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Politik & Gesellschaft

Schweigemarsch für ein Ende der Drogengewalt

Hunderttausende Menschen haben in Mexiko mit einem viertägigen Schweigemarsch gegen die Gewalt der Drogenbanden demonstriert. Organisator war der Dichter Sicilia. Sein Sohn soll von Drogendealern ermordet worden sein.

Angenagelte Friedenstaube am Kreuz (Foto: dapd)

Symbole statt viele Worte - Mexikaner forderten ein Ende des Drogenkrieges

Tausende Menschen mit Anti-Gewalt-Plakaten, weißen Friedens-T-Shirts und weißen Luftballons auf der Hauptstraße von Mexiko-Stadt und niemand spricht. Alle schweigen.

"Bürgerpakt gegen die Gewalt"

Luftaufnahme von tausenden Demonstanten (Foto: dapd)

Der Marsch für "Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit" in Mexiko-Stadt

So endete am Sonntag (08.05.2011) der Demonstrationszug, der vier Tage lang durch das Land gezogen ist. Rund 100.000 Mexikaner versammelten sich zur Abschluss-Kundgebung, um für das Ende der Gewalt durch die Drogenkartelle im Land zu Demonstrieren. Schluss mit der Gewalt – so lautete die Forderung der Menschen. Die Demonstranten sprachen sich für einen "Bürgerpakt gegen Gewalt" aus.

Der Schweigemarsch war am Donnerstag in der Stadt Cuernavaca im Süden Mexikos gestartet war. Auf der rund 90 Kilometer langen Strecke kamen immer wieder neue Teilnehmer hinzu. Parallel zu der Großkundgebung am Sonntag auf dem Zocalo Platz im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt gab es auch in vielen anderen Städten Mexikos Solidaritätsmärsche.

Namen der Opfer auf Luftballons

Angeführt wurde der Marsch für "Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit" von dem Dichter und Journalisten Javier Sicilia, dessen 24-jähriger Sohn im vergangenen März von der Drogenmafia ermordet worden sein soll. Die Leiche seines Sohnes war am 28. März 2011 mit sechs anderen Menschen in einem Auto in Cuernavaca aufgefunden worden, grausam erstickt und mit Spuren von Folter. Bis heute ist der Mord an seinem Sohn nicht aufgeklärt. "Wir sind schweigend hierher marschiert, weil unser Schmerz so groß und so tief und das Entsetzen, das ihn verursacht, so immens ist, dass Worte es nicht beschreiben können", sagte Sicilia.

Die Demonstranten trugen weiße T-Shirts mit der Aufschrift "Genug Blutvergießen" und tausende weiße Ballons, auf denen die Namen der Opfer geschrieben waren. Schweigend begleiteten Sicilia weitere Angehörige von Opfern der Drogengewalt, darunter viele Mütter aus der besonders umkämpften nördlichen Grenzstadt Ciudad Juárez, die ihre Söhne verloren haben. Viele Teilnehmer führten Fotos von Sicilias ermordeten Sohn mit sich.

Sicilia: Politiker in Drogenkriminalität involviert

Dichter Javier Sicilia (r.) bei seiner Ansprache in Mexiko (Foto: dapd)

Der Dichter Javier Sicilia (r.) bei seiner Rede

In einer von lautstarken Beifallsrufen begleiteten Rede kritisierte Sicilia die Regierung, weil sie die Drogengewalt nicht in den Griff kriegt, obwohl sie tausende Soldaten und Polizisten in die Hochburgen der Drogenmafia entsandt hat. Sicilia forderte zudem den Rücktritt von Sicherheitsminister Genaro Garcia Luna. Medienberichte deuten darauf hin, dass er in der organisierten Kriminalität verstrickt sein soll.

Der Dichter warf zudem der politischen Elite Mexikos Korruption und Verwicklung in die Drogenkriminalität vor: "Wir wollen hier klarmachen, dass wir keine Wahl mehr akzeptieren werden, wenn nicht zuvor die politischen Parteien ihre Reihen von denen säubern, die unter der Maske der Legalität in die Verbrechen verwickelt sind und den Staat gefesselt haben." Bereits zu Beginn des Marsches hatte Sicilia Präsident Felipe Calderón aufgefordert zu begreifen, dass die Kriminellen nicht nur außerhalb der Gesellschaft stünden, sondern längst auch in die Institutionen eingedrungen seien.

Über 35.000 Menschen starben durch Drogengewalt

Demonstranten mit weißen Luftballons (Foto: dapd)

Die Demonstranten forderten ein Ende der Gewalt und der Korruption in der Politik

Seit der Amtszeit Calderóns, seit Dezember 2006, sind fast 40.000 Menschen im Krieg der Drogenkartelle untereinander und mit den staatlichen Sicherheitskräften getötet worden. Offiziellen Angaben zufolge wurden bis zum Dezember 2010 insgesamt 34.600 Menschen getötet. Seit Jahresbeginn starben mehr als 3.000 weitere Menschen im mexikanischen Drogenkrieg. Calderón begann bei seinem Amtsantritt mit einer groß angelegten Offensive gegen die Drogenkartelle und erklärte der Drogenmafia den Krieg. Die Demonstranten kritisierten allerdings den Armeeeinsatz auf Mexikos Straßen. Für die Eskalation der Gewalt machen sie den Präsidenten verantwortlich: Er bekämpfe nicht die Ursache der Gewalt. Sie forderten, dass er die 50.000 Soldaten, die derzeit im Kampf gegen die Drogenhändler eingesetzt sind, zurückruft.

Auch der Dichter Sicilia forderte ein Ende des Armeeeinsatzes und stattdessen eine Neugründung der Institutionen Mexikos. Nicht die "verfehlte Militarisierung", sondern Bildung, Kultur und Arbeit würden Frieden schaffen, sagte er. Nur das entziehe den Drogenkartellen den Nährboden. Aufgeklärt werden die Verbrechen der Drogenmafia bislang selten. Mexikos Justiz löst im Durchschnitt zwei von 100 Fällen. Dabei begeht laut internationalen Beobachtern auch die Armee schwere Menschenrechtsverletzungen.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp, dapd, epd)

Redaktion: Marion Linnenbrink

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