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Wirtschaft

Schwere Zeiten für den violetten Geldschein

Die meisten Menschen haben ihn noch nie in der Hand gehabt. Weil der 500-Euro-Schein außerdem einen schlechten Ruf hat, fordern Experten die Abschaffung der Banknote.

Die wertvollste Euro-Note ist den meisten Menschen nur aus dem Fernsehen bekannt. Wenn dunkle Gestalten im Krimi Bargeld gegen Drogen tauschen, dann rascheln 500-Euro-Scheine durch die Finger, werden ordentlich gezählt und gegen Drogen oder Hehlerware getauscht. Im Alltag hingegen spielt die lilafarbene Banknote kaum noch eine Rolle. Die Urlaubsreise wird mit Kreditkarte bezahlt und der neue Computer per Abbuchungsermächtigung. Fast hat es den Anschein, als ob ehrliche Menschen einen 500-Euro-Schein gar nicht brauchen.

Für Kriminelle interessant

Dieser Ansicht war wohl auch die britische Polizeibehörde SOCA (Serious Organized Crime Agency). Das Land gehört zwar nicht zur Eurozone, dennoch spielt die Gemeinschaftswährung in Wechselstuben und an Bankschaltern eine wichtige Rolle. Auch für Verbrecher. Die zum Innenministerium gehörende Abteilung schätzt, dass 90 Prozent der Kunden, die dort nach 500-Euro-Scheinen fragten, Kriminelle waren. Britische Banken und Wechselstuben haben reagiert und geben nun nur noch Scheine im Höchstwert von 100 oder 200 Euro aus. Obwohl Experten der Ansicht sind, dass auch in Deutschland die meisten 500-Euro-Noten zu illegalen Zwecken verwendet werden, wollte das Bundeskriminalamt (BKA) diese Beobachtung weder bestätigen noch dementieren. Eine Interviewanfrage der DW lehnte die Behörde ab.

Eine Hand mit sechs der sieben neuen Euro-Banknoten und den acht Euro-Münzen in den Nennwerten 1 Cent bis 2 Euro - nicht mit abgebildet ist die 500-Euro-Banknote (Foto: pa/ZB)

Große Auswahl an Bargeld: Die meisten Menschen würden den 500-Euro-Schein nicht vermissen

Drogengeld - Matratzengeld

Die Debatte um eine Abschaffung der violetten Banknote wurde im April neu entfacht. Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Vitor Constancio, sorgte für Schlagzeilen, als er vor dem EU-Parlament andeutete, dass die 500-Euro-Scheine irgendwann aus dem Verkehr gezogen werden könnten. Diese Bemerkung ist jedoch im Moment der einzige Hinweis darauf, dass sich die EZB einmal zu diesem Schritt entschließen könnte. Ein Sprecher wollte sich nicht zu dem Thema äußern.

Ökonomen wie Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sehen in den Scheinen eine Dienstleistung der EZB für Bürger, die dem Finanzsystem nicht trauen. Im Gespräch mit der Deutschen Welle sagte er: "Es gibt Menschen, die es vorziehen, das Geld nicht auf der Bank zu haben, sondern in bar." Der Staat solle sich da nicht einmischen und diese Praxis weiterhin erlauben, so Burghof.

Prof. Dr. Rudolf Hickel von der Universität Bremen (Foto: Universität Bremen)

Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel möchte den 500-Euro-Schein abschaffen

Für den Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel war bei der Einführung der größten Euro-Note allerdings ein Stück Naivität dabei. "Man hat nicht überschaut, was mit dem violetten Schein passiert."

Die beiden Wissenschaftler sind sich einig, dass die Banknote eine Doppelrolle erfülle, nämlich als Matratzengeld für Menschen, die ihr Erspartes lieber zu Hause aufbewahren, und als Zahlungsmittel für Leute, die etwas zu verbergen haben.

"Bargeld als Wertaufbewahrungsmedium"

Banknoten, die zu Hause gehortet werden, bleiben dem Geldumlauf entzogen - damit kann nicht gearbeitet und kein neues Geld verdient werden. Die Deutsche Bundesbank, so Helmut Rittgen, Leiter des Zentralbereichs Bargeld der Bank, schätzte in einer Rede im Oktober 2012, dass bis zu 30 Prozent allen Bargeldes gehortet wird.

Im Zuge der Finanzkrise, so Rittgen, sei die Nachfrage besonders nach 500-Euro-Banknoten steil nach oben gegangen - jedoch nicht als Zahlungsmittel, sondern als Wertaufbewahrungsmedium. 500-Euro-Scheine brauchen weniger Platz als die im Wert von 100- oder 200-Euro. Große Vermögen lassen sich damit auf kleinerem Raum verpacken.

Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung an der Universität Hohenheim (Foto von 2008: pa/dpa)

Hans-Peter Burghof setzt auf den Überraschungseffekt

Auch bei Steuerhinterziehern, so Rudolf Hickel zur DW, sei der Schein beliebt: "Wenn Koffer über die Grenze getragen werden, ist es natürlich einfacher, 500-Euro-Scheine zu packen." Auch Hans-Peter Burghof hat festgestellt, dass die Banknote oft von Menschen genutzt wird, die problematischen Geschäfte machen und dabei wenig auffallen wollen.

Der Umtausch würde spannend

Würde der 500er tatsächlich abgeschafft, dann müssten die großen Scheine in 100- und 200-Euro-Noten gewechselt werden. Für Rudolf Hickel hätte das einen besonderen Reiz. "Was mich fasziniert, ist diese Umtauschaktion." Denn wegen des Geldwäschegesetzes müssen Bürger die legale Herkunft großer Geldmengen nachweisen. Hickel ist überzeugt, dass ein Großteil gar nicht umgewechselt würde, weil es sich möglicherweise um illegales Geld handelt.

Daher sollte nicht so viel darüber geredet und geschrieben werden, so Hickel. Je länger die Abschaffung des 500-Euro-Scheins diskutiert würde, desto größer seien die Chancen für Kriminelle, das Geld noch einmal zu waschen. Dem stimmt Hans-Peter Burghof zu: "Den 500er abzuschaffen, wirkt natürlich nur, wenn es überraschend ist."

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