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Afrika

Schwere Unruhen auf Sansibar

Auf der Urlaubsinsel Sansibar schlagen politische Proteste in religiös motivierte Gewalt um. Es geht um die politische Abspaltung der halbautonomen Inselgruppe vom ostafrikanischen Land Tansania.

Die Fahne der muslimischen Gruppe Uamsho in Sansibar (Foto: DW)

Die Fahne der muslimischen Gruppe Uamsho in Sansibar

Dickson Kaganga bereitete Samstagabend gerade den sonntäglichen Gottesdienst vor, als er den wütenden Mob von weitem hörte. "Lasst uns die Kirche zerstören", sang der Mob und attackierte das Gotteshaus des Pastors. "Sie haben die Wände und Fenster zerstört. Dann haben sie die Stühle mit Benzin übergossen und angezündet", berichtet Kaganga.

Ausschreitungen nach den Wahlen 2010 in Tansania (Foto: AP)

Wahlen mit Konfliktpotential: Auch 2010 kam es zu Ausschreitungen in Tansania

Zwei angezündete Kirchen, zwei zerstörte Bars, brennende Autos, 29 verhaftete Demonstranten – das ist die Bilanz der Unruhen im mehrheitlich muslimischen Sansibar vom Wochenende. Der Polizeikommissar von Sansibar, Ali Mussa, betont jedoch, dass kein Mensch verletzt wurde und sich die Lage normalisiert habe. "Es wurde keine übermäßige Gewalt angewendet", so Mussa.

Festnahme als Auslöser der Unruhen

Maalim Mussa bei einer politische Veranstaltung der muslimischen Gruppe Uamsho auf Sansibar (Foto: DW)

Festgenommen: Maalim Mussa von Uamsho

Die Unruhen begannen am Samstag (26.05.2012) in Sansibar-Stadt, der Hauptstadt der Insel, nachdem die Polizei einen Prediger der muslimischen Organisation Uamsho festgenommen hatte. Maalim Mussa wurde beschuldigt, eine illegale Demonstration organisiert zu haben. Die Gruppe Uamsho, eine Abkürzung für die Vereinigung für islamische Mobilisierung und Verbreitung, wollte wiederholt ein Referendum über die Unabhängigkeit Sansibars von Tansania fordern. Sie verfolgt eher politische als religiöse Ziele. "Unsere Organisation ist nicht verantwortlich für diese Gewalttaten, denn der Islam spricht von Frieden, Stabilität und Respekt für Orte des Gebetes", sagt der Generalsekretär von Uamsho, Sheikh Abdallah Said, im DW-Interview.

Regelmäßige Ausschreitungen nach Wahlen

Eine riedliche Veranstaltung der muslimischen Gruppe Uamsho in Sansibar (Foto: DW)

Politische Veranstaltung der muslimischen Gruppe Uamsho auf Sansibar

Sansibar besteht aus den zwei Hauptinseln Pemba und Unguja. Diese vereinigten sich ein Jahr nach der Unabhängigkeit 1963 mit Tanganjika auf dem Festland zum Staat Tansania. Sansibar wurde ein teilautonomer Bundesstaat mit eigener Regierung. Doch die politische Lage blieb jahrelang angespannt. Die Unzufriedenheit über die Politik der seit 1977 regierenden "Partei der Revolution" (CCM) stieg bei vielen Inselbewohnern. Bei Wahlen auf Sansibar gab es ständig Unregelmäßigkeiten und massive Ausschreitungen zwischen Anhängern von Oppositionsparteien und der Polizei. Erst 2009 kam es zur Versöhnung zwischen der CCM und der größten Oppositionspartei "Civic United Front" (CUF). 2010 bildeten beide Parteien nach einem Referendum eine Koalitionsregierung.

Drohende Folgeschäden für Politik und Tourismus

Blick auf den Strand von Jambiani an der Ostküste der Insel Sansibar, Tansania. (Foto: dpa)

Dem Touristenparadis droht ein Rückgang der Besucherzahlen

Die jüngsten Unruhen könnten nun erneut den Zusammenhalt zwischen dem tansanischen Festland und Sansibar gefährden. Bis 2014 will Tansania eine neue Verfassung einführen. Die Debatte, welche Rolle Sansibar in der Union spielt, droht, einer der zentralen Streitpunkte zu werden. Die wirtschaftlichen Folgeschäden dürften ebenfalls hoch sein, da der Tourismus die Haupteinnahmequelle der sansibarischen Wirtschaft ist. Der Wirtschaftswissenschaftler Mohammed Hasidh geht von einem Gesamtschaden von rund 500 Millionen Dollar aus. Auch Innenminister Emmanuel Nchimbi fürchtet um die internationale Reputation Sansibars: "Sansibar ist der einzige Ort in Ostafrika, an dem man sein Handy im Taxi vergessen kann und der Taxifahrer es zurückbringt. Diese Art von Respekt müssen wir bewahren!" Nchimbi fordert seine Landsleute auf, auf traditionelle Werte wie Vertrauen, Gerechtigkeit und Fairness zu setzen.

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