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Afrika

Schwarz gegen Weiß? - Zwist in Südafrika

Der Mord an Eugene Terre’Blanche hat die Angst vor Rassenhass in Südafrika ausgelöst. 16 Jahre nach der Apartheid sind die Barrieren zwischen den Menschen verschiedener Hautfarben noch immer nicht eingerissen.

AWB-Chef Eugene Terre'Blanche, Mitte, begleitet von zwei Bodyguards in Johannesburg (Archivfoto: AP)

Führt sein Tod zu Unruhen? Eugene Terre'Blanche (Archivfoto)

"Ich habe gegen die weiße Vorherrschaft gekämpft", ruft Nelson Mandela den jubelnden Massen nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis 1994 zu. Und er fügt hinzu: "Ich habe gegen die schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich habe den Traum einer demokratischen und freien Gesellschaft gelebt, in der alle gemeinsam in Harmonie leben können." Der spätere Präsident Südafrikas hatte eine Vision. Nach 27 Jahren im Gefängnis und jahrzehntelanger Unterdrückung wollte er die Rassentrennung endgültig beenden, auch in den Köpfen der Menschen.

Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela (Foto: AP)

Kann seine Vision Wirklichkeit werden? Nelson Mandela

Jahrzehntelanger Kampf

Seine Vision konnte er bis heute nicht verwirklichen, wie der Direktor des südafrikanischen Instituts für Gerechtigkeit und Versöhnung in Kapstadt, Fanie du Toit, weiß: "Wir hatten gedacht, dass die Kraft des Versöhnungsprozesses, die zu diesem Zeitpunkt besonders stark war, die Apartheid in einer relativ kurzen Zeit überwinden könnte. Aber jetzt sehen wir, dass es ein Kampf ist, für den wir ein paar Jahrzehnte kämpfen müssen."

Fanie du Toit muss es wissen. Sein Institut hat letztes Jahr eine Umfrage veröffentlicht. Danach trauen vier von zehn Südafrikanern Menschen einer anderen Hautfarbe nicht. Fast die Hälfte der Südafrikaner haben danach keine echten sozialen Beziehungen mit Andersfarbigen. Viele Menschen lebten auch nach der Apartheid im selben Umfeld wie zuvor, so du Toit weiter. Es gebe ganze Stadtviertel nur für Schwarze und Stadtviertel für Weiße. Und die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede hätten sich sogar verschlimmert. Ein weißer Südafrikaner verdient heute im Schnitt mehr als sieben Mal so viel wie ein Schwarzer.

Sündenbock gesucht

Schwarze und weiße Schulkinder in Johannesburg (Foto: dpa)

Sind die Folgen der Apartheid noch heute spürbar?

Armut und Ungleichheit führen zu Konflikten – das nutzen einige Politiker aus. So provoziert der Führer der Jugendorganisation der Regierungspartei ANC, Julius Malema, immer wieder, singt öffentlich alte Lieder, die zum Töten der Buren aufrufen. Für Moeletsi Mbeki nur ein Versuch, von den wesentlichen Themen abzulenken. Moeletsi Mbeki ist der Bruder des ehemaligen Präsidenten Thabo Mbeki und leitet das Südafrikanische Institut für Internationale Angelegenheiten. Die Partei habe die wirtschaftlichen Versprechen nicht erfüllen könne, die sie die vergangenen 16 Jahre gepredigt habe, so Mbeki weiter. "Darum sucht der ANC nach Sündenböcken, um sie für das eigene Unvermögen verantwortlich zu machen. Und einer der Sündenböcke ist offensichtlich: Die Weißen werden für das Versagen der eigenen Wirtschaftspolitik verantwortlich gemacht."

Maulkorb für Julius Malema

Dabei war es Moeletsis Bruder Thabo Mbeki, der 1998 ähnliche Töne anstimmte. Vor dem Parlament sprach er von zwei Nationen, in die Südafrika gespalten sei: einer reichen weißen und einer armen schwarzen. Dafür wurde Mbeki schon damals scharf kritisiert. Dabei sehen einige Südafrikaner Anzeichen, dass die Gräben zwischen Schwarz und Weiß langsam kleiner werden. Zum Beispiel Christopher Till, Chef des Apartheid Museums in Johannesburg. In seiner Schule, berichtet er, sehe man den Fortschritt der Integration mittlerweile sehr gut. "Wir freuen uns immer wieder, Schulkinder zu sehen, die als Gleichberechtigte und Freunde ins Apartheid Museum kommen. Die sind komplett in ihre Umgebung integriert. Es sind ihre Eltern, die noch in einem ganz anderen Umfeld aufgewachsen sind."

Unterstützer des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) mit bunten Plakaten im letzten Wahlkampf (Foto: dpa)

Welche Rolle spielt der ANC auf dem Weg zur Einheit in Südafrika?

Ohne Zweifel: Südafrika öffnet sich, wenngleich auch langsam. Und damit Extremisten sich nicht weiter durchsetzen können, greift die Politik inzwischen härter durch. So rief Präsident Zuma nur wenige Stunden nach dem Mord an dem Rechtsextremisten Terre’Blanche die Südafrikaner zur Ruhe auf. Man dürfe die Tat nicht benutzen, um Rassenhass anzustacheln, sagte der Präsident. Die Mörder sollen bereits nächste Woche verurteilt werden. Und auch Julius Malema von der Jugendorganisation des ANC hat von seiner Partei einen Maulkorb bekommen. Er darf keine rassistischen Lieder mehr singen. Aber das sind nur kleine Schritte auf einem weiten Weg zur echten Regenbogennation.

Autor: Adrian Kriech

Redaktion: Stephanie Gebert

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