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Aktuell Nahost

Schwere Kämpfe um Aleppo

Ungeachtet des Friedensappells von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon geht das Töten in Syrien weiter. Hart umkämpft ist vor allem die Metropole Aleppo. Die EU fordert mehr Schutz für die Bevölkerung.

Im Kampf um die nordsyrische Metropole Aleppo hat die Armee von Präsident Baschar al-Assad ihre Offensive ausgeweitet. Die Regierungstruppen griffen Stellungen der Rebellen in zwei Schlüsselbezirken der Millionenstadt mit Artillerie und Kampfhubschraubern an. Die Aufständischen erklärten hingegen, sie hätten die ihnen an Feuerkraft überlegenen Truppen zurückgeschlagen und wichtige Stellungen der Regierung angegriffen und teils erobert.

Nach Angaben oppositioneller Aktivisten griffen die Rebellen das Militärgericht sowie ein Büro der Baath-Partei an und töteten mindestens 40 Beamte bei der Erstürmung zweier Polizeiwachen. Hunderte Rebellen attackierten die Polizeiwachen in den südlichen Bezirken Salhin und Bab al-Nairab, wie der Leiter der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte. Die Kämpfe hätten "Stunden gedauert", bevor die Rebellen die Wachen erstürmten. Unter den Toten sei auch der Chef der Polizeiwache in Salhin. Drei Fahrzeuge seien zerstört worden.

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Unübersichtliche Lage in Aleppo

"Eine Frage von Tagen nicht von Wochen"

Die Rebellen beherrschen nach eigener Aussage einen Bogen, der die Stadtviertel Aleppos im Osten und Südwesten umfasst. Für einen ihrer Kommandeure ist die angestrebte Besetzung des Stadtzentrums eine Frage "von Tagen, nicht von Wochen". In Aleppo wird seit mehreren Tagen heftig gekämpft. Die zweitgrößte Stadt Syriens ist von strategischer Bedeutung: Sollten die Rebellen sie komplett unter ihre Kontrolle bringen, hätten sie im Nordwesten des Landes eine sichere Basis mit Verbindung zur Türkei. Auch in der Hauptstadt Damaskus flammten die Kämpfe wieder auf.

Ban warnt vor religiös motiviertem Bürgerkrieg

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erneut ein sofortiges Ende des Blutvergießens gefordert und vor einem religiös motivierten Bürgerkrieg gewarnt. "Weitere Kämpfe sind nicht die Antwort. Eine weitere Militarisierung dieses Konflikts wird nur die Zerstörungen endlos fortführen und das Leid verlängern", sagte Ban in New York. "Ein religiös motivierter Bürgerkrieg würde außerdem auch die Nachbarn Syriens ernsthaft gefährden", warnte er.

Mittlerweile leiden nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens zwei Millionen Syrer unter der Gewalt im Land. Vor den erbitterten Kämpfen in und um Aleppo sind nach Schätzungen von Helfern allein am vergangenen Wochenende rund 200.000 Menschen geflohen. Andere suchten zu Tausenden Schutz in Moscheen und öffentlichen Gebäuden. "Wir leben in einem Kriegsgebiet", sagte ein Bewohner der Stadt, der seine Angehörigen nach Asas in der Nähe der türkischen Grenze in Sicherheit bringen wollte.

EU: Humanitäre Krise zeichnet sich ab

Die EU fordert in diesem Zusammenhang mehr Schutz der Bevölkerung. Feuerpausen müssten den Zugang von humanitären Helfern gewährleisten, erklärte die zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva in Brüssel. Dies schreibe auch das internationale Völkerrecht vor. Nicht kämpfende Zivilisten, besonders Frauen und Kinder, müssten die Möglichkeit haben, Krisenregionen zu verlassen, ohne ihr Leben zu gefährden.

Den Beschuss von ärztlichem Personal und medizinischen Hilfstransporten, die durch humanitäre Symbole klar gekennzeichnet seien, bezeichnete die EU-Kommissarin als Kriegverbrechen. Sie forderte die internationale Gemeinschaft und den Weltsicherheitsrat auf, die humanitäre Krise in Syrien nicht aus den Augen zu verlieren. Die sich abzeichnende "humanitäre Tragödie" wecke "schlimme Erinnerungen an den Krieg in Ex-Jugoslawien", sagte Georgieva.

Für die dringend benötigte humanitäre Hilfe fehlt zudem Geld. Der Leiter des Berliner Büros des Welternährungsprogramms (WFP), Ralf Südhoff, sagte im Deutschlandradio, seine Organisation brauche allein 100 Millionen Euro, um die akute Not zu lindern. Bisher habe man allerdings erst etwa 30 Millionen Euro zusammen. "Anderen Hilfsorganisationen geht es kaum besser", sagte Südhoff.

GD/jh (rtr, dpa, afp)

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