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Asien

Schwere Vorwürfe gegen Besatzung der Unglücksfähre in Südkorea

Schüler, die das Fährunglück in Südkorea überlebt haben, sagten erstmals vor Gericht als Zeugen aus. Ihre Vorwürfe gegen die Besatzung wiegen schwer. Vier Angeklagten droht die Todesstrafe.

Im Prozess um das schwere Fährunglück in Südkorea Mitte April hat das Gericht erstmals sechs überlebende Schüler als Zeugen befragt. Bis Dienstag sollen nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap insgesamt 23 Jugendliche als Zeuge aussagen. Die Schüler werfen dem Kapitän und den 14 Besatzungsmitgliedern vor, den Insassen zu keinem Zeitpunkt geholfen zu haben.

"Sie haben immer wieder das Gleiche gesagt", sagte eine andere Zeugin. Die Passagiere wurden nach ihren Angaben per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, Schwimmwesten anzulegen und an Ort und Stelle zu bleiben. Statt sich auf die Evakuierung vorzubereiten, seien die Schüler den Anweisungen gefolgt und so lange in ihren Kabinen und auf ihren Sitzen geblieben, bis die Fähre so weit in schwere Schieflage geriet. Dadurch habe sich die Tür ihrer Kabinen über den Köpfen der Schüler befunden, Wasser sei durch die Fenster eingedrungen.

Einigen Schüler gelang es allerdings, sich zu befreien und andere aus dem Wasser zu ziehen. Derweil verließ die Schiffsführung die sinkende Fähre und ließ hunderte Menschen im Stich.

Todesstrafe möglich

Der Kapitän Lee Seok und drei andere ranghohe Crew-Mitglieder sind wegen fahrlässiger Tötung in besonders schwerem Fall angeklagt. Ihnen droht die Todesstrafe. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten. Der Kapitän brachte zu seiner Verteidigund vor, er habe gewartet, bis die Rettungskräfte vor Ort gewesen seien.

Lee Joon-seo, Kapitän der südkoreanischen Fähre Sewol (Foto: dpa)

Lee Joon-seo, Kapitän der südkoreanischen Fähre "Sewol"

Die Fähre "Sewol" war am 16. April vor der Südwestküste Südkoreas gesunken. Bei dem Unglück kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, unter Ihnen 250 Schüler. Zwölf Insassen gelten immer noch als vermisst.

Nach einem offiziellen Bericht zu dem Unglück haben Inkompetenz, Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe geführt. Die Reederei habe den "finanziellen Gewinn über die Sicherheit der Passagiere" gestellt. Die Besatzung habe sich "unverantwortlich" verhalten. Die Autoren des Berichts empfahlen Anklagen gegen elf hochrangige Beamte und Diszplinarverfahren gegen 40 weitere.

am/sti/kle (dpa, afp, rtre)

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