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Politik

Schwere Mission für Papst Benedikt XVI. in Brasilien

Papst Benedikt XVI. startet am Mittwoch zu seiner ersten Übersee-Reise nach Brasilien. Dort muss er vor allem für Sympathie werben. Denn die Gläubigen in Lateinamerika laufen der Kirche in Scharen davon.

Letzte Vorbereitungen vor dem Sao Bento Kloster in São Paulo, Quelle: AP

Letzte Vorbereitungen vor dem Sao-Bento-Kloster in São Paulo

Brasilien ist auf den Papst eingestimmt, zumindest musikalisch. In dem musikbesessenen Land stürmte die Papsthymne des Starduos Gian und Giovani mit dem Konterfei von Benedikt XVI. die nationale Hitparade und liegt im Moment auf Platz zehn. Der populäre singende Priester Marcelo Rossi aus São Paulo gibt den musikalischen Anheizer der Papstvisite. Mit seinem neuen Hit liegt er selbst sogar auf Platz drei der Charts.

Pacaembu-Stadion in Sao Paulo, Quelle: AP

Der Papst wird im Pacaembu-Stadium in São Paulo auftreten

Allerdings wird die sechste Auslandsreise von Papst Benedikt XVI. sicher kein Vergnügungstrip. Zwar gilt Lateinamerika nach wie vor als der katholischste Kontinent der Erde, in dem die Hälfte aller Katholiken der Welt leben, aber die Menschen laufen den Priestern in Scharen davon. Neuesten Umfragen zufolge sind in Brasilien nur noch 64 Prozent der Bevölkerung katholisch - im Jahr 1980 waren es noch fast 90 Prozent.

Sekten und Neukirchen

Anders als in Europa wenden sich die meisten dieser Menschen aber nicht vollkommen vom Glauben ab - sie treten protestantischen Kirchen bei, insbesondere den so genannten Pfingstkirchen. Die Kirchen der Pfingstbewegung, für deren Anhänger die Wiedergeburt Christi im Heiligen Geist grundlegend ist, setzen sich insbesondere in den Armenvierteln der lateinamerikanischen Großstädte durch.

Benedikt selbst äußerte sich vor der Reise optimistisch. Südamerika sei der "Kontinent der Hoffnung", meinte er. Nicht überall wird der Papst herzlich willkommen sein. Es sind mehrere Demonstrationen gegen den Papst geplant, unter anderem kündigten die brasilianischen Homosexuellen-Verbände Protest an.

Treffen mit Lula

Erste Station der sechstägigen Reise (9.-14.5.) ist die Wirtschaftsmetropole São Paulo. Hier wird Benedikt am Donnerstag mit Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva zusammentreffen, der die soziale Rolle der Kirche zur Sprache bringen will. Er wünsche sich, dass sich die Kirche an der staatlichen Politik für die Ärmsten und die Unterdrückten beteilige, sagte der Staatschef.

Figuren des Franziskanerbruders Frei Galvao, Quelle: AP

Figuren von Frei Galvao: Papst Benedikt wird den Franziskanerbruder (1739-1822) heiligsprechen

Bei einem Treffen mit Jugendlichen im Stadion von Pacaembu am Donnerstagabend sollen allerdings der Kampf gegen die "Diktatur des Relativismus" und die "Verteidigung der Familie" im Mittelpunkt stehen. Ein Höhepunkt des Besuchs ist eine Messe unter freiem Himmel am Freitag in São Paulo, zu der über eine Million Gläubige erwartet werden.

Armut und Gewalt als Thema

Mit Spannung wird erwartet, wie sich Benedikt zu den Themen Armut, Korruption und Gewalt in Lateinamerika äußern wird. Menschenrechtsaktivisten, Landlose, Umweltschützer und die Bewohner der 2000 Slums von São Paulo haben große Erwartungen. Wird der Papst auf ihre Probleme eingehen und ihnen den Rücken stärken?

Die katholische Kirche verfolge mit Besorgnis die Probleme in Lateinamerika, meinte die "Nummer zwei" im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, im Vorfeld der Reise. Benedikt werde klare Worte auch an die politisch Verantwortlichen richten. "Wir hoffen, dass diese starken Botschaften gehört werden, und zwar nicht nur von den katholischen Gemeinschaften, sondern auch von den Politikern."

Angst vor Dengue-Fieber

In der Basilika von Aparecida, Quelle: AP

In der Basilika von Aparecida

Abschluss des Besuchs ist eine Messe mit den lateinamerikanischen Bischöfen am Sonntag im Wallfahrtsort Aparecida. Vor seiner Abreise am selben Tag wird Benedikt XVI. die fünfte Generalkonferenz der lateinamerikanischen Bischöfe eröffnen, die seit 15 Jahren nicht mehr zusammengekommen ist.

In Aparecida bekämpfen Sprühkommandos seit Tagen rund um die Uhr Moskitos, die das tropische Dengue-Fieber übertragen. Mindestens 60 Fälle wurden bislang registriert. Zur Papstmesse wird in Aparecida mehr als eine Million Menschen erwartet. Eine Epidemie ist also mehr als unerwünscht. (stl)

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