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Wirtschaft

Schwere Energiekrise in Albanien

Albaniens Bürger sind Stromausfälle gewohnt. Doch nun hat in dem Land, das vollständig von Wasserkraft abhängig ist, eine Dürre zu einer extremen Energiekrise geführt.

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Albaniens Kraftwerke sind angewiesen auf Wasser aus Mazedonien


Die Stromnetze sind marode, der Verbrauch ist mit dem Wirtschaftswachstum nach Ende des Kommunismus rapide angestiegen und neue Kapazitäten wurden nicht gebaut - eine Versorgungssicherheit hat es in Albanien nie gegeben. Doch jetzt ist noch strengeres Stromsparen als sonst geboten: Zwischen 15 und 18 Stunden täglich dauern die Stromausfälle. Wegen eines Mangels an Regen ist das Wasserniveau in den großen Stauseen fast auf Null gesunken - mit entsprechenden Folgen für die Wasserkraftwerke. Es ist die schwerste Energiekrise der letzten 15 Jahre.

Die Regierung bemüht sich, Strom zu importieren. Der albanische Energieminister Genc Ruli war in der Ukraine, wo ihm ein Nachschub für die zwei nächsten Monate versprochen wurde. "Ich wollte zwei Ziele erreichen: einerseits die langfristige Versorgung für das Jahr 2006, andererseits die Bewältigung der dringenden Situation für die Monate November und Dezember" erklärt Ruli.

Import von Strom

Albanien ist auf den Import von Strom aus den Nachbarländern angewiesen. Seit 8. November gibt es eine Verbesserung durch die Energieeinfuhr aus Rumänien. Premierminister Sali Berisha ist zuversichtlich, dass es auch weitere Importverträge geben wird. Die Einfuhr aus Rumänien und Bulgarien sei auf 150 Million Kilowattstunden gestiegen, erklärt Berisha. "Wir erwarten ein positives Ergebnis der Gespräche in Serbien über den direkten Kauf oder für den Transfer von Strom über serbische Netze aus der Ukraine. Aus Italien werden 200 Millionen Kilowattstunden gekauft."

Serbien hat bereits die Durchleitung des importierten Stromes zugesagt. Es müssen aber noch die Transferzeiten geregelt werden, da die serbischen Stromleitungen auch für den Transfer anderer Länder genutzt werden. Mazedonien hat zudem versprochen, zwei Stautore am Ohridsee in Struga zu öffnen um das Wasserniveau des Flusses Drin in Albanien zu steigern, der die größten Wasserkraftwerke des Landes bedient.

Verluste für die Volkswirtschaft

Experten der Weltbank gehen davon aus, dass die Wirtschaft tägliche Verluste von 4,2 Millionen Dollar am Tag erleidet. Ruli beschuldigt die vor kurzem ausgeschiedene sozialistische Regierung: Sie habe es versäumt, rechtzeitig die notwendigen Einfuhrverträge mit Zulieferländern abzuschließen. "Es wurden von Januar 2005 bis September, als wir die Situation in die Hand nahmen, keine Verträge abgeschlossen", sagt der Energieminister Ruli. "Das führt jetzt dazu, dass wir jetzt mit den Zulieferländern verhandeln müssen, manchmal mehr politisch als kommerziell."

Weil Albanien Strom zu 99 Prozent mit Wasserkraftwerken produziert, strebt es den Aufbau von Heizkraftwerken für fossile Energieträger an. Alle Balkanländer haben Energieprobleme, obwohl die Region reich an Ressourcen ist. Das soll sich durch die Schaffung eines liberalisierten regionalen Strommarktes ändern. Die Südosteuropäischen Staaten, die EU, die USA, Kanada, die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung unterzeichneten in diesen Tagen in Athen ein Abkommen, dass die Öffnung der einheimischen Gas und Strommärkte für ausländische Konkurrenten plant.

Große Investitionen nötig

Es sei kein Zufall, dass die Weltbank, aber auch die Europäische Kommission von Investitionen von 21 Milliarden Euro in den 15 nächsten Jahren sprächen, sagt Nikos Stefanu, Generalsekretär im griechischen Entwicklungsministerium. In der Region werde es einen Boom in den Energieinvestitionen geben. "Die großen Gesellschaften aus Europa, aus der Region, aber auch aus den USA werden es mit einem attraktiven Terrain zu tun haben mit einem modernen europäischen Gesetzrahmen."

Ein erstes großes Investitionsprojekt ist der geplante Bau eines Heizkraftwerkes im Kosovo. Diesen Winter wird die UN-Verwaltung UNMIK die Bedingungen für eine internationale Ausschreibung schaffen. Im nächsten Jahr könnten die Investoren bereits mit der Detailplanung beginnen.

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