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Politik

Schwere Proteste gegen Frankreich

Der Friedensgipfel westafrikanischer Staatschefs um den Konflikt in der Elfenbeinküste ist am Sonntag (26.1.2003) in Paris ohne offizielle Erklärung zu Ende gegangen. In Abidjan kam es zu Ausschreitungen.

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Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Elfenbeinküste

Aus Protest gegen das von Frankreich vermittelte Friedensabkommen für das Krisenland Elfenbeinküste haben am Sonntag (26. Januar 2003) zehntausende Menschen auf den Straßen der Regierungsstadt Abidjan demonstriert. Sie steckten nach Berichten von Augenzeugen das französische Kulturzentrum und die Botschaft des Nachbarlands Burkina in Brand. Beide Brände waren jedoch bis am Nachmittag unter Kontrolle. Französische Soldaten feuerten Warnschüsse in die Luft, um die Menge auseinander zu treiben.

Wird der Frieden halten?

Der ivorische Präsident Laurent Gbagbo mahnte seine Bevölkerung von Paris aus, wo er an einem afrikanischen Gipfeltreffen zur Besiegelung des Friedensabkommens teilnahm, zur Ruhe auf. Er kündigte seine sofortige Rückkehr nach Abidjan an. Gbagbos Anhänger warfen Frankreich vor, diesen zur Unterzeichnung des Vertrags gedrängt zu haben, der den vier Monate währenden Konflikt zwischen ivorischen Rebellen und Regierung beenden soll. Wütende Jugendliche demolierten auch eine französische Schule und griffen Autos an, von denen sie glaubten, sie seien in Besitz französischer Staatsbürger. Sie errichteten brennende Barrikaden auf den Hauptstraßen.

Nationale Versöhnung schaffen

Elfenbeinküste Flagge

Flagge der Elfenbeinküste

Unter Vermittlung der früheren Kolonialmacht Frankreich war am Freitag (24. Januar 2003) bei Paris in einem ersten Schritt ein Friedensplan von den Konfliktparteien der Elfenbeinküste vereinbart worden. Nach mehr als viermonatigen Kämpfen unterzeichneten sie ein Versöhnungsabkommen und hatten die Schaffung einer "Regierung der nationalen Versöhnung" befürwortet. Der umstrittene Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, kann danach bis zum Ende seines Mandats 2005 im Amt bleiben, muss jedoch die Rebellen und die Opposition an der Macht beteiligen. Außerdem musste er der Abgabe von Machtbefugnissen an den Ministerpräsidenten zustimmen.

Die Vertreter der Regierung und der Rebellen verständigten sich für das Amt des Ministerpräsidenten auf den früheren Regierungschef Seydou Diarra, wie französische Diplomaten am Rande der Verhandlungen in Marcoussis bei Paris mitteilten. Bei der Umsetzung des Friedensplans würde er eine Übergangsregierung bis zu Neuwahlen leiten.

Dunkle Geschichte vergessen

Nachdem die Zustimmung Gbagbos zunächst noch unsicher war, berief Chirac kurz nach der Eröffnung des Gipfels den Machthaber der Elfenbeinküste zu sich. Hinter verschlossenen Türen wurde mit Gbagbo im Beisein von Annan und dem Präsidenten von Gabun, Omar Bongo, der die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft Cemac vertritt, verhandelt. Aus der französischen Delegation verlautete, dass sich Gbagbo danach hinter das Abkommen gestellt habe.

Weinendes Kind - Abidjan

UN-Generalsekretät Kofi Annan sicherte den Konfliktparteien die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft zu. "Es ist natürlich Sache der Männer und Frauen in der Elfenbeinküste, dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte vergessen zu machen", sagte er. "Aber wir können und müssen ihnen dabei helfen."

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, die mit 2500 Soldaten die brüchige Waffenruhe der Elfenbeinküste überwacht, hatte sich Anfang Januar verstärkt eingeschaltet, als eine neue Eskalation des Konflikts drohte. Seit Beginn der Kämpfe im September sind Hunderte von Menschen ums Leben gekommen. Die Rebellengruppen, die bereits die Hälfte des Landes kontrollieren, hatten Gbagbo vorgeworfen, den moslemischen Norden zu unterdrücken und seinen Rücktritt verlangt.

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  • Datum 27.01.2003
  • Autorin/Autor Petra Füchsel
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3Chf
  • Datum 27.01.2003
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