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Europa

Schweden sucht Atommülllager

Die schwedische Industrie will den strahlenden Müll in Kupferkapseln verpacken, doch einige Forscher halten das für nicht sicher und fordern weitere Forschungen.

Ein Atom-Zeichen und die Aufschrift 'convoi exceptionel' (Foto: AP)

Auch Schweden ist noch auf der Suche nach dem richtigen Lager für radioaktiven Müll

Was haben Kupfermünzen aus einem gesunkenen Schiff und Atommüll miteinander zu tun? Für den Wissenschaftler Peter Szakálos von der Königlich Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm eine ganze Menge. Die schwedische Industrie will ihren strahlenden Müll in Kupferkapseln einschließen und für immer in der Erde versenken. Dass das nicht sicher sei, zeigen für Szakálos die "Vasa" und ihr Schatz.

Kupfermünzen aus dem 17. Jahrhundert als Indiz

Eine Geldbörse mit rötlich-schimmernden Münzen (Foto: dpa)

Kupfermünzen als Beweis - reicht das aus?

Im August 1628 versank das Schiff auf seiner Jungfernfahrt und lag drei Jahrhunderte lang im Schlamm des Stockholmer Hafens. Als man es endlich fand und bergen konnte, lagen auf dem Meeresboden auch Kupfermünzen - deutlich angenagt vom Zahn der Zeit. Obwohl die Münzen im sauerstofffreien Sediment gelegen hätten, sei das Material stark angegriffen, sagt der Materialforscher Szakálos.

"Kupfer reagiert mit Chloriden und Sulfiden, aber auch mit dem Wassermolekül an sich. In unseren Studien können wir zeigen, dass die Korrosionsgeschwindigkeit 1000 oder gar 10.000 Mal höher ist, als in den theoretischen Modellrechnungen bislang angenommen wurde." Die Lagerung von Atommüll in Kupferkapseln wäre demnach nicht sicher.

Nach Ansicht der Forscher herrschten am Fundort der "Vasa" Bedingungen, wie man sie auch im geplanten Endlager für den schwedischen Atommüll vorfinden würde.

Die Kupferkorrosion ließe sich überdies durch Langzeitversuche im Labor sowie theoretische Berechnungen nachweisen. "Wenn man sich allein auf Kupfer verlassen wollte, dann müsste der Mantel der Kapsel einen Meter dick sein, um einen Zeitraum von 100.000 Jahren zu überstehen. Zumal die Korrosion in der ersten Phase wegen der hohen Temperaturen durch die Reststrahlung der Brennelemente noch zusätzlich befördert wird", erklärt er das Problem.

Neue Kraftwerke nur unter einer Bedingung

Jimmy Larsson, Sprecher der mit der Planung und Erforschung des Endlagers beauftragten privaten Atomfirma SKB, weist diese Kritik zurück. "Unseren Experten ist es bislang nicht gelungen, das Phänomen durch eigene Experimente zu bestätigen. Und selbst wenn die Vermutung zutreffen würde, liefe die Korrosion so langsam ab, dass sie die Sicherheit der Kapsel nicht beeinflussen würde", verteidigt er den Plan.

1977 verabschiedete die damalige schwedische Regierung ein Gesetz, wonach neue Kernkraftwerke nur dann gebaut werden dürfen, wenn die Industrie ein Konzept zur sicheren Endlagerung des Atommülls entwickelt. Die Atomfirma SKB, an der die Betreiber E.ON und Vattenfall beteiligt sind, wurde damit betreut. Der Bau des Depots wird durch einen staatlich verwalteten Rücklagenfonds finanziert. Für jede Kilowattstunde Atomstrom zahlen die Betreiber eine schwedische Öre ein.

Forderung: mehr Forschung

Aus dem Fonds werden auch Forschungsprojekte finanziert, die SKB in Auftrag gibt. Für Forscher wie Peter Szakálos, der sich vergeblich um Fördermittel für seine Studien bemühte, ein Skandal: "Der Antrag auf Baugenehmigung für das Endlager kommt zu früh. Der Fehler war, dass man sich überhaupt keine Alternativen angeschaut hat. Wir brauchen dringend mehr Forschung in diesem Bereich", sagt er.

Eine frühere Studie der Forscher zur vermuteten Kupferkorrosion hatten Experten der schwedischen Atomaufsicht als fehlerhaft und unvollständig bezeichnet. Die Aufsichtsbehörde mahnte damals gleichwohl weitere unabhängige Untersuchungen an. Alarmiert durch den Forscherstreit zeigen sich nun auch Experten des schwedischen Umweltministeriums. Für den 16. November haben sie ein internationales Hearing anberaumt.


Autor: Alexander Budde
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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