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Politik

Schwellenländer unterstützen Klimaziele

Die Erderwärmung soll auf zwei Grad Celsius begrenzt werden. Für dieses Ziel haben die führenden Industriestaaten jetzt auch die Schwellenländer gewonnen. Umweltschützern gehen die Vereinbarungen nicht weit genug.

Eisberg (Foto: AP)

Eine Chance fürs Ewige Eis? Die Erderwärmung soll auf zwei Grad Celsius begrenzt werden

Die G8-Staaten wollen, dass die Erderwärmung im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius begrenzt wird. Dem schließen sich nach Informationen von Diplomaten die übrigen acht wichtigsten Volkswirtschaften der Erde an. Das sind China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika, außerdem Australien, Südkorea und Indonesien.

Von links: Indiens Premier Manmohan Singh, Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula Da Silva, Mexikos Präsident Felipe Calderon, Südafrikas Präsident Jacob Zuma und Chinas stellvertretender Außenminister Dai Bingguo (Foto: AP)

Die aufstrebenden Industriestaaten unterstützen die Klimaziele der G8

Keine Verständigung gab es bei dem Treffen über konkrete Klimaschutzziele. Die G8-Staaten bekamen von den Schwellenländern lediglich die unverbindliche Zusage, auf der Weltklimakonferenz im Dezember für ein ehrgeiziges neues Klimaabkommen arbeiten zu wollen, wie Diplomaten weiter sagten.

80 Prozent weniger Treibhausgase

Die G8 wollen bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen durchsetzen, dass bis 2050 der Ausstoß gefährlicher Treibhausgase um die Hälfte verringert wird. Um diese Ziele umzusetzen, ist ein dramatischer Strukturwandel nötig - und viel Geld. Für die Industriestaaten hätte das zur Folge, dass diese ihren Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 um 80 Prozent oder mehr verringern müssten.

Für die Industrieländer ist eine solche Umstellung "nicht undenkbar", sagt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch. Entsprechende Blaupausen gebe es. Danach würde die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen - die EU etwa würde auch das Windpotenzial der baltischen Region nutzen und das Sonnenpotenzial Nordafrikas, die USA saubere Energie auch aus Mexiko beziehen. Neue Häuser würden nur noch als Passivenergiehäuser gebaut, auch die technischen Möglichkeiten zur Sanierung von bestehenden Gebäuden werden laut Bals von Jahr zu Jahr besser. Und die Autos würden überwiegend mit Strom oder Wasserstoff fahren.

Zwischenziele fehlen

Die Schwellenländer sollen ihre Emissionen bis 2050 um die Hälfte reduzieren - sonst ist das Zwei-Grad-Ziel noch nicht einmal in Sicht. Doch mit konkreten Vereinbarungen zögern sie noch und pochen darauf, dass die Industrieländer zuerst zusagen, ihren Treibhausgasausstoß bereits bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu reduzieren.

Umweltschutzorganisationen sind von den Vereinbarungen in Italien trotz allem wenig begeistert: Sie kritisierten die Klimaziele übereinstimmend als unzureichend. Vertreter von Greenpeace und WWF lobten am Donnerstag am Rande des Gipfeltreffens in L'Aquila zwar, dass die Staats- und Regierungschefs die gefährliche Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen wollen. Allerdings beklagten sie fehlende kurzfristige Ziele zur Verminderung des Kohlendioxid-Ausstoßes.

"Eine riesige Enttäuschung"

Der Greenpeace-Klimaexperte Tobias Münchmeyer nannte die Beschlüsse eine "Einigung auf den allerkleinsten gemeinsamen Nenner". "Es ist eine riesige Enttäuschung", betonte er. Die Festlegung des Zwei-Grad-Ziels bedeute nichts weiter als eine Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Insbesondere gebe es keinerlei Zielmarke zur Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020.

Greenpeace und WWF forderten zudem übereinstimmend, die Industriestaaten müssten deutlich mehr Geld für Klimaschutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern ausgeben. Münchmeyer betonte, pro Jahr müssten hierfür mehr als 100 Milliarden Dollar bereitgestellt werden.

Dass es allen G8-Staaten wirklich ernst ist, diese hehren Ziele zu erfüllen, daran kann schon jetzt gezweifelt werden: So stellte der Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Medwedew dessen Unterschrift unter dem G-8-Abschlussdokument, kaum getrocknet,

schon wieder in Frage. Russland sei nicht bereit, sein Wirtschaftswachstum dem Klimaschutz zu opfern, sagte Berater Arkadi Dworkowitsch in L'Aquila. (mag/la/afp/dpa/rtr)

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