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Politik

Schweden soll Zeitungsartikel verurteilen

Israels Ministerpräsident Netanjahu hat von der schwedischen Regierung die "Verurteilung" eines Zeitungsberichts gefordert. Darin wird der israelischen Armee vorgeworfen, Organe getöteter Palästinenser verkauft zu haben.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Foto: AP)

Netanjahu bei der Kabinettssitzung am Sonntag

Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe am Sonntag (23.08.2009) im Kabinett gesagt: "Wir erwarten keine Entschuldigungen von der schwedischen Regierung, wir wollen eine Verurteilung von ihr."

Damit spitzt sich der Streit zwischen Israel und Schweden über den bereits vor einer Woche im Boulevardblatt "Aftonbladet" erschienenen Artikel weiter zu. Darin hatte die Zeitung die israelische Armee beschuldigt, Organe von getöteten Palästinensern verkauft zu haben. Beweise wurden dabei allerdings nicht vorgelegt

Vergleich mit Mittelalter

Israels Finanzminister Juval Steinitz sagte, die Krise werde andauern, solange die schwedische Regierung nicht ihre Haltung zu dem "antisemitischen" Artikel ändere. Schwedens Außenminister Carl Bildt hatte schon zuvor eine offizielle Verurteilung des Berichts unter Verweis auf die Meinungsfreiheit abgelehnt, Die schwedische Botschafterin in Israel hatte den Text hingegen kritisiert.

Steinitz zog einen Vergleich zur Anfeindung von Juden im Mittelalter: Damals habe man die Religionsgemeinschaft beschuldigt, ihr ungesäuertes Pessach-Brot mit dem Blut christlicher Kinder bereitet zu haben. Heute würde den Soldaten der israelischen Armee der Vorwurf gemacht, Palästinenser wegen ihrer Organe zu töten.

"Meinungsfreiheit ist Vorwand für Antisemitismus"

Schwedens Außenminister Carl Bildt (Foto: AP)

Tritt für die Meinungsfreiheit ein: Schwedens Außenminister Carl Bildt

Am Samstag hatte das israelische Außenministerium erklärt, Israel habe das Gefühl, dass die Regierung in Stockholm die Meinungsfreiheit als "bequemen Vorwand" nehme, um nicht den in dem Artikel zum Ausdruck kommenden Antisemitismus verurteilen zu müssen. Schweden müsse in diesem Fall klar Stellung beziehen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Ein in Bälde geplanter Besuch des schwedischen Außenministers Bildt in Israel soll wegen der Unstimmigkeiten weder abgesagt noch verschoben werden. Der Streitpunkt werfe aber, falls er bis dahin nicht "geklärt" werden sollte, einen "beunruhigenden Schatten" auf die Gespräche, hieß es aus dem Außenministerium. Bildt sagte inzwischen dem "Aftonbladet", er sei "nicht sicher", ob der Besuch stattfinden werde.

Die Zeitung kam in ihrer Sonntagsausgabe auf die gegen die israelische Armee erhobenen Vorwürfe zurück. Der Artikel enthält zwar erneut keine Beweise, es kommen aber Angehörige eines 1992 getöteten Palästinensers zu Wort, die die Beschuldigungen präzisieren. Demnach sollen seinerzeit Organe des 19-jährigen Bilal Achmad Ghanem von israelischen Soldaten entnommen worden sein.

Aufruf zu Ikea-Boykott

Der erste, bereits am vergangenen Montag erschienene Bericht hatte eine Verbindung zwischen den gemachten Vorwürfen und der Festnahme eines Rabbiners in den USA wegen Organhandels nahegelegt. Ihm wird zur Last gelegt, er habe eine Niere von einem Israeli kaufen und für 160.000 Dollar (110.000 Euro) an einen amerikanischen Patienten verkaufen wollen. Der Artikel hatte in Israel für Empörung gesorgt.

Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete derweil, eine Unterschriftensammlung für einen Boykott des schwedischen Möbelhauses Ikea sei bereits von Hunderten Israelis unterzeichnet worden. Entsprechende Aufrufe gab es auch im Internet. Ikea erklärte dazu, das Unternehmen sei kommerziell und nicht politisch ausgerichtet. (gri/wl/afp/ap)

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