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Fußball

Schwere Zeiten für Ghanas Fußballstar Boateng

Er ist der Mann, der den "Knöchel der Nation" verletzt hat: Kevin- Prince Boateng. Nach dem Foul an Michael Ballack fiel der deutsche Kapitän für die WM aus. Doch auch schon vor der Attacke war Boateng umstritten.

Kevin Boateng im Dortmund-Trikot (Foto: AP)

Im Zentrum der Kritik: Profi-Fußballer Kevin Boateng

"Das sah schon nach Absicht aus", so Michael Ballacks knapper Kommentar nach dem Foul während des englischen Pokalfinales am 15. Mai. In der 35. Minute tritt ihm Kevin-Prince Boateng auf den Fuß und verletzt den Mittelfeldspieler des FC Chelsea am rechten Knöchel. Boateng bekommt die Gelbe Karte, Ballack muss ausgewechselt werden. Zwei Tage später kommt die niederschmetternde Diagnose: Augrund der Knöchelverletzung kann der deutsche Mannschaftskapitän nicht an der FIFA-WM in Südafrika teilnehmen.

Ein Foul mit Folgen

Michael Ballack auf Krücken bei Pressekonferenz (Foto: dpa)

Verletzter Knöchel - Ballack ist bei der WM nicht dabei

Danach gab es harsche Kritik an dem 23-jährigen Boateng. Michael Becker, Ballacks Berater, drohte sogar mit rechtlichen Konsequenzen: "Meiner Meinung nach handelt es sich nicht nur um einen hinterhältigen Tritt, sondern um Körperverletzung mit Ansage." Schon vor einem Jahr hatte Franz Beckenbauer Boateng vorgeworfen, andere Spieler "absichtlich verletzen" zu wollen. An diesem Mittwoch (23.06.2010) nun kommt es möglicherweise zum Bruderduell im entscheidenden WM-Gruppenspiel zwischen Ghana und Deutschland. Während Jerome vielleicht für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen wird, ist Kevin-Prince nach zwei WM-Spielen für die Black Stars gesetzt.

Der ältere der Boateng-Brüder hatte sich schon im Juni 2009 entschieden, künftig für das Nationalteam Ghanas zu spielen. Möglicherweise eine Reaktion darauf, dass er im Mai 2009 aus dem Kader der deutschen U-21-Nationalmannschaft flog – offiziell verletzungsbedingt.

Trickreich, aber unzuverlässig

Kevin Boateng im Duell mit Lukas Sinkiewicz (Foto: dpa)

Schon immer zeigte sich Kevin-Prince Boateng kämpferisch

Inoffiziell hatte sich der Mannschaftsrat gegen ihn entschieden, weil er als unzuverlässig und unpünktlich gilt. Und als unbeherrscht. Zwei Monate vor dem Abschied aus dem U-21-Kader hatte er nach einer Geburtstagsfeier Autos zerkratzt und Rückspiegel abgetreten. Dafür erhielt er einen saftigen Strafbefehl wegen Sachbeschädigung, angeblich musste er über 50.000 Euro zahlen. Kevin-Prince Boateng ist ein Typ. Ein Klischee - vom harten Straßenjungen, aufgewachsen mit vielen Geschwistern im Berliner Problemviertel Wedding. 13 Tattoos schmücken seinen Körper, er ist muskulös, kahlgeschoren. Auf dem Platz agiert er trickreich, aggressiv mit einem gewaltigen Zug zum Tor. Seine Mutter sagt, er sei eigentlich ein guter Junge, einer, der sich rausgekämpft habe, aus der Armut, der Perspektivlosigkeit. Vielleicht lieben sie ihn deshalb mehr in Portsmouth, dem englischen Malocherverein, seinem aktuellen Club, als damals bei Hertha BSC und Borussia Dortmund, wo er als Riesentalent aber auch als Störenfried und Unruhestifter galt.

Eine Karriere mit Widersprüchen

Jerome Boateng auf dem Fußballplatz (Foto: AP)

Bruder Jerome Boateng ist im deutschen WM-Kader

Für seinen 21-jährigen Halbbruder Jerome stellte sich die Frage nach der fußballerischen Heimat nie. Auch er wuchs in Berlin auf und doch in einer anderen Welt. Im beschaulichen Wilmersdorf, mit einer Mutter, die von ihm gute Noten in der Schule und einen soliden Beruf verlangte. Auch er ist tätowiert, doch dezenter, auch er gilt als großes Talent, doch als diszipliniert und lernfähig. Und er kann sich unterordnen, wenn auch ungern. In der U21 war er einer der besten, auch weil er Trainer Horst Hrubesch respektierte, seine Entscheidungen nicht in Frage stellte.

"Der nette Bruder und der böse", mit diesem Image will sich Kevin-Price Boateng nicht länger abfinden. Er fühlt sich vom DFB ungerecht behandelt, und trotzdem gießt er kräftig neues Öl ins Feuer: Schon zweimal habe er sich für das Foul an Ballack enschuldigt, das sei jedoch überhaupt nicht gewürdigt worden.

Autor: Dirk Bathe / Arnulf Boettcher

Redaktion: Katrin Ogunsade