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Kultur

Schwere Flugzeugkatastrophe in Madrid

Bei einem Flugzeugunglück sind in Madrid rund 150 Menschen getötet worden. Die Spanair-Maschine, die auf dem Weg nach Gran Canaria war, zerschellte nach dem Start und brannte aus.

Person auf einer Liege umringt von Personen in weißer Kleidung (20.08.08, Madrid - Spanien, Quelle: AP)

Nothelfer kümmern sich um Verletzte

Der Flug auf die Urlaubsinsel Gran Canaria wurde zur Katastrophe: 151 Menschen starben am Mittwoch (20.08.2008) auf dem Madrider Flughafen Barajas in einer brennenden Maschine, die unmittelbar nach dem Start zerschellt war. Wie die Madrider Regionalregierung am Abend mitteilte, seien zudem 20 Menschen schwer verletzt worden. Ein Sprecher sagte, in der Unglücksmaschine seien 171 Insassen gewesen. Die Fluggesellschaft Spanair hatte zuvor von 173 Menschen gesprochen. An Bord waren auch sieben Personen mit einem Lufthansa-Ticket.

Löschhubschrauber über einer Baumgruppe (20.8.08, Madrid - Spanien, Quelle: AP)

Auch Löschhubschrauber sind nach dem Unglück im Einsatz

Die Unglücksursache sei unbekannt, sagte ein Sprecher der Spanair. Die Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 hob beim Start ab, stürzte dann aber hinter dem Rollfeld zu Boden und zerbarst unweit der Landebahn in mehrere Teile. Augenzeugen berichteten, der linke Motor habe beim Start Feuer gefangen. Der Flug war nach einem Bericht der Zeitung "El Pais" wegen technischer Probleme mit einer Stunde Verspätung gestartet.

Partner-Flug der Lufthansa

Die Lufthansa teilte am Abend in Frankfurt unter Vorbehalt mit, dass insgesamt sieben Passagiere mit Lufthansa-Ticket für den Gemeinschaftsflug des Airline-Bündnisses Star Alliance eingecheckt hatten. Vier davon stammen aus Deutschland. Ob sich diese Fluggäste tatsächlich an Bord des Gemeinschaftsfluges befanden, stehe noch nicht fest. Die Passagierlisten für den Spanair-Flug mit den Flugnummern JK 5022 und LH 2554 seien noch nicht von den spanischen Behörden freigegeben.

Rettungswagen auf dem Weg zum Flughafen, Quelle: AP

Rettungswagen auf dem Weg zum Flughafen

Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin nahm die deutsche Botschaft in Madrid Kontakt zu Spanair auf, um näheren Aufschluss zu bekommen; zwei Botschaftsangehörige fuhren zum Flughafen. Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben ein Team psychologisch geschulter Fachleute nach Madrid gesandt, um Spanair bei der Betreuung der betroffenen Fluggäste und deren Angehörigen zu unterstützen.

Völlig ausgebrannt

Der Flughafen wurde sofort nach dem Unglück für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Einsatzleitung rief die höchste Alarmstufe aus. Um den Einsatz zu koordinieren, trat ein Krisenstab zusammen. Dutzende Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge rasten mit Blaulicht und Sirenengeheul zum Unglücksort, zahlreiche Hubschrauber kreisten mit großen Löschbehältern über der Unglücksstelle. Eine riesige Rauchsäule war kilometerweit zu sehen. Beide Flugschreiber wurden bereits gefunden.

Eine Maschine wie diese verunglückte in Madrid, Quelle: AP

Eine Maschine wie diese verunglückte in Madrid

Helfer der Rettungsdienste berichteten, das Flugzeug sei in mehrere Teile zerbrochen. "Es ist ein Wunder, dass überhaupt jemand überlebte", sagte ein Augenzeuge. Ein Helfer berichtete: "Das Wrack war total verkohlt und voller Leichen. Da sah nichts mehr wie ein Flugzeug aus." In Madrid wurde nahe dem Konferenzzentrum der Stadt ein provisorisches Leichenhaus eingerichtet.

Überlebende in kritischem Zustand

Die meisten der verletzt aus dem brennenden Flugzeug geretteten Passagiere befanden sich in kritischem Zustand. Viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen und wurden in eine nahe gelegene Klinik mit Spezialabteilung gebracht. Unter den 171 Insassen der zweistrahligen Maschine waren neun Besatzungsmitglieder. Nach der Passagierliste sollen auch zwei Babys an Bord gewesen sein. Die Krankenhäuser in Madrid wurden sofort nach dem Unfall aufgefordert, Betten zur Verfügung zu stellen.

Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero unterbrach seinen Urlaub und eilte nach Madrid. Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte Zapatero ihr Beileid. Sie sei schockiert vom Ausmaß der Katastrophe und der Zahl der Toten und Verletzten, und nehme Anteil am Leid der Familien, die ihre Angehörigen verloren hätten, erklärte der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Thomas Steg, am Mittwochabend in Berlin.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Die Fluggesellschaft Spanair, die in der Star Alliance unter anderem Partner der Lufthansa ist, befindet sich seit geraumer Zeit in schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die skandinavische Muttergesellschaft SAS hatte vergeblich versucht, einen Käufer für das kränkelnde Unternehmen zu finden. Zurzeit ist Spanair dabei, fast ein Drittel der Beschäftigten zu entlassen und das Streckennetz zu reduzieren. Das am Mittwoch verunglückte Flugzeug war nach Spanair-Angaben 15 Jahre alt. Das Flugzeug habe die jährlich vorgeschriebene Inspektion im Januar durchlaufen.

An dem Madrider Flughafen - dem größten des Landes - hatte es zuletzt vor knapp 25 Jahren zwei schwere Flugzeugkatastrophen gegeben. Am 27. November 1983 war ein Jumbojet der kolumbianischen Linie Avianca beim Landeanflug abgestürzt, 181 Menschen starben. Nicht einmal zwei Wochen später prallten auf der Startbahn des Airports eine Iberia- und eine Aviaco-Maschine im Nebel zusammen. 93 Menschen kamen ums Leben. (stu)

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