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Aktuell Europa

Schwere Kämpfe um Slowjansk

Die Lage in der Ostukraine bleibt brandgefährlich. Die Schlacht um Slowjansk offenbart bürgerkriegsähnliche Zustände. Auf beiden Seiten sterben Menschen. Moskau hat die Schuldigen schon ausgemacht.

Die heftigsten Kämpfe gibt es im Osten und Süden der Rebellenhochburg Slowjansk. Dabei seien vier Soldaten getötet und etwa 30 weitere verletzt worden, heißt es aus dem Innenministerium in Kiew. Es wirft den prorussischen Milizionären vor, Zivilisten als "Schutzschilde" zu missbrauchen und Häuser in Brand zu stecken. Die Separatisten erklärten, in ihren Reihen habe es etwa 20 getötete Aktivisten und elf Verletzte gegeben.

Prorussische Kräfte schossen in Slowjansk erneut einen Kampfhubschrauber der ukrainischen Armee ab. Die Besatzung des Mi-24 habe den Absturz in einen Fluss überlebt und sei von einem Spezialkommando in Sicherheit gebracht worden, meldet das Verteidigungsministerium. Bereits am Freitag waren zwei Mi-24 abgeschossen worden. Zudem war ein Helikopter vom Typ Mi-8 stark beschädigt worden. Das benachbarte Moldawien versetzte seine Grenzsoldaten angesichts der extrem angespannten Lage in der Ostukraine in Alarmbereitschaft.

Die Schlacht ist kaum zu gewinnen

In Slowjansk nördlich der Gebietshauptstadt Donezk sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzerfahrzeugen und Hubschraubern im "Anti-Terror-Einsatz". Die 125.000 Einwohner zählende Stadt ist strategisch bedeutsam und ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Die Separatisten rühmten sich, den Angriff der Regierungstruppen zurückgeschlagen zu haben.

Nach Angaben von Innenminister Arsen Awakow sollen etwa 800 bewaffnete Separatisten die Stellungen in Slowjansk halten: "Sie setzen schwere Waffen ein, schießen mit großkalibrigen Waffen, benutzen Granatwerfer und sonstige Technik". Die Regierungstruppen hätten trotz der Gegenwehr den Fernsehturm der Stadt eingenommen. Nun würden wieder ukrainische Fernsehsender ausgestrahlt. Trotz der laufenden "Anti-Terror-Einsätze" auch in anderen Regionen rechnet die Übergangsregierung in Kiew kaum noch damit, die von Separatisten beherrschten Gebiete zurückzugewinnen. Interimspräsident Alexander Turtschinow macht dafür erneut Russland verantwortlich und wirft Moskau Kriegstreiberei vor.

Russisches Weißbuch belastet Kiew

Der Kreml bezichtigt dagegen die ukrainische Übergangsregierung schwerer Menschenrechtsverletzungen in den vergangenen sechs Monaten. In einem Bericht des russischen Außenministeriums werden zahlreiche Fälle bis hin zur Folter aufgelistet, die vor allem gegen die russischsprachige Bevölkerung zielten. Den Gegnern des entmachteten und nach Russland geflohenen Präsidenten Viktor Janukowitsch wird auch vorgeworfen, hinter den Todesschüssen auf 77 Menschen während der Unruhen in Kiew zu stecken.

Die neue Regierung in Kiew und deren westliche Verbündete sehen die Schuld für viele dieser Todesfälle dagegen bei Scharfschützen der Polizei. Der im Internet auch auf Englisch veröffentlichte Bericht mit einem Umfang von 80 Seiten wurde Präsident Wladimir Putin übergeben. Darin wird die russische Darstellung bekräftigt, "Ultranationalisten, Extremisten und Neonazis" hätten Janukowitsch gestürzt. Zudem warnt Moskau vor einer "humanitären Katastrophe" im Osten der Ukraine, angesichts fehlender Medikamente und einer drohenden Lebensmittelknappheit.

rb/jj/ml (afp, ap, dpa, rtr)