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Aktuell Welt

Schweiz ermittelt wegen Spionage bei Atomverhandlungen

Die Indizien verdichten sich: Die Atomgespräche des Westens mit dem Iran wurden offenbar ausgespäht. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt nun wegen Spionage. Israel sagt: "Wir waren es nicht."

Es sei ein Verfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf verbotenen politischen Nachrichtendienst eröffnet worden, sagte ein Sprecher der Schweizer Behörde. Anlass ist die Mitteilung der russische Sicherheitsfirma Kaspersky, sie habe einen komplexen Computervirus im eigenen Netzwerk entdeckt, der auch im Zusammenhang mit den Atomgesprächen gefunden worden war.

"Stiefbruder von Stuxnet"

IT-Experten waren bislang davon ausgegangen, dass der bereits bekannte Computerwurm Duqu seit 2012 nicht mehr aktiv ist - "bis jetzt", schrieb Kaspersky in einem Blogeintrag im Internet. Das in Russland ansässige Unternehmen hat das als "Stiefbruder von Stuxnet" bezeichnete Spähprogramm demnach zunächst in seinem eigenen Netzwerk entdeckt. Später habe sich herausgestellt, dass eine aktualisierte Version von Duqu auch zum Ausforschen von Zielen in westlichen Staaten, dem Nahen Osten und Asien eingesetzt worden sei, teilten die Forscher von Kaspersky mit.

Infektionen an den Orten der 5+1-Verhandlungen

Insbesondere seien "im Rahmen der 5+1-Gespräche" - also der Atomverhandlungen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands mit dem Iran - an den Ausrichtungsorten Infektionen mit dem Computerwurm nachgewiesen worden, hieß es in der Mitteilung Kasperskys. Vertreter der UN-Vetomächte - USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien - sowie Deutschlands und des Irans hatten in den vergangenen Monaten unter anderem in Genf und Lausanne über Beschränkungen des iranischen Atomprogramms verhandelt.

Staat als Urheber vermutet

Kaspersky nennt den Urheber des Virus nicht konkret, weist aber darauf hin, dass es sich wohl um einen Staat und nicht um kriminelle Hacker handeln dürfte. Die Aktivität des Virus lasse auf "ausgeprägte geopolitische Interessen" schließen. Außerdem sei die Entwicklung dieses komplexen Virus sehr teuer.

Zudem gibt es offenbar große Ähnlichkeit mit dem Virus Stuxnet, das vermutlich von Israel oder den USA entwickelt worden war und 2010 Irans Atomanlagen attackiert hatte. So berichtete das "Wall Street Journal" bereits am Mittwoch, dass Israel hinter dem Virus vermutet werde. Im Februar hatten die USA Israel vorgeworfen, mit gezielten Indiskretionen das amerikanische Vorgehen bei den Verhandlungen erschwert zu haben.

Israel streitet Verwicklungen ab

Israel aber wies mittlerweile eine Verwicklung in den mutmaßlichen Cyberangriff zurück. "Die ausländischen Berichte über eine israelische Beteiligung entbehren jeder Grundlage", sagte Vize-Außenministerin Zipi Hotoveli im Armee-Funk. Viel wichtiger sei ohnehin, dass am Ende der Verhandlungen mit der Regierung in Teheran kein schlechtes Abkommen stehe. Die israelische Regierung ist strikt gegen das geplante Atomabkommen. Israel befürchtet, der Iran werde gelockerte Sanktionen zur Entwicklung von Atomwaffen nutzen und anschließend als erstes Israel angreifen.

Einigung auf Eckpunkte der Atomnutzung

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland hatten sich Anfang April mit dem Iran auf Eckpunkte für ein Abkommen geeinigt, das dem Land die friedliche Nutzung der Atomenergie ohne die Möglichkeit zur Herstellung von Nuklearwaffen erlauben soll. Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass der Iran die Zahl seiner Zentrifugen zur Urananreicherung deutlich reduziert und internationale Kontrollen zulässt. Im Gegenzug sollen die internationalen Sanktionen gegen den Iran schrittweise gelockert werden.

cw/sti (dpa, rtr, afp)