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Welt

Schweden: Weltgrößtes Swing-Tanzcamp

Vor 25 Jahren luden ein paar schwedische Swingtänzer einen Lehrer aus New York ein, um ein paar neue Schritte zu lernen. Aus praktischen Gründen wurde der Workshop ins Örtchen Herräng verlegt. Heute eine Tanz-Kultstätte.

Teilnehmer aus aller Welt begegnen sich in Herräng

Teilnehmer aus aller Welt begegnen sich in Herräng

Drei Tänzerinnen, Quelle: Barbara Gruber

Es swingt in Schweden

Hundert Kilometer von der Hauptstadt entfernt trafen sich 1982 in Herräng die ersten Tanzwilligen - damals gerade mal 25 an der Zahl. Das Camp sollte eigentlich nur ein einziges Mal stattfinden, aber irgendwie ist aus dieser ersten Veranstaltung das weltgrößte Swingtanzcamp der Welt geworden. Jedes Jahr im Juli tanzen fünf Wochen lang mehrere tausend Gäste in Herräng: Swing und Lindy Hop, einen Afro-amerikanischen Partnertanz, der in den 20ern, 30ern und 40ern New York eroberte. Die Mischung aus Jazz, Step und Charleston macht's.

Ein Haufen verrückter Tanzfreaks

Bitte Ruhe-Schild vor einem Zelt, Quelle: Barbara Gruber

So mancher Kurs wird verschlafen

"Es ist unglaublich krass, es gibt haufenweise verrückte Leute, die nur das Tanzen im Kopf haben. Es ist eine ganz wunderbare Atmosphäre", sagt Isaac aus Berlin. Und Veith aus Freiburg ergänzt: "Man kommt sich vor wie einer anderen Welt, weil das hier wirklich ein Dorf ist, das wir fast besetzen. Überall lachen einen die Menschen an, man weiß ganz genau: das sind auch Verrückte, die Tanzen wollen. Abends sieht man sich dann auf der Tanzfläche - und die Energie explodiert."

Veith schildert einen typischen Tagesablauf: die erste Tanz-Klasse wird meistens verschlafen, weil man am Abend zu lange getanzt hat, dann aufstehen, frühstücken, Klassen besuchen. "Und Abends dann zu den Meetings gehen, wo der Tag noch mal besprochen wird - in einer sehr netten Form präsentiert von Lennart, einem der Camp Leader." Und dann wird getanzt, was das Zeug hält. In drei verschiedenen Räumen, manchmal bis morgens um acht.

Das Dorf lebt von den Tänzern

Herräng auf der Landkarte

Der Schwede Lennart Westerlund ist einer der Organisatoren beim Herräng Dance Camp. "Das Dorf hier ist ein altes Bergbaudorf: In den 60er Jahren haben sie die Zechen zugemacht und seitdem ist es vergessen, fast ausgestorben." Im Winter sei es hier sehr, sehr ruhig. "Ich denke, das Tanzcamp ist wichtig für das Dorf, denn es bringt Geld ein." Der kleine Laden im Dorf zum Beispiel - ohne das Camp hätte er wohl schon längst schließen müssen. Das erzählt zumindest die Eigentümerin: "Mein Mann und ich haben diesen Laden seit sechs Jahren. Wir überleben dank des Camps, denn es gibt hier im Dorf nicht sehr viele Einwohner - vielleicht sechshundert - und es ist nicht einfach, mit so wenig Menschen einen Lebensmittelladen zu führen." Aber im Sommer laufe das Geschäft so gut, dass der Rest des Jahres gesichert sei.

Immer mehr Tänzer aus anderen Ländern finden ihren Weg nach Herräng. "Dieses Jahr sind 41 Nationen vertreten - aus China, Südkorea, Argentinien, Brasilien... viele Länder, die sehr weit von Schweden entfernt sind", erzählt Lennart. "Vor acht Jahren gab es hier noch keinen einzigen russischen Tänzer, und heute ist es das am zweitbesten vertretene Land nach Schweden."

Der "Nelson Mandela" des Lindy Hops

Tanzkurs mit Frankie, Quelle: Barbara Gruber

Frankie Manning zeigt allen, wie der Lindy Hop wirklich geht

Einer der von weither Angereisten ist Frankie Manning aus New York. "Ich tanze schon seit 1927. Es war schon immer Teil meines Lebens. Meine Eltern tanzten, meine Freunde auch, damals hat man einfach gern getanzt. Überall, wo man hinging, war Musik und so hat man tanzen gelernt." Hier in Herräng unterrichtet der 93-Jährige mit viel Energie und Enthusiasmus die Jüngeren. "Unterricht bei Frankie zu haben ist eine Ehre und ein Privileg. Manche sagen, er ist der Nelson Mandela des Lindy Hop - er ist einfach eine unglaubliche Informationsquelle", sagt einer von ihnen.

Und Frankie selbst ist überzeugt, dass seine Reisen um die ganze Welt und nach Herräng Sinn machen: "Von Jahr zu Jahr kommen mehr Tänzer hierher. Ich denke das ist gut so, denn so sieht man, wie gut sich Menschen unterschiedlichster Herkunft und Länder verstehen können. Wenn alle Menschen auf der Welt tanzen würden, gäbe es keine Kriege. So seh' ich die Sache."

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