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Sport

Schwere Zeiten für die Leichtathletik

Nach neun Wettkampftagen sind die Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu Ende gegangen. Die Analyse der Titelkämpfe offenbart, dass der Traditionssport einige Probleme hat. Wolfgang van Kann kommentiert.

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Betrachtet man die Titelkämpfe rein von den Ergebnissen her, dann war es eine schwache WM. Kein Einzel-Weltrekord steht am Ende in der Bilanz und viele Athleten blieben hinter ihren Bestleistungen zurück. Nicht wenige glauben, dass dies auf die Blutttests zurückzuführen sei, denen sich jeder Athlet unterziehen musste. Das wäre ein kleiner Erfolg im Kampf gegen Doping, könnte aber zum Problem für die Leichtathletik werden. Der echte Fan dieser Sportart wartet zwar eh nicht unbedingt auf den nächsten Rekord, sondern freut sich über spannende Wettkämpfe und enge Entscheidungen. Die Frage aber ist, ob nach den Jahren der häufig manipulierten Rekordhatz die breite Masse dafür Interesse aufbringt. Eine Alternative gibt es zu diesem Kampf gegen Doping freilich nicht.

Die Typen fehlen

Dabei ist das Interesse jetzt schon erschreckend gering. Hochleistungssport ist heute auch Entertainment und jede Sportart braucht strahlende Helden, erfolgreiche Bösewichter, skurrile Typen und solche, an denen man sich reiben kann. In der Leichtathletik muss derzeit der Jamaikaner Usain Bolt all diese Rollen in einer Person ausfüllen. Das aber ist zu wenig für eine Sportart mit 47 Disziplinen. Dazu kommt noch, dass Bolts häufig zu Lasten der Konkurrenz aufgezogene Show, bei allem Respekt vor der Leistung, von richtigen Leichtathletikfans negativ betrachtet wird.

Falscher Austragungsort

Wolfgang van Kann

DW-Sportredakteur Wolfgang van Kann

Der Weltverband muss sich vorwerfen lassen, mit Daegu den falschen Austragungsort gewählt zu haben. Südkorea ist alles andere als ein Leichtathletikland, es gibt nicht einen Athleten von Weltformat. Die Südkoreaner haben weder Interesse an noch Ahnung von der Leichtathletik – oft wussten die Zuschauer überhaupt nicht, was vorging. Die Kampfrichter hatten oft kein Gespür für die Athleten und die Helfer waren ähnlich ahnungslos wie die Fans – die längst nicht so zahlreich kamen, wie versprochen. Das Organisationskomitee hatte großspurig von weit über 90 Prozent verkauften Karten gesprochen – dabei aber mal eben unterschlagen, dass an manchen Tagen die Hälfte der Ränge abgedeckt war. Und die andere Hälfte war dann noch nicht einmal voll. Südkoreanische Journalisten bestätigten das Desinteresse an der Leichtathletik und meinten, die Veranstaltung diene nur dazu, das Image der Stadt Daegu zu verbessern. Wenn man dann noch weiß, dass zwei Drittel der Sponsoren aus Asien kommen, wird klar, warum dieser Ort gewählt wurde. Das mag dem Geldbeutel helfen, der Leichtathletik dient es aber nicht.

Deutsche Leichtathletik vor unsicherer Zukunft

Angesichts von drei Weltmeistertiteln, also einem mehr als vor zwei Jahren in Berlin, und insgesamt sieben Medaillen, also nur zwei weniger als vor dem Heimpublikum, scheint Kritik an der deutschen Leichtathletik auf den ersten Blick fehl am Platz. Doch man sollte sich vom Glanz der Medaillen nicht blenden lassen. Die Stagnation ist einfach nicht zu übersehen. Seit Jahren wird das Gros der Medaillen immer wieder im selben Bereich gewonnen – bei den Werfern. Doch auch dort wird die Erfolgsserie nicht unbegrenzt weitergehen, wenn man dem Trainer von Betty Heidler, Michael Deyhle, glaubt. Er klagte noch in Daegu, wie schwer es sei, den Nachwuchs für die Schwerathletik zu begeistern. Das dürfte kaum jemanden wundern. Im Mittelpunkt stehen immer wieder die Läufer, bei großen Meetings sind die Werfer entweder gar nicht dabei oder werden aus Sicherheitsgründen ins Vorprogramm abgeschoben. Dementsprechend sind auch die Verdienstmöglichkeiten geringer.

Die deutschen Läufer aber rennen schon fast traditionell hinterher – in nicht weniger als 26 Laufentscheidungen kam gerade einmal eine deutsche Läuferin ins Finale! Selbst der Vizepräsident für Leistungssport im Deutschen Verband, Günter Lohre, sprach von uralten Trainingsmethoden und glaubt, dass eine Neuorientierung Jahre dauern werde. Wenn die aber nicht sofort und umfassend angegangen wird, droht langfristig die Gefahr, dass die deutsche Leichtathletik ganz in der Versenkung verschwindet.

Autor: Wolfgang van Kann
Redaktion: Calle Kops

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