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Kultur

Schutz durch Vorsorge

Therapie für potenzielle Kinderschänder: An der Berliner Charité ist ein Projekt ins Leben gerufen worden, um Betroffenen mit pädophilen Neigungen zu helfen, ihre sexuellen Phantasien in den Griff zu bekommen.

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Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 20.000 Kinder sexuell misshandelt

Am Swimming-Pool stehend, umgeben von Kindern, bemerkte er, wie ihn die anderen neugierig beobachten. Er fühlte sich so, als ob vor ihm ein schlüpfriger Ball auf dem Wasser sei, den er versenken wollte, so dass niemand seine Scham sehen konnte.

Marc Dutroux

Marc Dutroux vergewaltigte 6 Mädchen und ermordete 4 von ihnen

Nachdem er die Kontrolle über sein Leben wegen seiner sexuelle Phantasien mit Kindern verloren hatte, erhoffte sich der Mann Hilfe von Christoph Joseph Ahlers, Anstaltspsychologe am Berliner Institut für Sexualmedizin und Sexualwissenschaft an der Charité Berlin.

Damals informierte Ahlers ihn, dass zwar spezielle Behandlungen existieren; das Institut leider jedoch weder über ausreichende Mittel noch entsprechendes Personal verfüge, um diese Behandlung anzubieten. "Wir können den Betroffenen sagen, was sie haben und was für sie getan werden könnte, aber es fehlen die Mittel," argumentierte Ahlers gegenüber DW-WORLD.

Vorbeugung für neue Opfer

Berlin Charité

Berliner Charité mit dem Institut für Sexualmedizin und Sexualwissenschaft

Dies scheint sich jetzt zu ändern, da das Institut einen privaten Fond für ein einzigartiges Projekt gegründet hat, mit dem Pädophilen geholfen werden soll, bevor sie auf der Anklagebank landen. "Wir haben gerade erst begonnen, die Probleme zu erkennen, es fehlen jedoch noch angemessene und fundierte Vorsorgeprogramme," so Kai Sachs, Direktor der deutschen Gesellschaft gegen Kindesmissbrauch.

Ahlers ist davon überzeugt, dass ein frühzeitiges Einschreiten Kindern vor ihren Leiden durch Mißbrauch schützen könnte. "Es geht um Opfer und den Schutz vor neuen Opfern", unterstrich Ahlers und fügte hinzu, dass bis jetzt wenige Therapeuten qualifiziert und interessiert seien, sich um Menschen mit pädophilen Neigungen zu kümmern. "Es gibt Patienten, man kann sie behandeln und es nützt sogar - das wollen wir beweisen."

Finden sich Interessenten?

Obwohl sie das Projekt begrüßen, fragen sich andere, ob es genügend Interessenten für die Behandlung geben wird. "Die Frage ist, wie man sie erreicht", so Michael Osterheider, Direktor der forensischen Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Regensburg. Viele Pädophile seien davon überzeugt, nichts Falsches zu tun und möchten, dass Sex zwischen Erwachsenen und Kindern legalisiert wird.

Behandlungsstelle für Süchtige in Bonn

Angst vor sich selbst: Pädophile müssen lernen, ihre Neigungen in den Griff zu kriegen

Ahlers konterte, dass er sich keine Sorgen um die Zahl der Teilnehmer macht, weil das Projekt auf Pädophile gerichtet ist, die unter ihren sexuelle Wünschen leiden und Hilfe suchen. "Wir hoffen, alle Personen anzusprechen, die bemerkt haben, dass Kinder in ihren sexuellen Phantasien eine Rolle spielen."

Hilfe statt Schutz

Die Sitzungen der Therapie basieren darauf, den Betroffenen zu helfen, ihre eigenen Sexualität zu erkennen und anzufangen, ihre sexuellen Neigungen zu akzeptieren. Sie müssen lernen, dass sie keine Schuld an ihren Gefühlen haben, aber das sie für ihre Taten verantwortlich sind, so Ahlers. Weiter erklärte er, dass die Patienten lernen müssen, kindliche Signale nicht sexuell zu deuten.

Ein gewisses Maß an Vertrauen zwischen Patient und Therapeut ist notwendig, um mit der Behandlung beginnen zu können. Teilnehmer, die nicht damit einverstanden sind, eine Abstinenzregel einzuhalten, werden aufgefordert, dass Programm zu verlassen.

Flüsternde Kinder

Noch fehlen fundierte Grundkonzepte zur effektiven Vorbeugung von sexuellen Übergriffen auf Kinder.

Zwar ist es deutschen Therapeuten aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht verboten, Auskunft über sexuelle Neigungen der Patienten zu machen. Aber würde sich eine Tat ankündigen, sind sie gezwungen, dies der Polizei zu melden. "Sie erfahren nach wie vor dieselbe rechtliche Strafverfolgung," so Ahlers. Das einzige therapeutische Ziel sei, den Menschen zu helfen, die Kontrolle über ihre sexuellen Wünsche jederzeit im Griff zu haben. "Trotz Behandlung wird ein Pädophiler immer ein Pädophiler bleiben," so der Psychologe.

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  • Datum 10.08.2004
  • Autorin/Autor Mathis Winkler (nak)
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5QGr
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