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Kultur

"Schwer" und "irgendwie langweilig"

Ein deutsch-französischer Tag an den Schulen soll Appetit auf die Sprache des Nachbarn machen. Das ist auch notwendig - das Interesse sinkt.

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Ach, da ist Deutschland: Deutschunterricht in Frankreich

Die deutsch-französische Freundschaft wurde offiziell vor 41 Jahren, am 22. Januar 1963, geschlossen, als Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle einen Freundschaftsvertrag unterzeichneten. Die Bildungspolitiker beider Länder haben eben jenen 22. Januar jetzt zum "Deutsch-Französischen Tag" an den Schulen bestimmt. An den Schulen soll für die Partnersprache geworben und über Austauschprogramme informieren werden.

Interesse eher abnehmend

"Ich kann Französisch nicht so gut. Zu kompliziert die Sprache, weil es so viele grammatikalische Formen gibt. Nicht wie im Englischen, das ist viel einfacher, deshalb lerne ich lieber Englisch als Französisch." Der 16-jährige Fin sitzt mit 22 Mitschülern im Französisch-Unterricht am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bonn. Viele denken ähnlich wie er: Französisch, so hört man häufig, sei "schwer zu lernen" und "irgendwie langweilig".

Das ist ein Grund, warum das Interesse deutscher Schüler an Französisch allmählich zurückgeht: Insgesamt ist die Anzahl Französisch lernender Schüler seit 1976 zwar leicht gestiegen - doch viele lernen es nur, weil sie eben eine zweite Fremdsprache lernen müssen. Nur ein Viertel der Schüler behält Französisch bis zum Abitur bei.

Nach wie vor gibt es große Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern: Im Osten Deutschland lernen weniger Schüler Französisch als im Westen. Je näher die Region an der französischen Grenze liegt, desto größer das Interesse am Erlernen der Sprache. Ein Beispiel: In der norddeutschen Stadt Bremen lernen gerade mal 19 Prozent der Schüler Französisch, im grenznahen Baden-Würtemberg sind es fast fünf Mal so viele. Hier und in den anderen grenznahen Bundesländern Saarland und Rheinland-Pfalz lernen Kinder seit kurzem auch schon im Kindergarten und in der Grundschule Französisch.

Andere Sprache - schwere Sprache

Auch die französischen Schüler tun sich schwer mit der deutschen Sprache. Deutsch hat hier einen ähnlichen Ruf wie Französisch in Deutschland. Das liege vor allem am Unterricht, meint die 17-jährige Tanja, die während eines Schüleraustauschs eine Deutsch-Klasse in der Nähe von Paris besucht hat: "Der Deutsch-Unterricht lief so ab, dass die Franzosen mehr oder weniger nur die Grammatik gelernt haben und nicht richtig gesprochen haben. Dadurch konnten sie sich nicht so gut verständigen. Wir haben uns größtenteils Französisch unterhalten."

Gute Rahmenbedingungen

Obwohl das Interesse an der Sprache abnimmt, ist der Schüleraustausch zwischen Deutschland und Frankreich nach wie vor intensiv: Es gibt über 4300 deutsch-französische Schulpartnerschaften. Damit liegt Frankreich an erster Stelle und noch weit vor den Schulpartnerschaften mit England. Mehr als 70.000 deutsche und französische Schüler fahren jährlich zum Austausch ins Partnerland. Viele dauerhafte Freundschaften entstehen hier.

Gute Jobchancen

Englisch ist immer noch klarer Gewinner im Wettbewerb der Sprachenwahl an den Schulen. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich liegt der Anteil Englisch lernender Schüler über dem europäischen Durchschnitt von 90 Prozent. Aber gerade Führungskräfte in international tätigen Unternehmen müssten heute mindestens dreisprachig sein, erklärt Eva-Elisabeth Weber von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn: "Französischkenntnisse sind nicht nur dann von Vorteil, wenn man in Frankreich einen Job sucht." Viele Unternehmen, die in Deutschland ansässig sind und Tochterfirmen in Frankreich haben, würden hierfür Mitarbeiter suchen. Und nicht nur deutsche, auch internationale Firmen: "Wenn etwa ein asiatisches Unternehmen eine große Niederlassung in Deutschland hat und eine Zweigniederlassung in Frankreich, dann sind deutsche Bewerber mit guten Französischkenntnissen die Nummer Eins", sagt Weber.

Die Luxussprache?

An bessere Chancen bei der Jobsuche denkt der 16-jährige Fin heute noch nicht so sehr. Einstweilen beugt er sich widerwillig über sein Französisch-Buch. "Englischsprachige Länder, die sind viel interessanter. Auch im Internet und allgemein bei Computern braucht man mehr Englisch." Mit Französisch könne man dagegen nichts anfangen - "außer wenn man in den Urlaub fährt."

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