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Sport

Schwere Vorwürfe beim DFB

Der DFB geht dem Verdacht nach, Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell habe einen jungen Referee sexuell belästigt. Amerell weist die Vorwürfe entschieden zurück, der DFB dagegen bekräftigt sie jetzt sogar.

Schiedsrichterpfeife (Foto: BilderBox)

Was ist dran an den Vorwürfen?

Es ist eine heikle Angelegenheit: Der Deutsche Fußball-Bund muss sich derzeit mit einem Thema befassen, das dem DFB viel größeren Schaden zufügen könnte als zuletzt die Querelen um die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff. Es geht um den Vorwurf der sexuellen Belästigung.

Der Vorfall soll sich am 18. Oktober 2008 ereignet haben, in einem Hotel im Anschluss an das Bundesligaspiel Werder Bremen gegen Borussia Dortmund. Der ehemalige Schiedsrichter Manfred Amerell, der mittlerweile im DFB-Schiedsrichterausschuss sitzt, soll den jungen Referee, der das Spiel geleitet hat, sexuell belästigt haben. Das hat dieser in einer Email zehn Monate später, am 17. Dezember 2009, an den Schiedsrichter-Obmann Voker Roth geschrieben.

Erheblicher Zeitverzug

Schiedsrichter Manfred Amerell (Foto: dpa)

Amerell weist die Vorwürfe zurück

Roth wiederum unterrichte erst knapp einen Monat später DFB-Präsident Theo Zwanziger von diesem Vorfall. Am 1. Februar sei Amerell dann zu einer Unterredung gebeten worden. Acht Tage später erklärte der DFB, Amerell habe aus gesundheitlichen Gründen darum gebeten, von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Tags darauf wurde der Vorwurf der sexuellen Belästigung publik.

Seitdem geht es Schlag auf Schlag: DFB-Vizepräsident Rainer Koch zog als erste Führungskraft Konsequenzen und gab seine Zuständigkeit für die Schiedsrichter ab. Die Begründung: Er sei zu spät von diesem Vorfall informiert worden und fühle sich übergangen. Amerell selbst hat nun auch offiziell die Vorwürfe gegen sein Person zurückgewiesen und seinen Rücktritt von all seinen Ämtern angeboten.

"Intensive private Freundschaft"

"Ich bin enttäuscht, dass meine Privatangelegenheiten in völlig falschen und diskreditierenden Zusammenhängen an die Öffentlichkeit getragen werden", schreibt Amerell in einer Stellungnahme. Die öffentlich gemachten Vorverurteilungen, Verdächtigungen und Spekulationen hätten ein Ausmaß angenommen, das für ihn und seine Familie nicht mehr erträglich sei.

"Ich habe in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt einen jungen Bundesliga-Schiedsrichter sexuell belästigt", so Amerell. Er erklärte, dass er zu dem betreffenden Referee ein sehr gutes Verhältnis hatte. "Aus den zunächst rein sportlichen Kontakten entwickelte sich im Laufe der Zeit schließlich auch eine intensive private Freundschaft", so Amerell weiter. "Größten Wert lege ich dabei auf die Feststellung, dass er diesen Schiedsrichter zu keinem Zeitpunkt gegen seinen Willen zu dieser freundschaftlichen Beziehung gezwungen habe".

Der Deutsche Fußball-Bund hat ungewohnt deutlich den Rücktritt des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters Manfred Amerell begrüßt. "Wir nehmen den Schritt zur Kenntnis und halten ihn für richtig und notwendig, weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen", teilte der DFB in einer Presseerklärung mit. Zudem appellierte DFB-Präsident Theo Zwanziger, "im Sinne der Personen verantwortungsbewusst mit dem Thema umzugehen". Das sollte allerdings nicht nur für die Medien, sondern auch für die DFB-Verantwortlichen selbst gelten.

Autorin: Sarah Faupel
Redaktion: Oliver Samson