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Wirtschaft

Schwache Erholung, drückende Probleme

Nach zwei Jahren der Rezession wird die Wirtschaft in der Eurozone in diesem Jahr wieder etwas wachsen. Weltweit bleibt das Wachstum aber hinter den Erwartungen der OECD zurück.

Um 3,4 Prozent werde die weltweite Wirtschaftsleistung in diesem Jahr zulegen, so die Industrieländer-Organisation OECD in ihrem aktuellen

Ausblick

. Noch vor einem halben Jahr hatten die OECD-Experten mit einem Plus von 3,6 Prozent gerechnet. Hauptgrund für die Korrektur nach unten ist das schwächere Wachstum in den Schwellenländern, allen voran China.

Für China erwartet die OECD in diesem Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht sei das "zweifellos nachhaltiger" als die jährlich zweistelligen Wachstumsraten zwischen 2001 und 2010, so der Bericht. Allerdings könnten sich die Risiken, die sich während der Boomzeit in Chinas Finanzsystem angesammelt haben, noch als "große Herausforderung" erweisen. Diesen Risiken und den Ansteckungsgefahren für die Weltwirtschaft widmet der Bericht gleich mehrere Seiten.

Das Wachstum in den anderen großen Schwellenländern ist ebenfalls nicht geeignet, um der Weltwirtschaft starke Impulse zu geben. Für Brasilien erwartet die OECD ein abgeschwächtes Wachstum von 1,8 Prozent. Für Russland sind es sogar nur 0,5 Prozent, nicht zuletzt wegen der "höheren Unsicherheit" seit der Krim-Krise. Allenfalls Indien kann mit einem Plus von 5,4 Prozent in diesem Jahr ein stärkeres Wachstum vorweisen als 2013, so die Prognose.

Eurozone beendet Rezession

Relativ stark ist dagegen die wirtschaftliche Erholung in den USA, deren Volkswirtschaft fast doppelt so groß ist wie die Chinas. Hier soll die Wirtschaft in diesem Jahr um 2,6 Prozent, im Jahr darauf sogar um 3,5 Prozent wachsen, so der Bericht. Auch für die Eurozone ist die OECD relativ optimistisch. Erstmals seit drei Jahren wird die Wirtschaft in der Währungsunion wieder leicht wachsen, die OECD rechnet mit einem Plus von 1,2 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr.

OECD-Gebäude in Paris

Zentrale der OECD in Paris

"Ich glaube, die Eurozone hat die größten Schwierigkeiten überwunden", so Christian Kastrop, Direktor für wirtschaftspolitische Studien der OECD, gegenüber DW. Das sei den Strukturreformen und der Fiskalpolitik der Euroländer sowie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu verdanken. "Zusammengenommen hat das geholfen, dass die europäischen Volkswirtschaften - auch in den schwierigen Ländern - wieder die richtige Entwicklung nehmen", so Kastrop.

Griechenland weiter im Minus

Italien, Spanien und Portugal - alles Länder, wo die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr geschrumpft ist, können sich laut OECD-Prognose in diesem Jahr über ein leichtes Wachstum von bis zu 1,1 Prozent freuen. In Griechenland wird die Wirtschaftskraft dagegen auch in diesem Jahr zurückgehen. Allerdings ist das Minus mit 0,3 Prozent relativ klein, ab 2015 soll die Wirtschaft dann auch hier wieder wachsen, so die Schätzungen.

Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Eurozone, erwartet die OECD ein Anziehen der Konjunktur von Plus 0,5 Prozent im vergangenen Jahr auf 1,9 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im nächsten Jahr. In Frankreich verläuft die Entwicklung mit Plus 0,9 bzw. 1,5 Prozent etwas schwächer. In Großbritannien, das nicht Mitglied der Eurozone ist, wird die Wirtschaft laut Prognose in diesem Jahr um 3,2 Prozent wachsen.

Die hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone bleibt auf absehbare Zeit ein großes Problem. Die OECD-Volkswirte rechnen nur mit einem sehr leichten Rückgang von derzeit 11,9 Prozent auf 11,7 Prozent in diesem und 11,4 Prozent im nächsten Jahr. "Die Arbeitslosigkeit wird Europa noch für einige Zeit verfolgen", sagt Kastrop. "Wir sehen das mit großer Sorge."

Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 5,3 Prozent ist Deutschland von diesem Problem weniger betroffen als andere Euroländer. Die OECD erwartet, dass die Quote in Deutschland bis 2015 auf unter fünf Prozent sinkt.

Mehr ausgeben, mehr sparen?

Die Autoren des Berichts fordern die deutsche Bundesregierung auf, das Wirtschaftswachstum stärker zu fördern. "Insbesondere für Infrastrukturinvestitionen und Einrichtungen zur Ganztagsbetreuung" müsse mehr Geld ausgegeben werden. Sozial Schwächere müssten zudem bessere Bildungs- und damit Aufstiegschancen bekommen, der Dienstleistungssektor solle stärker liberalisiert werden, so der Bericht.

Allerdings dürften die Länder der Eurozone ihre hohe

Verschuldung

nicht aus den Augen verlieren, sagt OECD-Studiendirektor Christian Kastrop. "Die Krise hat gezeigt: Je höher die Staatsverschuldung ist, desto höher ist die Verletzlichkeit der jeweiligen Länder."

Eigentlich dürfen die Schulden eines Eurolandes nicht größer sein als 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Realität sieht freilich anders aus: Im Durchschnitt ist jedes Euroland derzeit laut EU-Statistik mit mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, nach OECD-Zahlen sogar mit mehr als 100 Prozent.

Es sei daher wichtig, dass sich die Euroländer bemühen, den ursprünglichen Höchstwert von 60 Prozent zu erreichen, so Kastrop. "Das ist ein klares Signal an die Märkte, dass man es wirklich ernst meint mit der fiskalischen Konsolidierung."

Kein Ende der Reformen

Allerdings ist Verschuldung kein reines Eurozonen-Problem. Nur einem Drittel der 34 OECD-Mitglieder ist es seit der Krise gelungen, die Schulden unterhalb der Marke von 60 Prozent zu halten.

Die OECD-Experten empfehlen den Regierungen daher, ihr Tempo bei den Strukturreformen zu erhöhen. Dadurch könnten "viele der Ärmsten einen höheren Lebensstandard erreichen", heißt es in dem Bericht. Ziel der Organisation ist ein stärkerer Wettbewerb, "sowohl innerhalb eines Landes als auch international". Das würde "die Innovation erhöhen und zu maximalen Erträgen der globalen Wertschöpfungskette" beitragen. Ob davon wirklich "die Ärmsten" profitieren, wird sich zeigen.

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