Zeitung "Palmares" hatte Catherine Samba Panza als "cancre" bezeichnet - ein Wort, das "Taschenkrebs" heißen kann, aber auch "Faulpelz". Die zweite Zeitung,"Peuple", wirft Samba Panza vor, mit unlauteren Mitteln an die Macht gekommen zu sein. Die Entscheidung, die beiden Herausgeber zu verhaften, wird von zentralafrikanischen Journalisten zwar akzeptiert. Kritisiert wird allerdings, dass solche Vorfälle vielfach zu journalistischer Selbstzensur führen. Selbst wenn die Männer derzeit wieder auf freiem Fuß sind.

Narcisse Robert vom Lokalradio Baragbaké in Bria im Osten der Zentralafrikanischen Republik betont: "Wenn man in der Zentralafrikanischen Republik in einem Lokalradio über Politik spricht, bringt man sich in Gefahr." Sein Radiosender habe eine klare Linie: "Wir wollen die Bevölkerung sensibilisieren und Frieden und Versöhnung stiften. Das ist alles. Unsere Aufgabe ist, Fragen zu stellen und Ratschläge zu verteilen, damit wir wieder Frieden bekommen." Wie Radio Baragbaké möchten auch die anderen zentralafrikanischen Medien eine Rolle in der Befriedung und Vereinigung ihres gespaltenen Landes spielen. Doch die Arbeitsbedingungen vor Ort machen ihnen das nicht leicht.

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