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Schwer verliebt

Ein angenehmes Kribbeln im Bauch, weiche Knie und Herzklopfen. Das Gefühl, verliebt zu sein, kennen wir alle. Wie aber drückt sich das in der deutschen Sprache aus?

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Schwer verliebt

Liebe und Verliebtsein sind in Musik, Film und Literatur das Thema Nummer Eins. Was kann dieser Beitrag also noch zum Thema „Liebe“ vermitteln, das wir nicht schon längst wissen? Verstehen wir ihn als Blick hinter die Kulissen der deutschen Sprache: Wie beschreiben wir im Deutschen die Gefühlszustände der Liebe? Die Sprache ist schließlich das Medium, mit dem wir unseren Gefühlen einen Namen geben, sie in Worte fassen. Und die deutsche Sprache ist ja bekannt dafür, kreativ zu sein.

Liebeszustände

Ein Beispiel dafür ist der Begriff der Hassliebe. In nur einem einzigen Wort wird ausgedrückt, dass man einen anderen Menschen gleichzeitig lieben und hassen kann. Dadurch entsteht eine Form einer Liebesbeziehung, auch wenn sie kaum gesund für Herz und Seele sein kann.

Lange Schatten eines Paares am Strand. Die Sonne steht bereits tief.

Bist du verliebt? Oder sogar verknallt? Jemand hat dir jedenfalls den Kopf verdreht!

Viel öfter benötigen wir im Deutschen aber mindestens zwei Adjektive, um den jeweiligen Grad des Verliebtseins zu beschreiben. Das reicht von leicht verliebt, also „Ich weiß noch nicht so richtig“, über glücklich verliebt – die Person, in die ich verliebt bin, ist auch in mich verliebt –, bis zu unsterblich verliebt, dem Gefühl, ohne den anderen nicht leben zu können. Auch die eher umgangssprachlichen Wendungen wie „Er hat sich in sie verguckt", ist „in sie verschossen“ beziehungsweise „verknallt“ drücken eines aus: Hier ist jemand ganz schwer verliebt!

Schmetterlinge im Bauch

Nahaufnahme zweier Schmetterlinge, die auf einer Blüte sitzen.

Schmetterlinge: Verliebte meinen, sie hätten jede Menge im Bauch

Es gibt auch feste Wendungen, die unseren Glückszustand ausdrücken, wenn wir verliebt sind. „Schmetterlinge im Bauch haben“ beschreibt diesen zugleich angenehmen und aufregenden Gefühlszustand: Das Kribbeln im Bauch fühlt sich so an, als würden Tausende von Schmetterlingen in uns herumflattern. Zusätzlich haben wir Herzklopfen und uns werden die Knie weich, wenn wir die andere Person sehen. Doch wo kommen plötzlich diese berühmten Schmetterlinge im Bauch her? Es ist weniger romantisch als man denkt.

Dass wir auf einmal alles durch die rosarote Brille sehen, also alles an einem Menschen als positiv wahrnehmen können, bewirken einige biochemische Prozesse in unserem Körper. So sind es der Geruch, das Aussehen und die Stimme der anderen Person, die uns den Kopf verdrehen, bewirken, dass wir uns in die Person verlieben.

Frühlingsgefühle

Auch der Frühling zeigt uns, dass das Verliebtsein mit der Biologie zusammenhängt. Wenn die Sonnenstrahlen unsere Gesichter kitzeln und die Tage wieder länger werden, erwacht nicht nur die Tierwelt aus dem Winterschlaf. Plötzlich sind auch wir wieder frisch und reagieren stärker auf äußere Reize: Wir entwickeln Frühlingsgefühle – haben schnell Schmetterlinge im Bauch.

Ein älteres Pärchen sitzt vor einem blühenden Baum und lächelt sich an. Sie zeigt ihm eine Blüte.

Frühlingsgefühle sind an kein Alter gebunden!

Natürlich können wir Frühlingsgefühle nicht nur im Frühling haben: Sie machen weder vor Jahreszeiten noch vor dem Alter Halt. Zu den Frühlingsgefühlen gehört allerdings immer auch eine gute Portion Glück. Denn – wie Max Raabe so schön singt – küssen kann man nicht alleine. Wenn die Person, wegen der wir Schmetterlinge im Bauch haben, sich auch in uns verliebt, schweben wir auf Wolke sieben, sind überglücklich.

So kann das doch nicht weiter gehen!

Aber selbst wenn wir glücklich verliebt sind: Immer Schmetterlinge im Bauch zu haben, wäre auf Dauer zu viel für uns! Deswegen kommt irgendwann der Moment, an dem die Verliebtheit einem anderen Gefühl weicht: der Gewohnheit.

Aneinander gewöhnt zu sein, kann negativ und positiv sein. Und dann ereignen sich meist unterschiedliche Szenarien: Entweder merken wir, dass wir nichts Besonderes mehr für die andere Person empfinden und einfach nur ganz normal mit ihr befreundet sein möchten. Oder wir streiten uns nur noch mit ihr – bis wir gar nichts mehr von ihr wissen wollen.

Der Frühling kommt!

Der positive Ausdruck der Gewohnheit ist, die andere Person so gut zu kennen, dass man weiß, ob sie ein Ei lieber gekocht oder als Spiegelei isst, oder ob sie Nelken mag oder nicht. Und wahre Liebe ist dann, wenn wir zwar nicht mehr jedes Mal Herzklopfen bekommen, sobald wir die andere Person sehen, sondern mit ihr lachen und weinen, streiten und wieder versöhnen können. Denn tief im Herzen wissen wir, dass wir mit der Person auf einer anderen Ebene verbunden sind, dass wir zusammengehören, dass wir seelenverwandt sind.

Es ist also Vorsicht geboten: Der Frühling kommt und es könnte dich schwer erwischen!




Arbeitsauftrag
Überlegt, welche Wendungen, Verben oder Adjektive man für das Gefühl des Verliebtseins in eurer Muttersprache benutzt. Tauscht euch darüber aus. Schwebt man in eurer Sprache auch auf Wolke sieben? Hat man auch Schmetterlinge im Bauch? Erstellt Plakate, auf denen ihr die deutschen Ausdrücke denen in eurer Sprache gegenüberstellt. Ihr könnt Wendungen auch zeichnerisch darstellen. Wer möchte, kann ein Foto seines Plakats an bildung[at]dw.com schicken. Wir freuen uns auf eure Kreativität!

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