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Wirtschaft

Schwellenländer stützen den deutschen Export

Was hat sich durch die Krise verändert? Auf welche Rahmenbedingungen muss sich die deutsche Wirtschaft einstellen? Wo liegen neue Möglichkeiten? Für die Exportwirtschaft gibt es jetzt Antworten auf diese Fragen.

Symbolbild Export Hafen Euro Dollar

Der Export macht mehr als 40 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus

Der Export war in den vergangenen Jahren die tragende Säule der deutschen Konjunktur. Zuwachsraten in zweistelliger Größenordnung waren keine Seltenheit. Doch mit der Wirtschaftskrise hat sich die Lage verändert. Weltweit sank die Nachfrage nach Gütern, der deutsche Export brach dramatisch ein und mit ihm die Konjunktur. Aus der Stärke der deutschen Wirtschaft wurde eine Schwäche und nun stellt sich die Frage, ob das Modell der hohen Exportorientierung zukunftsfähig ist.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) ist der Meinung, dass die deutsche Exportwirtschaft auch weiterhin von der Globalisierung profitieren kann. Der Chef des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung hatte hingegen kürzlich analysiert, dass der Aufschwung in Deutschland gerade wegen der Exportabhängigkeit auf keinem soliden Fundament stehe, denn die Weltwirtschaft werde auf absehbare Zeit langsamer wachsen als vor der Krise. Das bestreitet auch Hüther nicht, allerdings gebe es durchaus Ausnahmen: "Der erste Hinweis bezieht sich auf die Wachstumskraft der Schwellenländer, die für die deutsche Exportwirtschaft in den letzten zehn Jahren eine besondere Bedeutung entfaltet haben. Allein nur der Hinweis auf die im Schnitt doppelt so starke Wachstumsdynamik dieser aufstrebenden Volkswirtschaften im Vergleich zur gesamten Weltwirtschaft zeigt, wo die Musik spielt und die Frage ist: können wir dabei bleiben."

Hoffnungsträger für den deutschen Export

Blick auf Schanghai (Foto: AP)

Der Boom in China beschert deutschen Unternehmen lukrative Aufträge

Aufstrebende Länder wie Polen, China, Russland, die Tschechische Republik, Ungarn und die Türkei spielen für die deutsche Exportwirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Im Zeitraum von 2000 bis 2007 ging mehr als ein Drittel des deutschen Exportwachstums auf das Konto der Schwellenländer. Ihr Anteil an Deutschlands Ausfuhren hat sich in diesen Jahren von 18 auf 25 Prozent erhöht - das entspricht einem Plus von fast 130 Milliarden Euro. Für Michael Hüther eine bemerkenswerte Entwicklung: "China, Russland und Polen leisten heute als Absatzmärkte für deutsche Exporte ähnlich hohe Wachstumsbeiträge wie die etablierten Industrieländer Frankreich und die Niederlande, nämlich rund sechs Prozent. Und das ist schon relativ beachtlich, dass wir in der historisch bedingten jungen Geschichte des deutschen Exports in diese Länder bereits einen so hohen Anteil erreichen konnten."

Ein Wachstum, das sich nach Ansicht von Hüther fortsetzen wird. Für diese These spricht zum einen, dass sich die Schwellenländer wohl früher von der Krise erholen werden als die Industrieländer. Der IWF sagt für das laufende Jahr Wachstumsraten von durchschnittlich fünf Prozent voraus. Für ihre Industrialisierung brauchen die Schwellenländer Investitionsgüter wie Maschinen, Anlagen und Nutzfahrzeuge, wovon die deutsche Exportindustrie profitieren könnte: "Wenn man sich mal anschaut, welche Güterstruktur hinter den Exporten der deutschen Wirtschaft in diese Länder steht, dann erkennt man, dass die sogenannte Ausrüsterthese sich sehr leicht bestätigen lässt", sagt Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Es sei Ausdruck einer besonderen Spezialisierung der deutschen Wirtschaft unter den Bedingungen der internationalen Arbeitsteilung, die diese Erfolge begründe, so Hüther weiter.

Handelshemnisse sind Gift für den Export

WTO-Hauptsitz in Genf (Foto: AP)

WTO-Hauptsitz in Genf: der Liberalisierungsprozess des Welthandels stockt seit Jahren

Erfolge, die allerdings durch Handelshemmnisse gebremst werden können, wie sich beispielhaft an Lateinamerika zeigt. Nach Brasilien, Mexiko und Argentinien werden heute weniger deutsche Waren exportiert, als noch im Jahr 2000. Für den IW-Direktor Hüther liegt das vor allem daran, dass die WTO-Verhandlungen seit Jahren stocken: "Das zeigt auch noch mal, welchen Preis wir dafür zahlen, dass wir in der Doha-Runde nicht wirklich voran kommen und dass die EU sich auch lange schwer damit getan hat, die zweitbeste Strategie zu erkennen. Da sind längst überall bilaterale Abkommen von anderen geführt worden." Für Hüther dennoch eine zweischneidige Sache: Denn wenn man bilaterale Abkommen oder Verträge eingehe und abschließe, schwäche man indirekt das Engagement für die erstbeste Lösung. Das sei ein Dilemma. Deswegen sei es so bedeutsam, dass die Doha-Runde jetzt auch mit allem Engagement zum Ergebnis geführt werden müsse.

Ein Appell, der in der Bundesregierung sicherlich vernommen wird, doch allein kann Deutschland in dieser Beziehung kaum etwas ausrichten. Stattdessen erleichtert die Bundesregierung deutschen Exporteuren in der Krise mit Kreditgarantien verstärkt den Zugang zu wachstumsstarken aber risikoreichen Auslandsmärkten. 2009 beliefen sich die Garantien auf 22,4 Milliarden Euro. Das waren rund acht Prozent mehr als im Vorjahr und ein Rekord in der 60-jährigen Geschichte der Exportkreditgarantien.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Zhang Danhong

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