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Kultur

Schweizer Tiefseeforscher Piccard gestorben

Er war einer der letzten großen Entdecker des Ozeans, der Schweizer Jacques Piccard. Am Samstag (01.11.2008) starb der Wissenschaftler 86-jährig in seinem Haus am Genfer See.

Der Pionier des Ozeans Piccard, hier 1999 mit dem U-Boot Mesoscaphe, ist tot (ap)

Der Pionier des Ozeans Piccard, hier 1999 mit dem U-Boot "Mesoscaphe", ist tot

Den Pioniergeist hatte er von seinem Vater geerbt, dem berühmten Physiker Auguste Piccard. Anders als dieser erkundete Sohn Jacques aber nicht die Lüfte, sondern das Meer. Auguste Piccard war als erster Mensch mit einem Heißluftballon 16.000 Meter in die Stratosphäre aufgestiegen.

Sein Sohn Jacques stellte seinen Rekord am 23. Januar 1960 auf. Zusammen mit dem Marineoffizier Don Walsh bestieg er an diesem Tag im Stillen Ozean das U-Boot "Trieste" - dieses hatte er in Zusammenarbeit mit seinem Vater konstruiert. Als ihnen das Geld ausging, wurde das Boot von der US Navy aufgekauft und Jacques als wissenschaftlicher Berater eingestellt.

Die Trieste wird zu Wasser gelassen

Die "Trieste" wird zu Wasser gelassen

Der Bathyscaphe, ein U-Boot, hauptsächlich für große Tiefen konstruiert, besteht aus einer Kapsel, die zwei Männern Platz bietet und einem Schwimmkörper, der wie eine Zeppelinhülle geformt und mit Flugbenzin gefüllt ist.

Hinunter in den Marianengraben

Das Ziel von Piccard und Walsh am 23. Januar 1960: der Marianengraben in rund 11.000 Metern, die tiefste Stelle der Erde. Als sie das U-Boot bestiegen, wussten die beiden nicht, ob sie je wieder lebend an die Wasseroberfläche kommen würden. Denn in dieser Tiefe lastete auf der "Trieste" ein Wasserdruck von 170.000 Tonnen. Die beiden schafften es und stellten einen Rekord auf, der bis heute ungebrochen ist. Piccard selbst sah den Grund dafür, wie er in einem Interview der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) 2007 erklärte, dass der "Meeresboden zu 98 Prozent nur etwa 6000 Meter unter dem Wasserspiegel liegt. Daher ist es wichtiger, viele U-Boote für diese Tiefen zu bauen als eines, das noch größerem Druck standhalten kann".

Der frühere US-Präsident Eisenhower zeichnet Piccard (Mitte) und Walsh (re) für ihre Verdienste aus (ap)

Der frühere US-Präsident Eisenhower zeichnet Piccard (Mitte) und Walsh (re) für ihre Verdienste aus

Der Pilot des Nachfolge-U-Bootes "Trieste II", Ross Saxon, sieht einen anderen Grund, warum der Rekord nie gebrochen wurde.Er sagte einmal: "Was wir daraus gelernt haben? Nicht viel, außer, dass wir es können. Es ist wie die Landung auf dem Mond. Wir haben es gemacht, warum sollten wir es noch einmal tun?"

Umweltpionier

Piccard ging es aber nicht nicht nur darum, einen Rekord aufzustellen, sondern auch nachzuweisen, dass es in dieser Tiefe noch Leben gibt. Dieser Nachweis führte unter anderem dazu, dass die Versenkung nuklerarer Abfälle im Ozean verboten wurde.

Angetrieben von seiner Leidenschaft für die Wissenschaft und den Schutz der Meere, erforschte Piccard 1969 einen Monat lang den Golfstrom von Florida bis nach Neuschottland. In dieser Zeit legte er 3000 Kilometer unter Wasser zurück. Zeit seines Lebens blieb er der Meeres- und Gewässerforschung treu. Seine "Stiftung zum Studium und Schutz der Meere und Seen" in Cully am Genfer See beschäftigt sich vor allem mit dem Umweltschutz.

Erfinder des U-Tourismus

Piccard, am 28. Juli 1922 in Brüssel geboren, wollte aber auch anderen Menschen die Schönheit des Tiefseetauchens nahebringen. Er konstruierte verschiedene Tauchgeräte, darunter auch das erste U-Boot für touristische Zwecke. Die "Auguste Piccard" kam 1964 anlässlich der Schweizer Landesausstellung zum Einsatz und transportierte während dieser Zeit etwa 33.000 Menschen zum Boden des Genfer Sees.

Piccard entwickelte verschiedene Tauchgeräte (Archivbild 1995) dpa

Piccard entwickelte verschiedene Tauchgeräte (Archivbild 1995)

Letztmalig ging Jacques Piccard im Alter von 82 Jahren auf Tauchstation. Er wäre auch gerne Astronaut geworden, bekannte er in dem NZZ-Interview anlässlich seines 85. Geburtstages. Die erste Landung auf dem Mond im Juli 1969 sei noch deutlich interessanter gewesen als sein Ausflug in die Tiefsee. Aber "unsere Leistung war wohl eher, dass wir gezeigt haben: Jetzt können wir im Meer überall hin".

Die drei Kinder Piccards haben, so sein Sohn Bertrand, die visionäre Weltsicht vom Vater übernommen. Dieser habe ihnen die Neugier weitergegeben sowie den Willen, Dinge fern von Vorurteilen und Gewissheiten verstehen zu wollen. Sein Motto sei gewesen: "Träume können durch Hartnäckigkeit wahr werden".

Bertrand Piccard umrundete 1999 zusammen mit dem Briten Brian Jones erstmals die Erde im Heißluftballon. 2011 will er dies wieder versuchen - dieses Mal allerdings in einem Solarflugzeug. Der Enkel tritt damit in die Fußstapfen des Großvaters.

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