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Welt

Schutzabkommen für Textilarbeiter in Bangladesch

Ein neues Brand- und Gebäudeschutzabkommen in Bangladesch soll verhindern, dass sich die Katastrophe vom Rana-Plaza-Hochhaus wiederholt. Große Unternehmen haben unterzeichnet.

Der Preis für ein Billig-T-Shirt kann sehr hoch sein. Weltweit freuen sich Verbraucher über die Sonderangebote in den Läden. Doch durch die Katastrophe im Rana-Plaza nahe der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch Ende April wurde der wahre Preis unserer Kleidung zum Thema in den globalen Medien.

Mehr als Tausend Menschen starben in den Trümmern, als ein teilweise illegal errichtetes Fabrikgebäude zusammenbrach. Brandschutz und Gebäudesicherheit zählen meist nicht zu den vorrangigen Investitionen der Fabrikbesitzer, die in einem harten Preiskampf um die globalen Auftraggeber stehen.

Schutzabkommen unterzeichnet

Das soll sich ändern. Drei Tage nach der Katastrophe im Rana-Plaza ging eine Petition um die Welt mit der Aufforderung an die Textilkonzerne, bis zum 15. Mai einem Brand- und Gebäudeschutz-Abkommen beizutreten. Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Verbrauchernetzwerke schlossen sich in einer Aktion zusammen. Und sie hatten Erfolg, berichtet Frauke Banse von der deutschen Kampagne für Saubere Kleidung:

Frauke Banse, Aktionskoordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung.

"Hoher Preis für ein Abkommen": Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung

"Wir sind sehr froh darüber, dass H&M, C&A und Inditex, die die Marke Zara betreiben, zugesagt haben, das Abkommen zu unterzeichnen. Sie sind sehr große Abnehmer von Textilien aus Bangladesch und es wird einen großen Unterschied machen, dass diese drei Unternehmen dabei sind."

Der Preis für das Abkommen, so Frauke Banse im Interview mit der Deutschen Welle, war allerdings sehr hoch. "Tausend Menschen sind gestorben, bis dieses Abkommen unterzeichnet wurde. Das ist leider die traurige Bilanz."

Der öffentliche Druck

Auch GermanFashion, der Verband der deutschen Modeindustrie, begrüßt, dass die Global Player der Branche nun das verbindliche Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch unterzeichnet haben. "Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt, ein Entwicklungsland mit sehr rückständigen und teilweise chaotisch erstellten Bauten. Jede Hilfe kann man nur begrüßen", sagt Geschäftsführer Thomas Rasch im DW-Interview.

Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer GermanFashion - Modeverband Deutschland eV

"Langsam wächst ein Bewusstsein": Thomas Rasch vom Verband der deutschen Modeindustrie

Er sieht eine langsame Bewusstseinsänderung in der Branche und bei den Verbrauchern. "Je mehr sich das Bild in der Öffentlichkeit verdichtet, dass die Arbeitsbedingungen dort nicht nur im Einzelfall, sondern offenbar sehr viel häufiger erbarmungswürdig sind, in dem Maße wächst auch das Bewusstsein", meint Rasch. Allerdings sei es ein langwieriger Prozess. "Es sind kleine Schritte. Und man kann nicht Verhältnisse, die über Jahrzehnte gewachsen sind, von heute auf morgen ändern", so der Geschäftsführer von GermanFashion.

Gegen Boykott

Vor allem sei die Brandschutz- und Sicherheitskontrolle eine staatliche Aufgabe, bemängelt Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung. "Das klappt in Bangladesch nicht und deswegen gibt es jetzt dieses Abkommen", sagt sie. Aber weder könne das  Abkommen staatliche Maßnahmen ersetzen, noch solle es das tun.

Auch wenn die Empörung über die Katastrophe groß ist, warnt Banse vor einem Verbraucher-Boykott von Kleidung aus Bangladesch. Denn ein Boykott würde nur Arbeitsplätze und damit die Lebensgrundlage der Textilarbeiter vernichten. Frauke Banse hofft stattdessen auf eine schnelle Umsetzung des Abkommens, das mit der Unterzeichnung durch die großen Textilkonzerne nun in Kraft treten kann. "Wir sind gut vorbereitet. Wir haben ein Abkommen auch mit lokalen Gewerkschaften etabliert. Insofern rechne ich damit, dass es wirklich schnell umgesetzt wird."

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