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Ermittlungen in London

Schwere Vorwürfe nach Brandkatastrophe

Fast zwei Tage nach dem verheerenden Feuer im Grenfell Tower in London qualmt die Ruine still vor sich hin. Es gibt noch immer zahlreiche Vermisste. Und als Ursache rückt ein bestimmter Punkt in den Fokus.

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Geballter Bürgerzorn nach London-Inferno

Überlebende und Angehörige fragen inzwischen immer wieder: Wie konnte es passieren, dass das Haus wie eine Fackel rasend schnell in Flammen aufging? Welche Rolle spielte die Fassadendämmung? Reichen die britischen Brandschutzbestimmungen aus?

Keine Sprinkleranlage, kein Feueralarm

Der mehr als 40 Jahre alte Apartement-Block mit 120 Wohnungen hatte keine Sprinkleranlage, obwohl er bis zum vergangenen Jahr noch aufwändig renoviert worden war. Vor allem die Fassade wurde saniert und gedämmt. "Der Feueralarm ist nicht angegangen, deshalb sind so viele jetzt tot", erhob Bewohner Sitalih schwere Vorwürfe. Das Haus sei nicht sicher gewesen. Sitalih berichtete von offenen Leitungen und falschen Installationen.

Nach Angaben von Feuerwehr-Chefin Dany Cotton hatten sich die Flammen im Grenfell Tower ungewöhnlich rasch ausgebreitet. "So ein Feuer habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht gesehen", sagte sie. 

UK Mindestens zwölf Tote und dutzende Verletzte bei Hochhausbrand in London (Getty Images/J. Taylor)

Kerzen und Blumen im Gedenken an die Opfer

Falsche Fassadenplatten die Ursache?

Experten vermuten, dass die Fassadenverkleidung die Feuersicherheit beeinträchtigt hat. Nach einem Bericht der Zeitung "Daily Mail" ähnelte sie der eines Hochhauses, das Ende 2014 im australischen Melbourne ausgebrannt war. An den Außenwänden beider Gebäude seien Platten aus einem leicht entzündbaren Aluminiumgemisch angebracht gewesen. Die australische Feuerwehr sah damals einen direkten Zusammenhang zwischen den Fassadenplatten und der Schnelligkeit des Feuers, das sich innerhalb von elf Minuten bis zum Dach ausgebreitet hatte.

Der britische Brandschutz-Experte Jon Hall nannte das Feuer einen Unfall, wie er in der "Dritten Welt" vorkomme. "Alle Bestandteile der Feuersicherheit und des Gebäudemanagements" müssten versagt haben, vermutete er auf Twitter.

Die für die Verkleidung der Fassade verantwortliche Firma Harley Facades erklärte, ihr sei derzeit kein Zusammenhang zwischen der Baumaßnahme und dem Brand bekannt. Auch das für die Renovierung zuständige Unternehmen Rydon versicherte, bei der Sanierung seien alle Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften eingehalten worden.

Polizei und Feuerwehr warnen eindringlich vor Spekulationen. Doch auch ihnen machten viele Bewohner Vorwürfe. Sie seien aufgefordert worden, in ihren Wohnungen zu bleiben und nasse Handtücher unter die Türen zu legen, anstatt zu fliehen.

May beim ausgebrannten Hochhaus in London (Picture-Alliance/AP Photo/F. Augstein)

Premierministerin May spricht mit Feuerwehrmännern am Unglücksort

Umfassende Untersuchung

Premierministerin Theresa May kündigte eine "umfassende Untersuchung" der Katastrophe an. "Wir müssen wissen, was passiert ist und wir brauchen Erklärungen", forderte May bei der Begehung des Unglücksorts. "Wir schulden das den Familien, den Menschen, die ihre Liebsten verloren haben und ihr Zuhause, in dem sie gelebt haben", erklärte May. Oppositionsführer Jeremy Corbyn verlangte, ebenfalls bei einem Besuch an der Ruine, es müssten "unbequeme Fragen" dazu beantwortet werden, wie sich das Feuer so rasch habe ausbreiten können.

Mindestens 17 Menschen verloren in den Flammen ihr Leben. 37 Menschen sind noch im Krankenhaus, 17 davon in einem kritischen Zustand. Die Londoner Polizei rechnet mit einer steigenden Opferzahl. Niemand weiß genau, wie viele Menschen in dem 24-stöckigen Sozialbau im Stadtteil Kensington waren, als in der Nacht zum Mittwoch der Brand ausbrach.

se/ww (rtr, afp, dpa)

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