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Asien

Schwere Mission für Kim-Vertrauten in Peking

Überraschend schickt Nordkorea einen seiner ranghöchsten Funktionäre nach China. Von seinem großen Bruder erwartet das Regime in Pjöngjang mehr Unterstützung und mehr Nahrungsmittel.

Zweimal musste Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, am Dienstag in Peking die gleiche Stellungnahme abgeben. "Bitte warten Sie auf die amtliche Bekanntmachung der zuständigen Stellen", hieß es. Dabei ging es um eine einfache Frage: Ist Ri Su Yong (Artikelbild Mitte) derzeit in China? Am Mittwoch meldete die chinesische Agentur Xinhua dann, Päsident Xi Jinping sei mit einer Delegation der nordkoreanischen Partei zusammengetroffen.

Der 76-jährige Ri ist stellvertretender Vorsitzender und dienstjüngstes Mitglied des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas. Auf dem Parteitag Anfang Mai wurde er in das 19köpfige Parteigremium gewählt. Somit ist Ri einer der Mächtigsten in der nordkoreanischen Führungsriege. Im Politbüro ist er für die Außenpolitik verantwortlich.

Zuvor war Ri Nordkoreas Außenminister und diplomatischer Gesandter in Genf. Medienberichten zufolge war er während seiner Dienstzeit in der Schweiz Vormund des heutigen Parteichefs Kim Jong Un, als dieser dort die Schule besuchte. Ris Mentor war Jang Song Thaek, der einst mächtige Onkel von Kim Jong Un. Kim ließ Jang Song Thaek Ende 2013 wegen angeblichen Hochverrats hinrichten. Ri aber überstand die Säuberungswelle und schaffte es sogar ins Politbüro. Es wird vermutet, dass Kim Jong Un großes Vertrauen in ihn setzt.

Funktionär Jang Sung-taek nach seiner Verurteilung (Foto: Reuters)

Trotz Nähe zum hingerichteten Jang Song Thaek (Foto) hat Ri die Säuberungswelle überstanden

Abgeblitzt in Peking?

Die südkoreanische Agentur Yonhap und die japanische Agentur Kyodo berichteten am Dienstag, Ri sei in Peking eingetroffen. Peking bestätigte das zunächst nicht. Es ist der erste Besuch eines wichtigen Funktionärs aus Pjöngjang, seit Nordkorea im Januar seinen vierten Atomtest durchgeführt und auch Peking damit verärgert hatte. Die Reise wird daher in Südkorea als Versuch Pjöngjangs gewertet, sein abgekühltes Verhältnis zu Peking zu verbessern.

Noch ist unklar, wen Ri in Peking trifft und was er dort macht. Auf mehrfache Nachfrage sagte Chinas Außenamtssprecherin Hua nur: "Wir wollen mit Nordkorea normale und freundschaftliche Zusammenarbeit entwickeln."

Dabei ist Ris letzter Besuch in China gar nicht lange her. Am 19. April kam Ri, seinerzeit noch als Außenminister, nach Peking, offenbar um die chinesische Führung zum anstehenden 7. Parteitag einzuladen. Die glänzte aber durch Abwesenheit, eine Einladung sei nicht angekommen, berichtete die amtliche chinesische "Global Times."

Südkoreanische Medien spekulieren, dass Ri um Chinas Unterstützung bei der Bekämpfung der Armut bitten wird. Nach dem jüngsten Atomtest stimmte China im Sicherheitsrat einer von den USA eingebrachten Resolution zu und schloss sich internationalen Sanktionen an. Darauf hin stellte Peking die Export von Treibstoff nach Nordkorea und den Import von Kohle und Eisenerzen von dort ein.

Uganda Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye und Museveni in Uganda (Foto: picture-alliance/AP Photo/S. Wandera)

Uganda hat sich für Süd- und gegen Nordkorea entschieden: Präsidentin Park Geun-hye mit ihrem Amtskollegen Museveni

Nordkorea isoliert

Trotz der Sanktionen und in Verletzung von UN-Resolutionen will Nordkorea atomwaffenfähige Raketen entwickeln. Doch mit den jüngsten Tests scheint das Land wenig Erfolg zu haben. Südkoreas Agentur Yonghap berichtet, dass Nordkoreas Militär am Dienstag an der Ostküste nahe Wonsan erneut vergeblich versucht habe, eine Mittelstrecken-Rakete zu starten.

Unterdessen ist Nordkorea zunehmend isoliert. Am vergangenen Sonntag hatte Uganda, Nordkoreas langjähriger Verbündeter in Afrika, die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich beendet. Bisher bildete Nordkorea Sicherheitskräfte für Uganda aus. Der Schritt fällt mit dem Besuch der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-Hye in dem ostafrikanischen Land zusammen.

China hatte schon mehrfach signalisiert, die Sechs-Parteien-Gespräche zur Lösung der Streitigkeiten um das nordkoreanische Atomprogramm sollten wieder aufgenommen werden. Seit 2009 weigert sich Pjöngjang, an den Gesprächen teilzunehmen. Wang Yi, Chinas Außenminister, hat angedeutet, China werde sich auch für Verhandlungen von nur drei, vier oder fünf Parteien stark machen. Aber auch der Vorschlag stößt in Nordkorea bislang auf taube Ohren.

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