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Wirtschaft

Schwacher Euro birgt Gefahren

Der Euro steuert scheinbar unaufhaltsam auf die Dollarparität zu. Das mindert die Deflationsgefahren und erleichtert den Exporteuren das Geschäft. Doch Experten warnen vor einem Währungskrieg.

Bald ist es wieder mal so weit: Zum dritten Mal in seiner noch jungen Geschichte wird der Euro die Dollar-Parität erreichen. Seit der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ab März die Notenpresse anzuwerfen und jeden Monat 60 Milliarden Euro auf den Markt zu bringen, hat der Euro seine Talfahrt beschleunigt. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man für einen Euro nur noch einen Dollar oder gar noch weniger bekommt.

Der schwache Euro ist doch hochwillkommen, könnte man jetzt argumentieren, denn er macht die Produkte der europäischen Exporteure auf dem Weltmarkt billiger und damit insgesamt wettbewerbsfähiger. Mit der Abwertung des Euro kann man sich zudem ein wenig Inflation importieren und Deflationsgefahren in Schach halten. Wenn aber eines der wichtigsten Importprodukte, nämlich Erdöl, auch billiger wird, hält sich dieser Effekt in Grenzen. Außerdem hat die EZB überhaupt kein Mandat, mittels Wechselkurspolitik europäische Exportförderung zu betreiben.

Das findet auch Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA: "EZB-Chef Mario Draghi sagt, die Italiener und Spanier können nicht mehr exportieren, weil der Euro so stark ist, also mache ich den Euro billig. Aber damit werden auch deutschen Produkte billiger. Glauben Sie, dass jemand einen Fiat, einen Peugeot oder einen Citroën kauft, wenn er das deutsche Auto auch 20 Prozent billiger haben kann?"

Am Anfang fehlte die Nachfrage

Angefangen hatte die Karriere des Euro als so genanntes Buchgeld oder Giralgeld am 4. Januar 1999 bei 1, 1747 Dollar. Zu diesem Preis wurde er in Sydney gehandelt, der ersten großen Börse, die nach dem Jahreswechsel mit dem Handel begann. Doch weil diese Währung bis zur Einführung des Bargeldes im Jahr 2002 erst einmal eine virtuelle Währung war, fehlte die Nachfrage der Anleger und Investoren, sodass der Euro am 27. Januar 2000 erstmals unter die Dollar-Parität rutschte.

Es sollte noch schlimmer kommen: Im Oktober 2000 bekam man für einen Euro nur noch rund 82 US-Cent, und es wurden Befürchtungen laut, der schwache Euro könne die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit der reibungslosen Einführung des Euro-Bargeldes im Januar 2002 aber wendete sich das Blatt, am 15. Juli reichte es wieder zur Dollar-Parität, und im Juli 2008 erreichte die Gemeinschaftswährung mit 1, 6038 Dollar ihr vorläufiges Rekordhoch.

Der Yellen-Effekt

Doch seitdem geht es bergab, und Halt findet der Euro derzeit nirgendwo, im Gegenteil: Mit ihrer Geldpolitik drückt auch die US-Notenbank zusätzlich auf den Euro-Kurs. Kommende Woche könnten in Washington die US-Zentralbanker um Fed-Chefin Janet Yellen die erste Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise vorbereiten. Die meisten Experten rechnen für den Sommer mit der Zinswende in den USA und gehen davon aus, dass der Dollar schon vorher weiter steigt.

Blessuren musste und muss die Gemeinschaftswährung vor allem wegen der Krise der Euro-Zone hinnehmen. Besonders der Dauerstreit zwischen dem finanziell schwer angeschlagenen Griechenland und seinen Geldgebern im Rest der Währungsunion belastet das Vertrauen vieler Investoren. Und ein schwacher Euro schadet gerade dem kriselnden Süden der Eurozone, warnt Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. "Importgüter werden teurer. Und gerade Volkswirtschaften wie Griechenland, die kaum eine eigene Industriebasis haben, müssen dann tatsächlich den Gürtel enger schnallen, weil insgesamt die Kaufkraft, die sie noch haben, dann nochmals gemindert wird", so Kooths zur DW.

Deutschland andererseits profitiert von der Talfahrt der Währung: Für den Export-Vizeweltmeister wirkt ein schwächerer Euro wie ein Konjunkturprogramm. Multinationale Konzerne, die den Großteil ihrer Geschäfte im Ausland machen, können die in Stuttgart, München, Essen oder Wolfsburg gefertigten Produkte im Ausland deutlich günstiger verkaufen. Euro-Ländern ohne großes Auslandsgeschäft wie Spanien, Portugal und Griechenland nutzt das hingegen wenig. Die Konjunkturentwicklungen in der Euro-Zone könnten also weiter auseinanderklaffen.

Warnung vor einem Abwertungswettlauf

Zudem warnt IfW-Experte Stefan Kooths vor einem möglichem Abwertungswettlauf: "In dem Moment, wo auch das Ausland auf die Idee kommt, seinerseits die eigene Währung schwächen zu wollen, könnten wir in einen Abwertungswettlauf hineingeraten, und das wäre wirklich das Letzte, was die Weltwirtschaft gebrauchen kann, denn dann haben wir ein globales ökonomisches Chaos."

Wechselkurspolitik kann keine Strukturreformen ersetzen, findet auch BGA-Präsident Anton Börner. Das Problem sei die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Krisenländer. Auf der anderen Seite laste die EZB der Weltgemeinschaft neue Probleme auf. "Die EZB hat hier eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Währungskrieges lauert. Dieser Schritt zerstört das notwendige weltweite Vertrauen in eine stabile Währung und gefährdet den Zusammenhalt Europas."

Und auch Stefan Kooths warnt davor, in einer Abwertung nur einen willkommenen Stimulus für die Konjunktur zu sehen. "Für die Konjunktur mag es hier und da kurzfristig stimulierende Effekte haben. Langfristig ist eine schwache Währung, eine Weichwährung aber das Gegenteil dessen, was Wachstum und Wohlstand schaffen kann."