1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Schwarz-Gelb dominiert in London

Bis zu 80.000 deutsche Fans werden heute beim Champions-League-Finale in London live dabei sein. Schon am Freitagabend bevölkerten vor allem Borussia-Anhänger die Straßen und Plätze der Stadt.

Verbrüderungsszenen in einem Londoner Pub. (Foto: Tobias Oelmaier, DW)

Verbrüderungsszenen in einem Londoner Pub.

Der Himmel ist schon dunkel über dem Piccadilly Circus in London an diesem Freitagabend. Aber nur der Himmel. Ansonsten strahlt die Stadt, sie glitzert und sie pulsiert. Tausende strömen aufgeregt diskutierend durch die Straßen. Kaum einer bleibt irgendwo stehen. Zumindest die Londoner nicht. Immer busy, immer geschäftig, nur nichts verpassen.

Da fallen die beiden Männer in ihren Lederhosen und den Trikots des FC Bayern richtig auf, die scheinbar unmotiviert am Straßenrand stehen. Ob sie den Weg nicht kennen, ihr Hotel nicht finden? Dann werden die beiden von einem schmalen, kleinen Kerlchen angesprochen: "Need Tickets", braucht ihr Karten, fragt er. "Yes", antwortet der eine Bayern-Fan zögerlich, "how much“, wie viel? "1000“, antwortet der Schwarzmarkthändler, die Währung bleibt offen. Die Bayern schütteln den Kopf.

Florierender Schwarzmarkt

1000 Euro für eine Eintrittskarte zum Champions-League-Endspiel wären bei den einschlägigen Online-Portalen sogar ein Schnäppchen gewesen. Gleich nachdem festgestanden hatte, dass Dortmund und Bayern das Finale bestreiten, war kaum noch ein Ticket unter 2000 Euro zu haben – in der billigsten Kategorie, teils mit Sichtbehinderung. Wer nahe dran sein möchte, wer Kategorie eins wollte, der musste schon bis zu 4000 Euro hinblättern. Und das, zumindest beim großen Auktionsportal Ebay, immer mit dem Risiko, einem Betrüger auf den Leim zu gehen. Von denen tummeln sich etliche im Netz.

Die einen boten Karten für das Champions-League-Finale in London mit deutscher Beteiligung an, um dann irgendwo im Kleingedruckten zu schreiben, dass es sich um das Damen-Endspiel zwei Tage zuvor handelt. Oder es wurden Karten für verschiedene Public-Viewings mit dem Champions-League-Logo angeboten. Andere Kriminelle hatten gar keine Karten, hackten sich in fremde Konten oder boten Fälschungen an. Dann also lieber Cash gegen Karte, wie am Piccadilly Circus. Die meisten, die hierher gekommen sind, haben sowieso schon vorgesorgt. An jeder Ecke, in vielen Kneipen sind die Fans der Borussia zu sehen. Alle friedlich, wie auch die wenigen Bayern-Anhänger.

Krankfeiern, um mit der Borussia zu feiern

Auch auf der Fähre ist alles schwarz-gelb: Dortmunder Fans im Fährhafen von Calais vor der Überfahrt nach Dover. (Foto: Tobias Oelmaier, DW)

Dortmund-Anhänger auf der Fähre nach Großbritannien.

In einem Pub im Londoner China Town sitzt Mike. Er ist passionierter Dortmund-Anhänger, das ist nicht zu übersehen. Mike dürfte Mitte 40 sein. "Klar hab ich ´ne Karte", sagt er im Ruhrpottdialekt. 1200 Euro habe er dafür bezahlt. "Über den regulären Verkauf ging ja nix." 500.000 Anfragen für 24.000 Tickets allein bei der Borussia – also dann doch Zweitmarkt. "Aber dat is´ mir die Borussia wert", schmettert Mike im tiefsten Brustton der Überzeugung. „Dat Problem war nur dat mit der Arbeit".

Denn die Reise nach London nur übers Wochenende war so kurzfristig, wenn überhaupt noch buchbar, schier nicht zu bezahlen. Zumal für einen, der gerade 1200 Euro für eine Karte ausgegeben hat. Blieb also nur die Fahrt zusammen mit seinen Kumpels im Auto. Am frühen Freitagmorgen waren sie losgefahren in der Nähe von Dortmund. Urlaub konnte Mike so kurzfristig nicht mehr nehmen im Installateursbetrieb, "da hab ich mir ´nen gelben Schein geholt." Eine Krankschreibung, den Job riskieren für die Borussia.

Fans in der Warteschleife

Aber es lohnt sich, da sind sich die Schwarz-Gelben einig. "Wir sind die Favoriten, denn wir müssen nicht gewinnen wie die Bayern, wir haben schon alles erreicht. Die haben den Druck", ist sich Bernd, ein anderer Dortmund-Fan, sicher. Die Borussia hat ganz klar das Oberwasser in London. Bayern-Fans sind nur vereinzelt unterwegs.

Viele von ihnen werden wohl kurzfristig mit dem Flieger anreisen. Arno aus der Nähe von München musste den halben Tag am Flughafen von Luton auf sein Gepäck warten, weil der Flieger mit dem ganzen 50-Mann-Fanclub in Heathrow nicht landen konnte. Eine Notlandung einer anderen Maschine am Morgen hatte Europas größten Airport für Stunden lahmgelegt. "Schade, aber dann machen wir halt ein verkürztes Kulturprogramm", sagt Arno. Aber für den Buckingham-Palast und die Tower Bridge ist ohnehin keiner der geschätzt bis zu 80.000 Deutschen nach London gekommen. Für sie, ob Bayern oder Borussen, ist an diesem Wochenende das Wembley-Stadion die Hauptattraktion der Stadt.