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Deutschlehrer-Info

Schweinefleisch sorgt für Streit

Immer mehr Kindertagesstätten und Schulen nehmen Schweinefleisch aus Rücksicht auf Muslime vom Speiseplan. Ein Antrag der CDU, Schweinefleisch solle in den Kantinen erhalten bleiben, sorgte bundesweit für Debatten.

Der Antrag, weiterhin Schweinefleisch in deutschen Kantinen anzubieten, stammt von der CDU in Schleswig-Holstein. Man halte es für falsch, auf religiöse Gebräuche Rücksicht zu nehmen, sagte CDU-Fraktionschef Daniel Günther in Anspielung darauf, dass Muslime kein Schweinefleisch essen. „Wir setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch“, so Günther. Eine „Schweinefleischpflicht“ freilich plane die CDU nicht. Niemand wird gezwungen, etwas zu essen, das er nicht will.

Im Alltag allerdings kommen viele bundesdeutsche Kantinen längst ohne Schweinefleisch aus. „Von den 60 Schulen und Kindertagesstätten, die wir beliefern, verzichten rund zehn inzwischen komplett auf Schweinefleisch“, so ein Essenslieferant aus Bonn. Im Ruhrgebiet, wo der Migrantenanteil in einigen Städten bei über 30 Prozent liegt, wird in den meisten Schulen und Kitas überhaupt kein Schweinefleisch mehr auf den Teller gebracht. Das hat praktische Gründe: Für eine Großküche sei es zu kompliziert, nur für einen Teil der Kinder schweinefleischfrei zu kochen, so die Caterer.

Kritik und Spott von der Opposition

Der Schweinefleisch-Vorstoß der CDU erntete von der Opposition in erster Linie Spott: Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, kommentierte bei Twitter: „#CDU fordert Integrationspflicht für Vegetarier.“ Und der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner spottete: „Vegetarier,Veganer + Moslems in politischer Dreieinigkeit: Machtübernahme in SH-Kantinen.“

Der Fraktionschef der schleswig-holsteinischen CDU hatte mit Gegenwind gerechnet, allerdings nicht mit so viel Spott: „Uns ging es mitnichten darum, den Schweinefleischkonsum anzuheizen. Uns allen ist klar, dass wir in Deutschland eher einen zu hohen Fleischkonsum haben", so Daniel Günther. „Im Kern unseres Antrages geht es um erfolgreiche Integration. Die funktioniert nämlich garantiert nicht, wenn sich die Mehrheit quasi im vorauseilenden Gehorsam der Minderheit anpasst.“

Debatten auch im Nachbarland

Der Vorschlag der CDU steht wohl auch im Zusammenhang mit dem starken Zuzug muslimischer Flüchtlinge. In einigen Nachbarländern ist längst ein Kulturkampf ums Schweinefleisch entbrannt. In der dänischen Hafenstadt Randers beispielsweise beschloss der Stadtrat, dass in öffentlichen Kantinen auch Schweinefleisch angeboten werden muss. „Die Regelung ist flexibel, sprich es muss auch eine Alternative geben, wenn es etwa Kinder gibt, die kein Schwein essen“, so eine Sprecherin der Kommune.

Wienerschnitzel mit Spargel auf einem Teller

Am Schweineschnitzel erhitzen sich die Gemüter

In Frankreich geht man noch einen Schritt weiter. 30 Jahre lang wurden in den dortigen Schulmensen Ersatzgerichte angeboten, wenn Schweinefleisch auf dem Speiseplan stand. In mehreren Städten soll sich das nun ändern. Einige Bürgermeister wollen Alternativ-Gerichte für Muslime und Juden aus dem Angebot verbannt sehen. Jean-Paul Beneytou, Bürgermeister der 20.000-Einwohner-Stadt Chilly-Mazarin, sagte dazu: „Es kann nicht sein, dass das muslimische Kopftuch oder die jüdische Kippa an Frankreichs Schulen verboten sind, in den Kantinen aber ein Recht auf Essen nach religiösen Vorschriften gilt. Ich respektiere alle Religionen, aber nicht in der Schule.“

Ob man in Deutschland so rigoros vorgehen wird, bleibt abzuwarten. Noch wurde der Antrag der schleswig-holsteinischen CDU nicht genehmigt.

suc/mk (dpa/ Die Welt)

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