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Europa

Schweden nach den Brandanschlägen auf Moscheen

Drei Brandanschläge auf Moscheen in acht Tagen - Schweden ist schockiert über die wachsende Fremdenfeindlichkeit. Aber ist sie tatsächlich größer geworden - oder vielleicht nur sichtbarer?

Am Eingang der Moschee in Uppsala hängen rote Herzen aus Papier. Vor der Tür stehen hunderte Demonstranten. Sie alle rufen "Rör inte min Moské!" - rühr ja nicht meine Moschee an! 30 verschiedene Bürgerrechtsgruppen haben in Schweden zu Protesten aufgerufen - zum Schutz der Moscheen im Land und gegen die mutmaßlichen Brandstifter, von denen so ziemlich alle vermuten, dass sie wohl aus der gewaltbereiten Szene der schwedischen Neonazis stammen.

Gleich drei Brandanschläge in nur acht Tagen, fremdenfeindliche Parolen an der Eingangstür: Das könne kein Zufall sein, meint auch Schwedens Zivilminister Ardalan Shekarabi: "Das ist jetzt eine Angelegenheit der Polizei. Aber wir sehen doch ganz deutlich eine Welle der islamfeindlichen Propaganda. Da müssen wir ebenso deutlich Stellung beziehen." Jeder in Schweden solle sich sicher fühlen.

Mobilisierung der Neonazi-Szene

Moslems in Schweden fühlen sich keineswegs mehr überall sicher. Am Neujahrstag schmiss ein bislang unbekannter Täter einen Brandsatz auf die Moschee in Uppsala. Vier Tage zuvor legte jemand ein Feuer in einem Gebetsraum in Eslöv. Am ersten Weihnachtstag quoll dichter Rauch aus der Moschee in Eskilstuna. 70 Menschen waren in Gefahr, fünf von ihnen kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Der Staatsschutz ermittelt.

Daniel Poohl, der Herausgeber des jährlichen EXPO-Berichtes über rechte Gewalttaten in Schweden, hat alleine im vergangenen Jahr mehr als ein Dutzend solcher Anschläge gezählt. Der Bericht für dieses Jahr zeige, dass die Neonazi-Gruppierungen aktiver sind als je zuvor, so Poohl. " Daraus können wir nur eine Schlussfolgerung ziehen: Es ist die größte Mobilisierung in der schwedischen Neonazi-Szene seit dem Zweiten Weltkrieg."

Weniger, aber aktivere Organisationen

Das klingt erschreckend. Aber Poohl weiß, wovon er redet. Einmal im Jahr trägt der Journalist alle Zahlen und Aktivitäten aus dem rechtsextremen Milieu in Schweden zusammen. Während im Parlament die Rechtsaußenpartei der sogenannten "Schwedendemokraten" den Biedermann gebe, meint Poohl, seien die Brandstifter im Land viel mutiger geworden. Schwedens Neonazis seien immer schwerer zu berechnen. "Wir haben heute weniger Organisationen. Die sind dafür aber deutlich aktiver." Das Risiko für die Gesellschaft bestehe vor allem darin, dass auch die Gewalt zunehmen könnte.

Feuerwehr vor Moschee (Foto: Reuters/Pontus Stenberg/TT News Agency)

Anschlag auf Moschee in Eskiltuna am 1. Weihnachtstag

Fremdenfeindlichkeit wird sichtbarer

So langsam mache sich Angst breit, bestätigt auch der Sprecher der Islamischen Vereinigung in Schweden, Mohammed Charraki. Nicht alles, räumt er ein, sei schlimmer geworden, nur eben sichtbarer als früher. Tatsächlich haben soziologische Langzeitstudien in Schweden gezeigt, dass die Fremdenfeindlichkeit im Land insgesamt keineswegs gewachsen ist. Die Gewalt von Rechts kommt demnach von eher kleinen, dafür umso radikaleren Gruppen.

Ardalan Shekarabi, der Minister aus Stockholm, zeigt auf die vielen Herzen und Solidaritätsgrüße an der Moscheetür in Uppsala. Das, meint der Minister, sei die richtige Antwort. Religionsfreiheit sei ein so wichtiger Teil in unserer Gesellschaft. Das wüssten die Bürger und "deshalb gibt es auch diese große Solidarität und Unterstützung".

"Rühr ja nicht meine Moschee an!" - fordern die Demonstranten. Schwedens Polizei will jetzt landesweit ihre Einsätze zum Schutz der Moscheen verstärken. Von den Brandstiftern allerdings fehlt immer noch jede Spur.